Vorbereitung für Spatenstich am 19. März: eine Erdbühne auf dem Acker.
Es ist eine der am längsten herbeigesehnten und zugleich umstrittensten Umgehungsstraßen in Südniedersachsen. Seit Jahrzehnten fordern Waaker Bürger und Berufspendler zwischen Harz, Eichsfeld und Göttingen eine Entlastung für das Nadelöhr der B27 in Waake. Mit Blick auf eine schwierige topografische Lage wurde erst lange um die Trassenführung gerungen, dann um die Finanzierung. Mehrfach wurde das Projekt im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und auf Eis gelegt, mal auf- und mal abgestuft. Und immer wieder schalteten sich Politiker ein. Mit Aufnahme ins Konjunkturpaket I für 2009 war die Finanzierung schließlich gesichert.
In den vergangenen Jahren haben sich aber auch Gegner der neuen Straße formiert – überwiegend Naturschützer. Sie protestieren gegen die Zerstörung von Wäldern und Randbereichen im Trassenverlauf und die damit einhergehende Bedrohung für die Tier- und Pflanzenwelt – darunter auch die seltene Wildkatze. Sie bezweifeln den Sinn einer Umgehung für Autos und setzen eher auf verkehrslenkende Maßnahmen im Ort, um die Anwohner zu entlasten. Schließlich zogen sie über mehrere Instanzen vor Gericht, scheiterten zuletzt aber mit einer Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Leipzig.
Für die Verkehrsplaner in Land und Bund sowie Befürworter im Kreis Göttingen gibt es messbare Gründe für die Millioneninvestition: bis zu 16 700 Fahrzeuge, die sich täglich durch die enge Ortsdurchfahrt drängen – davon rund 88 Prozent Durchgangsverkehr. Dieser Verkehr belaste die Anlieger mit Schadstoffen und Lärm. Das Land stuft eine Umgehung für eine „regional bedeutsame Ortsdurchfahrt“ als zweckmäßig ein, wenn mindestens 8000 Fahrzeuge gezählt werden.
Die neue Straße wird aus Göttingen kommend hinter dem „Haus Södderich“ in zwei großen Bögen nördlich um Waake herum aber zwischen Waake und Bösinghausen hindurch geführt. Ihr Abstand zur nördlichen Bebauung Waakes beträgt etwa 100 Meter. In diesem Bereich wird sie in einem etwa 13 Meter tiefen Trog liegen, flankiert durch zusätzliche Erdwälle. An der Abzweigung nach Bösinghausen im Osten Waakes werden die alte und neue B 27 wieder zusammengeführt. Im Trassenverlauf sind mehrere Brücken für Wirtschaftswege und andere Straßen vorgesehen. Die Straße wird Dreispurig ausgebaut. Je Fahrtrichtung wird es eine Spur mit wechselseitigem Überholstreifen geben.
In den vergangenen Jahren hatten Planer die Kosten mit etwa 13 Millionen Euro beziffert. Für die Verteuerung auf 14,7 Millionen Euro gibt es nach Angaben des Leiters der Landesbehörde für Straßenbau in Goslar, Günter Hartkens, zwei Gründe: „die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die allgemeine Preisentwicklung“. Im Februar wurden bereits erste Bäume an den Startpunkten der neuen Straße gerodet. Am nächsten Freitag beginnen die Bauarbeiten.
Von Ulrich Schubert
Morgens in der Lokalredaktion des Göttinger Tageblattes in der Prinzenstraße: Lokalchef Heinz Hundertmark verteilt Termine an die Kollegen. Ich, blutjunger Volontär, werde nach Waake geschickt. Dort soll ich den Adligen Adolf von Wangenheim interviewen. Gesagt getan. Das Interviewthema ist die Lärmbelästigung des Wangenheimschen Schlosses durch die vor der Tür vorbeiführende B 27. Lösung des Problems: Eine Umgehungsstraße wäre wünschenswert und sinnvoll, so von Wangenheim. Ich kehre in die Lokalredaktion nach Göttingen zurück, verfasse einen anschaulichen Bericht über die Sorgen und Wünsche von Wangenheims. Zeitpunkt des Interviews: im Herbst vor 42 Jahren. Von Sebastian Rübbert