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BBS-Schüler organisieren Kochkurs

„Kochfieber“ und Rezepte für Geringverdiener


Beherzt und routiniert zerteilt Melanie eine Annanas. Ihre Tochter Sandra putzt mit Sonia schon Paprika und kratzt geduldig die Kerne heraus. Anton steht neben ihr und weiß „ganz genau“, wie viel eine Prise Salz und Pfeffer ist – „das habe ich von einem Fernsehkoch gelernt“. Gelegentlich schaut einer aus dem Team auf den Rezeptezettel, dann erzählt wieder einer eine Anekdote aus der eigenen Küche. Die ist viel kleiner, denn heute steht die Gruppe in der Ausbildungsküche der Berufsbildenden Schulen (BBS) am Ritterplan in Göttingen. Bis auf Realschülerin Sandra sind sie und ihre Gleichgesinnten längst erwachsen – und in zweifacher Weise vereint: Sie haben wenig Geld, und ihre Lehrmeister in der Küche sind vier Schülerinnen.

Und noch ein Spritzer Chili: Kochkurs-Teilnehmer Anton verfeinert mit Schülerin und Lehrmeisterin Janin die chinesische Hühnersuppe.

© Hinzmann

„Kochfieber“ haben Theresa Schlote, Leah Reitemeyer, Angelina Trinczek und Janin Schelper vom Fachgymnasium mit Schwerpunkt Ökothrophologie ihren Kochkurs für „Menschen mit geringem Einkommen“ genannt. Ein Kurs, der in Zeiten hoher Arbeitslosenquote und Hartz-IV-Debatte gut ankommt: 18 Teilnehmer haben sich über die benachbarte „Göttinger Tafel“ angemeldet, auch mehrere Männer.

Die Stimmung am Tisch für „Hähnchen süßsauer“ mit Melanie, Sonia und Sandra ist entspannt und fröhlich. Auch am großen Topf mit der Suppe wird gelacht – nicht nur über die gehörige Menge Chili-Sauce. „Dafür braucht ihr nen Waffenschein“, scherzt Peter und kostet sofort noch einmal. „Weil´s hinterher auch gutes Essen gibt, bin ich doch hier“, frotzelt er weiter, „außerdem ist chinesisches Essen ja in“.

Unter dieses Motto hat das „Kochfieber“-Team alle Gänge des Kurs-Menüs gestellt. „Zutaten für chinesisches Essen sind meistens sehr günstig“, erklärt Janin. Und darauf kommt es fast allen Teilnehmern an. „Mit wenig Geld etwas Gutes und auch noch abwechslungsreich kochen, muss ich zu Hause jeden Tag“, sagt Sonia. „Ich koche gerne und hoffe, hier auch ein paar nützliche Tipps zu bekommen“, ergänzt Ralf und beobachtet etwas skeptisch das Rührgerät mit den Eis-Zutaten.

Martina May von der „Göttinger Tafel“ sieht den Kurs auch als „Hilfe zur Selbsthilfe“ für ihre Gäste an der täglichen Essensausgabe. Die vier BBS-Schülerinnen müssen in ihrem eigenen Kurs allerdings kaum helfen – sie haben alles perfekt vorbereitet: das Konzept, die Rezepte, die Einkäufe und abschließender Kurzvorträge. Es ist ihre Projektarbeit für das laufende Schuljahr im Rahmen ihres Unterrichts an der BBS III. Das Konzept kommt auch bei ihren Ausbildern und Betreuern an: Die Schule will das „Kochfieber“-Projekt jetzt fest etablieren. Und auch die ersten Teilnehmer werden länger etwas davon haben: Die Mädchen haben für sie ein Heft mit Informationen zu gesunder Ernährung, zu den wichtigsten Zubereitungsarten, mit Rezepten und Lebensmittelpreisen in Discountern zusammengestellt.

Von Ulrich Schubert

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