Aus dem Gleichgewicht: Katholische Kirche und Jesuitenorden ringen mit dem Thema Missbrauch.
Der heutige Mitfünfziger wurde 2001 vom damaligen Bischof Josef Homeyer wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung eines Jugendlichen von seinen Ämtern entbunden. Der Pfarrer räumte den Vorwurf ein, das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Der Pfarrer musste das Bistum Hildesheim 2002 verlassen und unterzog sich in Würzburg einer Therapie.
Einige Zeit später durfte er in Göttingen einen Neuanfang wagen – mit Einverständnis und Wissen des damaligen Dechanten Norbert Hübner. Auch die Hauptamtlichen, die mit dem Pfarrer zusammenarbeiteten, wurden eingeweiht – sie sollten schließlich ein Auge auf ihn haben. Der Pfarrer hatte die Auflage, nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Er wurde in der Krankenhausseelsorge tätig und half auch in verschiedenen Gemeinden im Dekanat Göttingen aus.
Bistumssprecher Michael Lukas, der damalige Dechant Norbert Hübner und der jetzige Dechant Bernd Langer bringen viel Verständnis für den gestrauchelten Pfarrer auf. Das Verfahren sei damals korrekt behandelt und abgeschlossen worden, so Lukas. Der Seelsorger sei als geheilt entlassen worden, so Langer. Es sei um einen Einzelfall und nicht um ein Tatmuster gegangen. Zudem habe es sich nicht um einen schweren Fall von Missbrauch gehandelt. „Er hat gebüßt“, betont Hübner. Irgendwann müsse jemand auch die Chance auf einen Neuanfang bekommen, wenn die Therapeuten grünes Licht geben. Auch das Opfer sei damals psychologisch betreut worden. Langer, Hübner und andere Krankenhausseelsorger betonen, ihnen seien in der Göttinger Zeit nie wieder Übergriffe des Pfarrers bekannt geworden.
Neuer Vorwurf gegen Peter R.
Eine neue Entwicklung gibt es auch im Fall des Jesuitenpaters Peter R., dem sexueller Missbrauch in mehreren Fällen vorgeworfen wird und der in den achtziger Jahren auch in Göttingen wirkte. Mittlerweile hat sich, wie das Bistum bestätigte, ein drittes Opfer gemeldet. Dabei gehe es um einen sexuellen Übergriff in den neunziger Jahren, sagte Lukas. Die betroffene Frau sei damals bereits volljährig gewesen.
Von Jörn Barke
Kommentare
Anliegen bitte noch prägnater hervorheben. Klaus Klüber - www.ex-heimkinder.de – 08.03.10
Sehr geehrter Herr BarkeIch denke den Sinn Ihres Bericht nachvollziehen zu können, dessen Absicht weniger darin besteht eine bedauernswerte Person und deren sexueller Neigungen bloßzustellen, sondern wohl eher darauf fußt, den problematischen Umgang Kirchenverantwortlicher mit ertappten Päderasten in ihren eigenen Reihen offen zu legen, der sich traditionsgemäß noch immer auf Verschweigen, Abwimmeln und Verharmlosen von Taten beschränkt.
Im Gegensatz zu deren Opfern (zwei sind mir persönlich bekannt) sofern sie als Opfer anerkannt werden, in Verbindung mit entsprechenden Schweigevereinbarungen lächerliche Entschädigungen erhielten und sich anschließend selbst überlassen blieben, wird den Tätern die ganze Aufmerksamkeit der warmen Bruderschaft zuteil.
Dabei dürfte in kirchenverantwortlichen Kreisen längst hinreichend bekannt sein, dass eine pädophile Orientierung, genausowenig wie Homo-, Bi-, oder Heterosexualität wegtherapiert werden kann.
Genau aus diesem Grund stellen Menschen mit „problematischen“ sexuellen Orientierungen, in Hinblick ihres spirituellen Anspruchs auf Vertraulichkeit (z.B. Beichte) im Umgang mit anderen Menschen insbesondere gegenüber unbedarften Kindern eine unangemessen potenzielle Gefahr dar. Ich will nicht sagen, dass solche Menschen zeitlebens eingesperrt gehören, nur sollte ihnen keine Gelegenheit mehr gegeben werden, die sie in Verbindung beruflicher Verpflichtungen noch einmal in Versuchung bringen könnte.
Hätten Sie ruhig auch so schreiben dürfen.
Darüber hinaus möchte ich noch hinzufügen, dass für mich sowohl Kirche als auch die Politik jeden Glaubwürdigkeitsanspruch verloren haben, wenn sie um die Probleme wissen, aber nichts dazu beitragen um sich im präventiven Sinne für gesellschaftsfördernde Bildungsreformen einzusetzen.
Und glauben Sie mir, die Lästerer hier würden hier ganz schnell ihre Meinung ändern, wenn ihre eigenen Kinder und Enkel in die Hände pädophiler Kinderschänder fielen.
In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen den Mut die Dinge auch beim Namen zu nennen, denn es reicht schon wenn sich die katholische Kirche als Sammelbecken von werklemmten Menschen einen unrümlichen Ruf erworben haben. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Nach Mißbrauch Neuanfang Bernd Müller – 07.02.10
Hallo Herr Barke,ist Ihnen eigentlich, bewußt was Sie mit Ihrem Artikel ausgelöst haben?
Nach der Kampagne gegen den früheren Superintendenten des ev. Kirchenkerises ist nun im Fahrwasser der aktuellen Mißbrauchsvorkomnisse in der kath. Kirche ein kath. Pfarrer dran. Die Hetzjagd ist eröffnet. Das hat alles nichts mehr mit einer verantwortungsvollen Berichterstattung zu tun. Ich hätte mir gewünscht, wenn Sie sachlich über den einen Neuanfang nach Mißbrauch geschrieben hätten, ohne reißerische Formulierungen, wie - erträgt ein dunkles Geheimnis mit sich- und so, daß keine Rückschlüsse auf die konkrete Person möglich waren.
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So geht man nicht mit Menschen um ich – 06.02.10
Hat derTäter den damals daran gedacht das man nicht so mit Menschen umgeht??? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenSo geht das nicht - was soll das? Mathias Neumann – 06.02.10
Sehr geehrter Herr Barke,ich glaube ich lese nicht richtig. Wer die kath. Kirche Göttingens kennt, weiß nach dem Lesen Ihres Artikels exakt um welche Person es sich handelt.
Was wollen Sie damit erreichen? Schreiben Sie doch gleich den Namen. Einer Person, die vor längerer Zeit verwerfliche und eingestandene Fehler begannen hat, aber nie strafrechtlich verurteilt wurde, nun erneut durch den Schlamm zu ziehen?
Herr Barke, Ihre suggerierenden neuen Erkenntnisse sind eine bodenlose Frechheit und entbehren jeder Grundlage ein erneutes Spießrutenlaufen in einem Fall zu eröffnen, der für alle beteiligten Seiten in Hildesheim, Würzburg und Göttingen vor Jahren abgeschlossen war und allumfassende Reue und Buße geleistet wurde.
Hier ist mindestens eine Entschuldigung notwendig. So geht man nicht mit Menschen um.
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Nach Mißbrauch Neuanfang Jörn Barke – 06.02.10
Ihr Artikel beschädigt unter Verwendung einer effektheischenden Wortwahl das Ansehen einer Person, der aktuell nichts vorgeworfen wird.Das hat nichts mit objektiver Berichterstattung oder Achtung vor der Würde eines Menschen zu tun, eher mit Hetzjagd.
Dr.Maria-Charlotte Wolpers Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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