Navigation:
eShop Online-ServiceCenter
Wochenendkolumne

Wie die SPD einen Posten besetzen möchte…

Von Ilse Stein

…ist auch nicht anders als die Art und Weise, in der es die anderen Parteien gelegentlich tun. Ärgerlich ist es nur immer dann für „die anderen“, wenn sie selbst gerade nicht das Sagen haben.

Und so wird derzeit ein Besetzungsthema zum „heißen Thema“, das da schlichtweg heißt: Die Stelle des Geschäftsführers der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft GWG (zu der auch die Lokhalle und die Stadthalle gehören) muss neu besetzt werden. Klaus Hoffmann, seit dem Start der GWG und des gesamten Otto-Hahn-Zentrums hinter dem Bahnhof Chef des Ladens, geht im September 2012 in Rente. Hoffmann, das muss man dazu erzählen, war früher Leiter des städtischen Hochbauamtes, kommt  aus der Stadtverwaltung. Damals entsandt vom sozialdemokratischen Oberstadtdirektor Hermann Schierwater. Nun also geht es um  Hoffmanns Nachfolge. Wolfgang Meyer, sozialdemokratischer Oberbürgermeister, so wurde kolportiert, habe sich festgelegt: Seine Referentin für „Stragetische Planungen“, Claudia Leuner-Haverich, solle den Posten erhalten. Wegen ihrer Verdienste, vor allem im „Bereich der Metropolregion“, ­ wie gerne betont wird.

Vor der Kommunalwahl im September 2011 hatte Meyer gegenüber dem Tageblatt noch abgestritten, dass dieser Name überhaupt im Gespräch sei. Wenn man über Hoffmanns Nachfolge rede: „Dann nach der Wahl!“.  So geschah es denn auch. Nun ist die Katze aus dem Sack und die CDU – wie zu erwarten – ­ not amused. Während der Aufsichtsratssitzung der GWG (mit den neugewählten Mitgliedern aus dem neugewählten Rat) am kommenden Dienstag, 17. Januar, soll das Thema auf den Tisch. Als Tagesordnungspunkt 5 „Nachfolge des Geschäftsführers Klaus Hoffmann, Festlegung des Verfahrens – Antrag der CDU/FDP-Gruppe“. Die nämlich hat Meyer bereits brieflich am 2. Januar darum gebeten, einen Ausschreibungstext für diese Stelle vorzulegen. Als Meyer nicht reagierte, hat die CDU/FDP den Vorgang am Mittwoch dieser Woche öffentlich gemacht: Sie fordert, das Verfahren transparent zu machen und die Stelle öffentlich auszuschreiben. „Es muss jeder Eindruck vermieden werden, dass diese oder irgendeine andere Geschäftsführerposition einer städtischen Gesellschaft nach Parteibuch vergeben wird...“, heißt es in der Presseerklärung, unterzeichnet von Holger Welskop, selbst für die CDU im Aufsichtsrat und Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. Meyer nun nahm gestern erstmals öffentlich Stellung und erklärte gegenüber dem Tageblatt: Er werde dafür plädieren, auszuschreiben und eine Findungskommission einzusetzen. Ob Leuner-Haverich sich dann bewerbe, entscheide allein sie. Er jedenfalls halte sie für geeignet… So richtig wach geworden waren CDU und FDP in diesem Punkt übrigens erst, als sie kürzlich feststellen durften, dass so ziemlich jeder Führungsposten der anderen städtischen Gesellschaften bereits mit Sozialdemokraten, jenen nahestehenden Personen oder Grünen besetzt ist. Damit war für sie, um es mit Wulff zu sagen, der Rubikon überschritten. Nun also stellt sich der Oberbürgermeister selbst an die Spitze der Ausschreibungs-Bewegung. Derweil lästern andere Sozialdemokraten hinter vorgehaltener Hand: Es werde ausgeschrieben, um das Image von Leuner-Haverich nicht unnötig zu beschädigen. Dann werde diese sich eben bewerben und im Verfahren durchsetzen. Es gebe halt eine Scheinausschreibung. Das Verfahren sei aber, wie gefordert, transparent. Transparent bedeutet im Übrigen ja bekanntlich durchsichtig...

Da wenden wir uns mit Vergnügen doch lieber der bevorstehenden Elchpreis-Verleihung zu. Göttingen hat eben Erfahrung mit Satire. Robert Gernhardt, dem Göttinger, nach dem nun ein Platz benannt werden soll, hätte seine Freude gehabt. Auch daran, dass die neue Preisträgerin Franziska Becker heißt. Eine Ausstellung ihrer Arbeiten wird am morgigen Sonntag im Alten Rathaus eröffnet, die Preisverleihung findet dann Ende des Monats im Deutschen Theater statt.

Wenn das immer noch nicht ausreichend ist, um sich von der lokalpolitischen Posse abzulenken, habe ich noch einen Buchtipp parat, den ich gleich beim ersten Neujahrsempfang erhielt (Dank an Oberschaffer Michael Klingberg): „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson. So verrückt, irrwitzig und komisch ist schon lange kein Autor mehr dahergekommen.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Röttgen nach seiner Wahlniederlage in NRW entlassen. Wie finden Sie das?
Anzeige

Mission Olympia

Tageblatt-Volontär Michael Kerzel will abspecken und hat deshalb seine persönliche "Mission Olympia" ausgerufen. Und Sie können ihm dabei helfen – denn in Gemeinschaft funktioniert das bekanntlich am besten.

Göttinger Zeitreise

Das Portal "Göttinger Zeitreise" ist die Geschichtswerkstatt für Göttingen: Bilder, Videos und Dokumente zur Zeitgeschichte können hier veröffentlicht oder angeschaut werden.

Anzeige


Top