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Juwelier wird überfallen

Räuber Messer entwunden

Von Jürgen Gückel

„Ich habe gedacht, der sticht ihn ab.“ Die Seniorchefin ist noch immer aufgeregt. Am Montagabend haben sie und ihr Sohn den Angriff eines bewaffneten Räubers überlebt, der mit einem riesigen Fleischermesser auf Wolfgang Danilschenko und seine Mutter losging. Doch so einfach, sagt der 51-Jährige, wollte er seinen handgeschmiedeten Schmuck nicht hergeben. Er kann Aikido, eine eigentlich betont defensive asiatische Kampfkunst, und er überwältigte den Räuber.

Böse Erinnerung: Foto des Messers auf der Kamera des Opfers.

© Gückel

Göttingen. Einen Tag später sitzt dem Göttinger Juwelier der Schreck noch immer sichtbar in den Knochen. Es war kurz nach 17 Uhr, und die Danilschenkos wollten eigentlich das Schaufenster dekorieren, als der Räuber in den Laden stürmte. Gerade standen Mutter und Sohn vor dem geöffneten Tresor im Hinterzimmer, als der groß gewachsene, schwarz gekleidete Räuber entschlossen durch den Laden in hintere Räume vordrang und forderte, alle sollten sich auf den Boden legen. Vermummt mit einer Sturmhaube und bewaffnet mit einem großen Fleischermesser war er – furchteinflößend.

Doch statt sich auf den Boden zu legen, griff Danilschenko sofort an. Er konnte dem sofortigen Messerstich ausweichen. Eine große Fläche abgeplatzten Lacks am Tresor zeugt davon, wo die massive Klinge, die ihm galt, auftraf. Dann begann der Kampf des viel kleineren und älteren Juweliers mit dem kräftigen Angreifer. Doch Danilschenko hat in seiner Jugend in Northeim viele Jahre Aikido trainiert. Das half.

Das Gerangel verlagerte sich vom Hinterzimmer in den Verkaufsraum. Dort brachte der Inhaber den Räuber zu Fall. Der verlor sein Messer und wollte danach nur noch weg. Doch jetzt ließ Danilschenko nicht mehr locker. Er hielt ihn fest, riss ihm Kapuze und Brille vom Kopf, konnte erneut zufassen, als sich der Räuber schon bis auf den Flur vors Geschäft gekämpft hatte. Dort rief der Überfallene um Hilfe.

Voller Dankbarkeit ist der Juwelier, dass couragierte Zeugen sofort eingriffen. Ein 37 und ein 49 Jahre alter Mann eilten hinzu. Zu dritt gelang es, den Räuber zu fixieren, bis die Polizei ihn übernehmen konnte. Die Seniorchefin hatte längst Alarm ausgelöst, Passanten hatten über Notruf die Polizei informiert. Die erste Streifenwagenbesatzung stürmte mit gezückter Schusswaffe durch die Theaterstraße zum Juweliergeschäft. Dort musste sie nur noch den Täter übernehmen, Spuren und Tatmesser sicherstellen.

Bei dem Räuber handelt es sich um einen der Polizei gut bekannten 32-Jährigen. Wegen Drogendelikten und Körperverletzung ist der gebürtige Deutsche vorbelastet. Dennoch beantragte die Staatsanwaltschaft keinen Haftbefehl. Die Polizei setzte den Räuber wieder auf freien Fuß. Sein Opfer hat bei dem Kampf leichte Verletzungen in Gesicht und am Arm erlitten und musste sich ärztlich versorgen lassen.

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