Lautstarker Protest: Gegner der Ortsumgehung Waake beim Spatenstich.
Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker, Vertreter von Verkehrsbehörden und etwa 200 Gäste haben gestern symbolisch den Startschuss für die neue Umgehungsstraße bei Waake gegeben. Für die einen war es ein großer Freudenmoment, auf den sie Jahrzehnte hingearbeitet haben. Für die anderen eine Fehlentscheidung und Grund für lautstarke Proteste.
Wenn die Bundesregierung im ländlichen Raum für viele Millionen Euro eine neue Straße baut, werde zum Spatenstich sonst der rote Teppich ausgerollt, kommentierte der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) den Waaker Spatenstich. Proteste dieser Art und „so eine lustige Atmosphäre“ hätte er höchstens in Göttingen erwartet. Ferlemann und die anderen Redner ernteten aber nicht nur böse Zwischenrufe der etwa 70 Gegener der neuen Straße, sondern auch immer wieder viel Applaus von etwa 150 Befürwortern. Und mitten unter ihnen einige Göttinger, die auf Transparenten gleich für eine Südumgehung bei Göttingen Geismar warben. Schon im Ortskern wurden alle Gäste mit Spruchbändern an den Häusern begrüßt. Tenor: „Juchhu, endlich gehts los.“
Die neue Straße bringe den Waakern und auch vielen Pendlern Richtung Göttingen große Verbesserungen und mehr Lebensqualität, sagten sowohl Ferlemann als auch Oliver Liersch (FDP), Staatssekretär im niedersächsischen Verkehrsministerium. Die 2,5 Kilometer lange und 14,7 Millionen Euro teure Straße soll den Durchgangsverkehr auf der B 27 nördlich um Waake herum führen. Sie soll vor allem den Ortskern von Lärm, Gestank und häufigen Staus entlasten (Tageblatt berichtete). Das Bundesverkehrsministerium hatte sie zuletzt als „vordringliches“ Projekt eingestuft, obwohl sie im Bundesverkehrswegeplan zunächst nur als „weiterer Bedarf“ angesehen wurde. Finanziert wird sie zu großen Teilen aus dem Konjunkturpaket II.
Die Gegner des Bauprojektes fürchten hingegen massive Einschnitte in die Natur entlang der Trasse durch Wald und Felder. Sie bezweifeln auch die veröffentlichten Angaben zum Verkehrsaufkommen und halten die neue Straße für unnötig. Außerdem prophezeien sie, dass die Straße am Ende eher 20 Millionen Euro kosten werde – und begruben eine entsprechende Summe Spielgeld gleich mit am Ort des Spatenstiches.
Das ist gelebte Demokratie bis zum Schluss. Und es ist schön, dass Politiker und Redner diesen doch ungewöhnlichen Spatenstich humorvoll kommentieren. Befürworter und Gegner der Straße haben lange erbittert für ihre Sache gekämpft. Von außen betrachtet haben beide Seiten nachvollziehbare Argumente, und warum sollen sie diese nicht bis zum Schlusspunkt vortragen. Mittendrin war der Spatenstich aber nicht nur lustig. Es gab auch böse Worte und gar Sätze wie: „Die pfeift da drüben mit? Die kommt nicht mehr in mein Haus.“ Da hört Demokratie auf. Ein Dorf darf streiten, sich aber nicht durch eine Straße spalten lassen.
us
Kommentare
Staatsekretär beim Spatenstich Eichsfelder – 24.03.10
Da staunt der roteteppichvermissende Staatssekretär. Ritt früher des Kaisers Statthalter übers Dorf, buckelte das dämliche Volk und bekam für diesen Festtag mitunter gar einen Bakschisch statt des sonst üblichen Tritts in den A... . Bei Pfiffen gabs mindestens Kerkerhaft und die Bastonade.Heute nicht mehr möglich, Herr Staatssekretär.
Übrigens zahlt auch nicht die Bundesregierung für das spatengestochene Monstrum, sondern der Steuerzahler. Erstaunlich ist bei solchen Projekten, wie Regierung und ihre Protagonisten für gewöhnlich zielgenau die nettesten Fleckchen finden, Mutter Natur am Schlawittchen zu packen. Die Pferdebergtunnelung hinter Duderstadt ist dafür weiterer Beweis. Hier folgt der Wahnsinn generell einem reflexartigen Gehtnichtanders, der hinterm Södderich dazu führt, dass die de facto gebeutelten Waaker B27-Anrainer nun vor Freude hüpfen. Um den Preis, dass wir, wären wir Fische, weiter munter in unser aller Aquarium pissen, in dem wir jetzt schon kaum mehr die Flosse vor Augen sehen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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