Hinter den Gardinen der Gaststätte Rudolph lugen Köpfe hervor, vier um jeden Tisch. Aus dem Radio ertönt der Titel Blue Velvet. So weich wie der besungene blaue Samt auch sein mag, geht es hier mittwochabends definitiv nicht zu. Denn in der Regel gilt: Wer hoch „reizen“ kann, der hat gute Karten und als Höchstbietender die Möglichkeit, alleine Punkte zu sammeln. „Es wird aber immer fair gespielt. In die Karten gucken? Das gibts bei uns nicht“, sagt Spielleiter Jürgen Becker.
Anfänger wären verloren in der Runde der Skatspieler, die hier für ihren Einsatz in der 2. Bundesliga und bei den Deutschen Meisterschaften trainieren. „Skat ist Sport“, sind sie sich einig. Und Sport benötigt nun einmal Training, mindestens vier Stunden in der Woche. Wenn es nach Ernst Poppe geht, dann werden die Krebecker durch ihn in diesem Jahr sogar bei der Weltmeisterschaft vertreten sein und zwar Ende September in Polen. „Endlich mal nah dran. Das muss man ausnutzen“, erklärt Poppe. Eine Reise nach Brasilien oder in die USA, nur um Karten zu spielen, das könne sich ja schließlich niemand leisten.
Poppe, das ist ein richtig Guter, sagt Becker. Der Spielleiter ist während der Saison dafür zuständig, dass die Mannschaft mit sechs Spielern plus zwei Mann Ersatz antreten kann. Am liebsten natürlich in Bestbesetzung. „Sicherlich bekommt jeder mal gute und auch schlechte Karten. Doch über den gesamten Zeitraum gleicht sich das aus. Wer am Ende vorne liegt, hat die Spiele, die auf der Kippe standen, für sich entschieden“, erklärt Becker. Einer, der das besonders gut beherrsche, sei eben Poppe.
Nicht ohne Grund sitzt der Gillersheimer auch am Mittwochabend am Tisch nahe dem Eingang. An diesem nämlich spielen jene, die in der Vorwoche im Training die besten Ergebnisse erzielt haben. Zum Fenster hin sind drei weitere Tische besetzt.
Als sich im März 1987 mehrere Skatfreunde zur Gründungsversammlung eines Vereins trafen, ahnte niemand, dass sie als Eichsfeld-Buben kurze Zeit später in der 1. Bundesliga spielen sollten. Drei Jahre dauerte ihre Zeit in der höchsten Skatklasse Deutschlands an, ehe sie zur festen Größe in der 2. Liga wurden, bis heute.
Angefangen mit 13 Mitgliedern, gehören dem Verein zurzeit 19 Skatbegeisterte im Alter von 27 bis 79 Jahren an, darunter zwei Frauen. Eine von ihnen ist Christel Arlik. Die Schwiegershäuserin kann sich mit der Tatsache, als Dame unter dem Namen Eichsfeld-Buben antreten zu müssen, sehr gut abfinden. „Die Truppe ist einfach klasse“, sagt sie. Exotin sei sie heute ganz und gar nicht mehr. Im Gegenteil: „Es gibt so viele Frauen, die Skat spielen, und sie werden ernst genommen“, unterstreicht Arlik. „Vor allem, wenn die Männer merken, dass die Frauen es auch können.“
Von den 13 Gründungsmitgliedern sind noch drei übrig. Peter Friedrich, Otto Heine und Adelbert Rudolph. Sie allesamt sind Krebecker, gleichzeitig aber auch die einzigen aus dem Ort am Mittelpunkt Deutschlands. Alle anderen wohnen drumherum verstreut. Die Wege von Nörten-Hardenberg, Ecklingerode, Gillersheim, Hammenstedt oder Spanbeck werden nicht gescheut.
Was sich die Eichsfeld-Buben für die Zukunft wünschen? „Junges Blut“, sagt Becker. Nur selten fände Skatnachwuchs den Weg in den Verein. Eine Ausnahme ist Martin Lorenz, der den Krebeckern nach der Teilnahme am Preisskat, das die Eichsfeld-Buben jährlich am 30. Dezember ausrichten, geblieben ist. „Ich lerne hier unheimlich viel und profitiere von der Erfahrung der Älteren“, sagt Lorenz. Zusammen mit seinen Vereinskameraden will der 27-Jährige irgendwann am liebsten den Sprung in die 1. Liga schaffen. Ein Traum, den auch die übrigen Eichsfeld-Buben haben.
Den Krebeckern geht es aber nicht nur um den Erfolg, sondern auch um Spaß und Geselligkeit. Gemäß den Zeilen aus Heinz Erhardts Skatpolka: „Was wär’ das Leben ohne Skat? Es wäre öd’ und blöd’ und fad’. Wir dreschen Karten, dass es kracht. Bis in die Nacht, bis in die Nacht.“
Die Eichsfeld-Buben Krebeck feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Geplant ist eine Feier mit Skatturnier am 24. März im örtlichen Bürgerhaus. Ihre Trainingsabende finden mittwochs ab 18.30 Uhr in der Gaststätte Rudolph, Hauptstraße 24 statt. Interessierte sind jederzeit willkommen. Weitere Informationen gibt es bei Spielleiter Jürgen Becker unter Telefon 0 55 03 / 29 64.
Von Kristin Kunze
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