Rotes, durch das Moor verfärbtes, lockiges Haar kringelt sich auf dem dunklen Stück Schädel. Mooras Knochen sind zierlich. „Sie war etwa 1,50 Meter groß“, sagt Prof. Klaus Püschel, Chef der Rechtsmedizin im Uniklinikum Hamburg. Er hat die Moorleiche von Anfang an untersucht – zunächst auf der Suche nach einem Tötungsdelikt. Moora war Linkshänderin, sie hat Notzeiten durchlebt, das fand Püschel anhand ihrer Knochen heraus. Aber: Wie hat die junge Frau gelebt, wo kam sie her, was hat sie gegessen, ist sie im Sommer gestorben, war sie gesund? Fragen wie diese will der Göttinger Paläopathologe Prof. Michael Schultz gemeinsam mit anderen Experten am Uniklinikum herausfinden. Schultz ist international als Fachmann bekannt, er hat unter anderem ägyptische und mongolische Mumien untersucht.
Laut Püschel kann Schultz „in den Knochen lesen wie in einem Buch“. Der Mediziner will unter anderem untersuchen, welche Krankheiten Moora durchlebt hat, unter welchen hygienischen Bedingungen sie lebte, welche Herkunft sie hatte. Dazu wird die Moorleiche mit modernen Methoden endoskopisch, radiologisch, biochemisch und molekularbiologisch untersucht. Eine Moorleiche aus der Eisenzeit, eine Zeit, in der an schriftliche Überlieferungen noch lange nicht zu denken war, das ist laut Schultz eine „biohistorische Urkunde“. „Moora ist eine besonders gut überlieferte Leiche“, sagte Landesarchäologe Henning Haßmann. Man habe sie nach modernen Standards geborgen. Warum sie starb und unter welchen Umständen? „Wir sind noch ratlos“, so der Fachmann. Generell sei man über die Eisenzeit in Norden nur „unzureichend informiert“.
Das Skelett Mooras will Püschel später rekonstruieren, die Knochen sind teils verbogen – das saure Moor machts möglich. Eventuell soll auch eine Gesichtsrekonstruktion folgen. Welche Haarfarbe die Frau wirklich hatte, wird dann vielleicht auch geklärt.
Wer ist Moora?
Moora ist im Jahr 2000 bei Torfarbeiten im Uchter Moor entdeckt worden. Zunächst ging die Polizei von einem Verbrechen aus – ermittelt wurde, ob die Moorleiche die im Jahr 1969 verschwundene Elke Kerl war. Erst 2005, nachdem die linke Hand gefunden wurde, konnte die Identität der jungen Frau durch die Hamburger Rechtsmedizin zweifelsfrei geklärt werden. Es handelt sich demnach um den Körper einer 16- bis 20-jährigen Frau, die vor etwa 2650 Jahren (Eisenzeit) zu Tode kam. Der Fund gilt als die älteste Moorleiche Niedersachsens.
Ein Video zur Moorleiche sehen Sie hier.
Von Britta Bielefeld
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