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Gyrocopter-Absturz

Trauer und Analysen


Die Ursache für den Absturz eines Gyrocopters im Plessewald mit zwei Todesopfern ist weiter ungeklärt. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) haben bisher keinen technischen Defekt festgestellt. Verwandte schließen zugleich einen Fehler des offenbar sehr erfahrenen Piloten aus. Unterdessen herrscht Trauer auf dem Northeimer Flugplatz.

Eddigehausen. An der Absturzstelle ist es gespenstisch ruhig. Der Ultraleicht-Flieger liegt zertrümmert am Waldboden, in der Mitte eingeknickt wie ein halb geöffnetes Klappmesser. Absperrbänder halten Neugierige zurück, auch die Ingenieure der BFU und Polizisten reden nur leise. Konzentriert untersuchen sie das Wrack der MT03, machen Fotos, telefonieren mit Zeugen des Unglücks am Freitagabend.

Nach bisherigen Kenntnissen waren der 56-jährige Pilot und ein 50-jähriger Bekannter mit dem Tragschrauber in Northeim zu einem Rundflug gestartet. Über dem Plessewald bei Eddigehausen soll der Motor mehrfach gestottert haben. Kurz darauf – gegen 19.45 Uhr – stürzte die Maschine etwa 250 Meter östlich der Plesseburg ab. Sie brach durch die hohen Bäume und prallte auf den Boden. Zeugen vermuten, dass der Pilot auf dem kleinen Burgparkplatz notlanden wollte.

Beide Opfer kommen aus Northeim. Der Pilot hat zwei erwachsene Kinder. Sein Begleiter soll ein Arzt sein, der Rundflug eine private Aktion am Rande einer Feier auf dem Northeimer Flugplatz.

Michael Ullrich schließt einen Flugfehler aus. Der 56-Jährige sei ein „hoch umsichtiger und erfahrener Pilot“ gewesen. Seit etwa 20 Jahren habe er regelmäßig Flugzeuge geflogen, seit etwa fünf Jahren auch Gyrocopter. Ullrich ist Betreiber einer Gyrocopter-Flugschule und kennt den verunglückten Piloten wie nur wenige: Der Northeimer war sein Schwiegervater und wurde von ihm ausgebildet.

Trauer am Flugplatz

Die Experten der BFU haben ihre Untersuchung an den Trümmern abgeschlossen und das Fluggerät noch am Sonnabend freigegeben. Bisher sei kein technischer Defekt aufgefallen, bestätigte BFU-Beauftragter Horst Ische-Kaufholz gegenüber dem Tageblatt. Abgeschlossen ist die Untersuchung damit nicht: Die BFU werde jetzt ihre Ergebnisse vom Unfallort, das Flugbuch des Piloten, die Wartungsunterlagen der Maschine und die Wetterverhältnisse zum Zeitpunkt des Absturzes auswerten. Auch die Göttinger Polizei ermittelt weiter – die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion der Leichname angeordnet.

Ullrich kann sich einen technischen Defekt ebenso wenig vorstellen wie einen Pilotenfehler. Tragschrauber seien „sehr, sehr sicher“ und bisher habe es in Deutschland „keinen einzigen“ Unfall durch technische Panne gegeben. Er vermutet eine „Luftkollision“ – ein Vogel könnte den Propeller zerstört hat. Grundsätzlich könnten Gyrocopter zwar ohne Motor gleiten. Eine Notlandung im Wald sei jedoch „sehr gefährlich“.

Auf dem Northeimer Flugplatz herrschte am Wochenende tiefe Trauer. „Hier fliegt heute keiner“, sagte ein Gyrocopter-Pilot und Freund des 56-jährigen Opfers. In Brandenburg werden Gyrocopter im Polizeieinsatz getestet. Jetzt hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter laut dpa gefordert, den Probelauf vorerst zu stoppen.

Ein Video gibt es hier.

Von Ulrich Schubert

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