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Kreisarchäologe Klaus Grote

„Wer einmal infiziert ist, wird es nie wieder los“

Von Gerald Kräft

Ein bisschen Abenteuer ist dabei, aber sonst Verwaltungsarbeit „ohne Ende“. Klaus Grote empfindet sich immer noch ein bisschen als „Exot“ in der Kreisverwaltung. „Ich bin ganz froh, dass zumindest das aufhört.“ Nach 33 Jahren als Kreisarchäologe räumt der Ausgräber des Römerlagers Hedemünden seinen Schreibtisch und geht in den Ruhestand.

50 000 Jahre Geschichte im Kreisarchiv: Kreisarchäologe Klaus Grote geht nach 33 Jahren in den Ruhestand.

© Hinzmann

Göttingen. Bisher ist durch Stichgrabungen nur die „Decke gelüftet“. Das bislang einzige Römerlager in Niedersachsen birgt noch ein enormes Potenzial für künftige Forscher. In den vergangenen zehn Jahren wurden im Römerlager und im Außenlager Kring Pionieräxte, Dolche, Lanzen- und Katapultspitzen, Handwerksgeräte, zahlreiche Sandalennägel, Münzen und Keramik aus der Zeit der Drusus-Feldzüge 9 bis 11 vor Christus entdeckt. Im seit Jahrhunderten unberührten Wald blieb  vieles gut erhalten. Alle Funde sind mittlerweile verpackt und im August ans Landesmuseum nach Hannover abgegeben worden. Ob es einmal eine Dauerausstellung von einem Teil der Funde in Hann. Münden geben wird, wie es die Stadt möchte, ist noch offen.

Die Arbeit des Kreisarchäologen ist damit erst einmal abgeschlossen. Grote schrieb ein umfassendes Buch über die Römerfunde in Südniedersachsen, das Ende Oktober vorgestellt wird. „Das Fach legt man nicht einfach ab“, sagt Grote. Auch im Ruhestand hat er sich noch einiges vorgenommen. Er will Bücher schreiben, auch für Laien verständlich. „Ich habe schon ein paar Ideen und Lust darauf.“ Ich kann mir jetzt ein paar Rosinen rauspicken.“ Notfalls springe er auch noch in Baugruben und melde Funde.

Jedes Buddeln ohne Genehmigung verboten

Für Grote ist es nach wie vor sein „Traumjob“. Auch wenn ein Archäologe schon einmal von einem Grundbesitzer vom Acker „runter gejagt“ wird und manchmal total durchnässt mit den Stiefeln im aufgeweichten Boden steckenbleibt. Manchmal gilt es auch, „fehlgeleitete Hobbyhistoriker“ auf den rechten Weg zu bringen und Sondengänger abzuschrecken oder zu verhindern, dass Abwasserkanäle quer durch Bodendenkmale verlegt werden. Meistens kämen Metallfunde von Sondengängern von geschützten Flächen, beklagt Grote. „Dort ist jedes Buddeln ohne Genehmigung verboten.“ Auch in Hedemünden waren Raubgräber am Werk, bevor die Archäologen alles absuchten. „Die kommen nachts und wissen genau, dass sie gegen Gesetze verstoßen.“ Mittlerweile funktioniere aber die soziale Kontrolle.

Versteinerungen suchte und fand der gebürtige Einbecker schon als Achtjähriger beim Brennholz sammeln. Mit dem Rad besuchte er Fundstellen in den Dörfern um Einbeck. An seinen ersten archäologischen Fund erinnert sich Grote noch genau, ein Feuersteinwerkzeug an der Ostseeküste. Mit zwölf stand für ihn fest: „Ich wollte Archäologe werden.“ Als 15-jähriger Schüler nahm Grote bereits an seiner ersten Grabung bei Düsseldorf teil. Der Traumjob war aber noch fern. Er lernte Industriekaufmann in einer Teppichfabrik.

Klaus Grote als Ein-Mann-Kapelle

Über den zweiten Bildungsweg holte er das Abitur nach und begann in Göttingen Geschichte zu studieren, um Lehrer zu werden. Geld verdiente er sich als Ein-Mann-Kapelle mit Musik, unter anderem im Nörgelbuff. Erst nach einigen Semestern, als die pädagogischen Hochschulen aufgelöst wurden, konnte er endlich ins Fach Archäologie wechseln. Nach Beschäftigung beim Landesamt für Denkmalpflege wurde Grote 1979 Kreisarchäologe beim Landkreis Göttingen, der erste hauptamtliche.

Grote begann die zahlreichen Felsschutzdächer, sogenannte Abris, im Buntsandsteingebiet des südlichen Leineberglandes zu erforschen, die unter anderem Zeugnisse der Jäger und Sammler aus der Steinzeit enthalten. Er untersuchte Burgen wie bei Bernshausen und mittelalterliche Siedlungen, die wieder verlassen wurden, sogenannte Wüstungen. Im zentralen Archiv des Landkreises liegen Zeugnisse aus 50 000 Jahren Geschichte – vom Neandertaler bis zum Zweiten Weltkrieg. Ein Museum ließe sich sofort bestücken.  Dazu gehören auch Stoßzähne von Mammuts und Wollnashörnern, die beim Kiesabbau an der Weser in der Ballertasche ans Tageslicht kamen. Sogar versteinerte Saurierfußstapfen finden sich im Landkreis. Genutzt wird das Archiv von Studenten, Hobbyhistorikern und für Arbeiten an Chroniken. 

„Wahrscheinlich so etwas wie ein Ferrari damals"

Ein besonders seltenes Stück ist eine Kupferaxt, gefunden auf einem Acker in der Nähe von Reiffenhausen aus der Jungsteinzeit. Ein glänzendes, repräsentatives Objekt, „wahrscheinlich so etwas wie ein Ferrari damals, das man unbedingt haben musste“, so Grote. Die Fundstelle stand als nächstes auf seinem Ausgrabungsplan. „Aber dann kamen die Römer dazwischen“, erzählt der Archäologe.

Seine erste Grabung im Landkreis Göttingen unternahm Grote ebenfalls in Hedemünden, an der frühmittelalterlichen Kirche. Damals wurde das Römerlager noch für eine eisenzeitliche Wallanlage gehalten. Drusus verfolgt den Archäologen mittlerweile auch im Urlaub. In Bozen gibt es einen  Drususring wie nun auch in Hedemünden. „Wer einmal infiziert ist, wird es nie wieder los.“

grote-archaeologie.de

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