„Die Erkrankung verläuft bislang mild. Wir rechnen deshalb zudem mit einer hohen Dunkelziffer“, sagt Helmut Eiffert, Professor für medizinische Mikrobiologie im Uniklinikum Göttingen. Nicht immer zeigten sich die klassischen Grippesymptome wie hohes Fieber. Der Fachmann rechnet mit „einer starken Zunahme“ der Schweinegrippefälle in der Region. Zum einen, weil weitere Urlaubsheimkehrer das Virus mitbringen, zum anderen, weil die Grippesaison noch bevorsteht.
Im Göttinger Gesundheitsamt laufen täglich rund 15 Anrufe von besorgten Bürgern ein, so dessen Leiter Reinhard Wienecke. Die Patienten, die sich angesteckt haben, und deren Angehörige würden zuhause vom Amt betreut. „Wir haben keine Patienten auf der Isolierstation“, bestätigt Klinikumssprecherin Bettina Bulle.
Intensive Betreuung
Die ersten H1N1-Patienten wurden noch intensiv medizinisch betreut. Mittlerweile greife eine andere Strategie, erklärt Eiffert: „Der normale, vorher gesunde Patient muss nicht unbedingt zum Arzt.“ Beim milden Verlauf reiche es meist aus, sich zunächst telefonisch beim Hausarzt zu melden. Weitere Behandlungsschritte und Quarantänemaßnahmen würden dann je nach Fall individuell festgelegt.
Nicht jeder Verdachtsfall wird getestet – die Krankenkassen zahlen den Test noch nicht. Eiffert spricht von einer „Einzelfallentscheidung“, abhängig unter anderem von Symptomatik und Reiseanamnese.
Mit der prognostizierten Zunahme der Fallzahlen erwarten die Experten auch schwere Krankheitsverläufe. Ein H1N1-Impfstoff soll Ende September auf den Markt kommen. Wie Eiffert, der in der „Koordinierungsgruppe neue Influenza“ des niedersächsischen Gesundheitsministeriums mitarbeitet, erklärt, könnten dann bundesweit 25 Millionen Menschen – vorrangig medizinisches Personal – geimpft werden. Bis dahin soll „die große Welle“ verzögert werden.
bib
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