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Tunnel-Übung

Silvesterknaller sorgen für „special effects“


Eine mehrstündige Vollsperrung der A 38 im Bereich des Heidkopftunnels und merkliche Verkehrsbehinderungen auf der Umleitung – das sind die Folgen einer Übung der Kreisfeuerwehrbereitschaft und der Umweltfeuerwehr des Landkreises Göttingen am Sonnabend. Aufwendig geprobt wurde ein Szenario, das so eigentlich gar nicht eintreffen dürfte, denn der Heidkopftunnel ist für Gefahrguttransporte gesperrt.

Einsatz mit Atemschutz: Feuerwehrleute bergen den verletzten Beifahrer des Unfallfahrzeugs.

© Heller

Dennoch würden sich nicht alle Fahrer daran halten, rechtfertigt Feuerwehrsprecher Thomas Kleinhans die Übung. Immer wieder würden Lkw-Fahrer aus Zeitersparnis kurz vor dem Tunnel die Gefahrguttafeln ihrer Fahrzeuge ab- und nach Passieren des Tunnels wieder anmontieren.
Ziel der Übung: vor allem das Proben mit eigens für den Gefahrguteinsatz angeschafften Gerätschaften durch die Kreisfeuerwehrbereitschaft und die Umweltfeuerwehr. Kreisbrandmeister Karl-Heinz Niesen, Bereitschaftsführer Dieter Röthig und Abschnittsleiter Albert Bürmann hatten folgendes Szenario vorbereiten lassen: In der Tunnelröhre in Fahrtrichtung Halle hat sich ein Lastwagen quergestellt. Er blockiert beide Spuren. Ein nachfolgender Tanklastzug, dessen Fahrer die Kennzeichnungstafeln seiner Ladung entfernt hat, fährt ungebremst in die Unfallstelle. Der Motorraum des Lkw gerät in Brand, dessen unverletzter Fahrer meldet den Unfall über die Notrufsäule. Der verletzte Fahrer des Tanklastzuges kann sich ebenfalls in Sicherheit bringen, sein Beifahrer jedoch ist im Führerhaus eingeklemmt.
Fässer leck, Tank aufgerissen
Von der Ladefläche des Lkw sind blaue Fässer heruntergefallen und zum Teil leckgeschlagen. Aufkleber signalisieren den ersten Einsatzkräften, dass es sich um Zinkstaub handelt. Welche Chemikalien sich in dem aufgerissenen Tankabteil befinden, ist zunächst nicht bekannt. Bei der Aufklärung sind die Fachberater für Chemie, Biologie und Physik vor Ort gefragt.
Steffen Bürmann mimt den eingeklemmten Beifahrer, Benjamin Papen ist für die „special effects“ wie grüner Rauch aus der Nebelmaschine zuständig. Silvesterböller sorgen für effektvolle Explosionsgeräusche in der Tunnelröhre. Nach und nach treffen 30 Fahrzeuge mit mehr als 100 Feuerwehrleuten aus dem gesamten Landkreis ein. Was folgt, bezeichnet Einsatzleiter Bürmann als „reinste Materialschlacht“, denn erstmals kommt die komplette Spezialausrüstung zum Einsatz.
Das Geschehen rund um das Westportal des Heidkopftunnels wird von mehreren Beobachtern kritisch begutachtet. Am Ende wird nicht nur bewertet, ob alles reibungslos funktioniert und etwa die Handgriffe beim Aufbau der Dekontaminierungszelte und -duschen sitzen. Auch die Ansagen der Zugführer an die Einsatzkräfte werden beurteilt.
Fazit der Verantwortlichen: Auf Gemeinde- und Ortsebene müsse der Einsatz mit Chemieschutzanzügen verstärkt geübt werden. Auch der Grund für die Koordinierungsprobleme ist schnell ausgemacht: Es steht nur ein Funkkanal zur Verfügung.

Von Britta Eichner-Ramm

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