Aggressive Stimmung: Bürgerversammlung mit Anwohnern aus dem Rosenwinkel und unerwarteten Abschiebegegnern.
„Meine Tochter traut sich kaum auf die Straße“, klagt eine Perserin aus der Nachbarschaft, immer wieder werde die 15-Jährige belästigt. „Lärm bis tief in die Nacht, der Garten voller Sperrmüll und auf der Straße ein lebhafter Autohandel“, bringen einen anderen Anlieger auf die Palme. „Ständig schmeißen sie ihren Müll einfach über unsere Hecken, auf der Terrasse ist eh nichts sicher“, schimpfen die alteingesessenen Bewohner weiter. „Und wenn man mal was sagt, wird man übelst beschimpft, auch bedroht“, sagt eine alte Frau, die seit 54 Jahren im Rosenwinkel lebt.
Das sagt sie in kleiner Runde – die aus ihrer Sicht eigentlich Verantwortlichen sind längst gegangen. Mit Vertretern der Göttinger Stadtverwaltung, der Polizei und eines Sicherheitsdienstes wollten sie „die nicht mehr haltbaren Zustände“ diskutieren und Lösungen suchen. Vergeblich – die Versammlung platzte. Denn neben etwa 50 Bewohnern des Viertels sind ebenso viele Mitglieder aus Initiativen gekommen, die sich für die Rechte der kritisierten Bewohner und besonders gegen Abschiebung einsetzen. Lautstark werfen sie den Nachbarn Rassismus vor, fordern bessere Lebensbedingungen für die im Rosenwinkel untergebrachten Flüchtlinge aus dem Kosovo – überwiegend Roma. Und sie kritisieren, dass die eigentlich Betroffenen nicht gehört würden.
Eingeladen hatte Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck, vorausgegangen waren massive Beschwerden aus dem Umfeld der Wohnblöcke 62 bis 72 im Rosenwinkel. Dort sind seit 2001 überwiegend große Familien untergebracht, die aus dem Kosovo flüchten mussten, Asyl beantragt hatten und heute als geduldet eingestuft sind. Gegen ihre Unterbringung und „untragbare“ Lebensweise hatten die Nachbarn schon damals protestiert. Viel habe sich seitdem auch gebessert sagt Schlapeit-Beck bevor die Stimmung eskaliert. Es würden nur noch 100 statt einst 150 Menschen in den Wohnungen leben, und sie zudem ständig betreut von Sozialarbeitern, einem Hausmeister und einem Sicherheitsdienst. „Wir machen schon so viel“, sagt sie.
Bewachung statt echter Führsorge sehen darin die protestierenden Abschiebegegner. „Man muss den Leuten bessere Lebensbedingungen ermöglichen, dann bessert sich auch das Verhältnis zur Nachbarschaft“, schreit einer in die Runde. Bis zu acht Personen in einer Wohnung mit zwei Zimmern – das sei untragbar (siehe Text unten). Das bestreiten auch die frustrierten Nachbarn nicht. „Es geht hier doch auch nicht um Ausländerfeindlichkeit oder so“, kontert die Perserin. „Wir wollen einfach nur endlich wieder in Frieden, Ruhe und ohne Angst leben“, fleht eine andere Frau. Vortragen kann sie das vielleicht in einer neuen Versammlung – „in kleinerer Runde mit Delegationen beider Seiten“, so Schlapeit-Beck.
Von Ulrich Schubert
Kommentare
Rosenwinkel... leserin – 20.08.09
Da stimme ich mit Ihnen vollkommen überein! Wogegen ich mich jedoch ausdrücklich ausspreche sind Äußerungen wie die von Brockenteufel. In meinen Augen ist es ein menschliches Armutszeugnis für unser Land, wenn wir es nicht schaffen Flüchtlinge so zu integrieren, dass ein konfliktfreies MITeinanderleben möglich ist. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste aus meiner Heimat fliehen und würde dann gezwungen am Rand der Gesellschaft eingepfercht zu wohnen - ohne ausreichendes Bildungsangebot und Integrationsmaßnahmen...Meiner Meinung nach wird da schlicht und ergreifend keine vernünftige Problemlösung betrieben - da kann zwar jeder seine eigene Meinung haben, letztlich muss jeder vor sich selbst rechtfertigen, ob er denn tatsächlich schonmal versucht hat Menschen am Rande der Gesellschaft egal mit welchem Hintergrund zu helfen. Ich weiß, dass ich da ein reines Gewissen haben kann... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
...am Thema vorbei mbler – 19.08.09
...ich bin auch der Meinung, dass die Bürgerversammlung letzte Woche nichts mit Rassismus zu tun hatte!Ich denke wenn sich deutsche Mitbürger so verhalten würden, wäre das Theater noch viel größer.
Ich arbeite im Schichtdienst. Meine Arbeitsstelle ist nur 10 Gehminuten von meiner Wohnung im Blümchenviertel entfernt. Nach einigen unschönen Erlebnissen auf dem Nachhauseweg, traue ich mich nicht mehr gegen 23 Uhr alleine durch den Rosenwinkel zu gehen. Ist das normal? Ich muss 1km mit dem Auto fahren oder von Arbeitsstelle bis zur Wohnung mit jmd telefonieren, um sicher zu gehen, dass mir nichts passiert. Ich habe leider des öfteren die unschöne Erfahrung gemacht, zu späterer Stunde von mehreren "Nachbarn" angepöbelt oder gar bedroht zu werden. Defintiv lasse ich mir nicht vorwerfen, irgend jemanden provoziert zu haben. Ich versuche einfach meine "Nachbarn" links liegen zu lassen, keine Diskussion einzugehen o.ä. ... um in Frieden hier zu wohnen (Diese Unterstellung, wie sie auf der Bürgerversammlung ausgesprochen wurde, halte ich für eine Unverschämtheit.)
Ich wohne sehr gerne im Blümchenviertel...bin aber auch der Meinung, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss. Es gibt für alles Grenzen! ... und diese werden einfach zu oft überschritten. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Meine Meinung Bastian – 18.08.09
Wenn Menschen als Fluechtlinge vorruebergehend aufgenommen werden, sollten sie auch nur vorruebergehen hier bleiben.Im Kosovo herscht schon lange nicht mehr Krieg, trotdem bleiben diese Leute hier!!!
Warum???
Nur weil sie jetzt lange genug hier sind?
Also wenn ich oft genug im Laden klaue macht es das ganze rechtens?
Kann mich der Meinung nur anschliessen, wer sich nicht benimmt wird zur Kasse gebeten oder eben seine Familie und ab in seine Heimat.
Geld sollten die leiben Leute ja genug auf die Seite geschafft haben mit ihren nichtversteuerten Autogeschaeften!
Hoere lieber auf zu schreiben sonst platz mir der Kragen.
Einen schoenen Tag noch Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
^^ - lol Leserin – 18.08.09
als Doktorandin der Elite-Universität Göttingen mit einem Magister mit Auszeichnung der Philosophischen Fakultät fühle ich mich sehr geehrt von Ihnen hinsichtlich meiner Groß- und Kleinschreibung belehrt zu werden.Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Rosenwinkel Semi – 18.08.09
Ich kann dazu nur sagen das es überall aussnahmen gibt wie auch bei den Roma.Aber das scheint wohl echt die aussnahme zu sein.Ich denke schon das die emigranten nicht ganz unschuldig sind an ihrer lage den ein bisschen kann man sich doch wohl integrieren oder nicht man kommt aus dem nicht und erwartet einefach alles ohne auch nur etwas dafür zu .Aber die satdt trägt natürlich auch dazu bei indem sie einfach alle in einem virtel ansiedelt und nciht einfach verteilt auf ganz göttingen.PS: rechtschreibung war nie meine stärke deswegen nciht zu sehr kritisieren Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Rosenwinkel- Debatte W. Korte – 16.08.09
Es ist doch eigenartig, immer wieder erfahren zu müssen, wie sehr sich allerlei Gutmenschen für fremdländische Mitmenschen einsetzen.Bis jetzt habe ich gleiches Angagement für Einheimische, die schuldlos, z. B. durch Arbeitsplatzverlust, usw. in Not geraten sind sind, noch nicht erlebt. Sind das nicht lebenswerte Mitmenschen ? Oder warum wird denen nicht die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet ? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@ e-mail Duden – 16.08.09
Groß- und Kleinschreibung erhöht den Komfort und die Lesbarkeit der Beiträge!Wer ohne Groß- und Kleinschreibung dahintextet hat die F81.1. Sie wissen nicht was das ist? F81.1 ist der Diagnoseschlüssel für die isolierte Rechtschreibstörung. Es handelt sich um eine Störung, deren Hauptmerkmal in einer bedeutsamen Beeinträchtigung der Entwicklung von Rechtschreibfertigkeiten besteht, ohne Vorgeschichte einer Lesestörung. Sie ist u. a. durch ein zu niedriges Intelligenzalter, durch Visusprobleme oder unangemessene Bildung erklärbar. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Migranten versus Einheimische? Ingo Inländer – 16.08.09
Ich habe da mal eine Frage, ich weiß sie ist eher rhetorisch. Aber warum werden hier lebende Migranten, egal aus was für einem Grund sie hier her gekommen sind, eigentlich immer in die Stadtviertel von sozial benachteiligten Mitbürgern gesteckt?Warum stecken wir die hier angesprochene Ethnie nicht ins Ostviertel, dort wohnen doch die Bürger, die sich zumindest theoretisch stets für Migranten einsetzen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
rechtschreibung e-mail – 16.08.09
geil, es geht hier um e-mail- verkehr, vielleicht sollten sie sich mal damit und den dazu gehörigen zwischen tönen auseinandersetzen !!! dann wissen sie auch, was drei ausrufezeichen bedeuten. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenLeserin Brockenteufel – 15.08.09
Nee, liebe Leserin, das meine ich völlig ernst, sonst hätte ich einen Smily neben meinen Kommentar gesetzt.Aber sehen Sie sich einmal die anderen Kommentare an, dann wissen Sie wie der normale Bürger denkt.
Ansonsten gibt es in der Deutschen Rechtschreibung immer noch die Groß-und Kleinschreibung. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Alles am Thema vorbei Mp3freund – 15.08.09
Alles wird immer auf die rechte Schiene geschoben. Was hat das persöhnliche betragen von Menschen mit der Herkunft zutun. Meine Nichte kann in diesem Viertel verschiedene Straßenzüge nicht nutzen. Welche Nationalität Sie hat lassen wir mal aussen vor. Sie ist schon stolze 9 Jahre alt. Aber muß sich des öfteren sätze wie"Ich **cke deine Mutter" anhören. Und warum weil Sie ihr Fahrrad nicht verschenken möchte. Nur so als Beispiel. Diese Beschimpfungen gehen aber gegen alle Altersklassen. Und da ist meine Frage: Was hat das mit Herkunft oder Wohnqualität zutun. Meine Nichte kann nichts dafür das andere vielleicht schlechter oder besser wohnen. Die Kritik geht an das schlechte Benehmen der Mitmenschen, oft Kinder. Wer hat da jetzt schuld, die Leute die sich beschimpfen lassen müssen? Oder vielleicht die Verursacher. Die kein Respekt vor anderen Menschen haben. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenAnsprüche und Wirklichkeit mara – 15.08.09
Ich stimme dem kritischen Beitrag von "Autor" zu. Deutschland hat inzwischen selbst genügend Probleme zu lösen mit den nunmehr 6,5 Millionen ALG-II-Empfängern. Warum sollte eine Gruppe Zugewanderter andere Maßstäbe erwarten dürfen als benachteiligte, in schwierigen Lebenslagen steckende Deutsche?Ohne Anpassung kommen Deutsche im Ausland auch nicht klar. So mancher deutsche Rückkehrer hat das schmerzlich erfahren müssen. Warum nicht auch mal andersherum? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Tja, Autor – 15.08.09
... immer das gleiche Spiel im tiefroten Göttingen: sobald irgendwo auch nur ansatzweise gewagt wird, Kritik an Nichtdeutschen zu üben, rückt im Geiste von 68 die Gutmenschen-Armee aus ihrem Rotweingürtel aus und bläst zum Angriff auf die bösen "Rassisten". Was habe ich mich gefreut, dass jetzt endlich auch eine Angehörige einer Minderheit (Perserin) zu Wort kommt, die gegen eben solche Vorwürfe erhaben sein sollte - soweit ich weiß, können ja eben nur Deutsche Rassisten sein.Also: einfach alle, die sich wiederholt nicht benehmen können, zurück ins Kosovo - auf eigene Kosten versteht sich. Ach ja: nehmt bitte die lieben Gutmenschen samt ihrer Lichterketten mit! Die könnten dort sicher einen großen Beitrag leisten! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
rosenwinkel nachbar – 15.08.09
immer diese rassismus gegner diese träumer für eine heile welt. schätze mal die wohnen nicht neben denen. aber wenn die helfen wollen warum nehmen die dann nicht einen aus den Häusern auf, dann wären dort weniger. Schätze aber mal das von denen nur ausreden kommen um keinen zu nehmen. Das kennt man ja schon. Auf den zietenterassen, hier soll ja das neue nobelviertel entstehen, da störten die asylanten dann, es wurden in der merkelstrasse neue häuser gebaut, aber wo die reichen wohnen geht sowas doch nicht also wurden die neuen Häuser wieder abgerissen. Na dann packt man sie halt einfach ins Arbeiterviertel und die sollen es dann schlucken.Und ankreiden müssen sich die Bewohner des Rosenwinkels 62-72 dann schon das ihr benehmen schlecht ist. Den Weg an der Leine nehme ich schon gar nicht mehr, man wird ständig angepöppelt. Das ist schon traurig das man dort lieber Umwege geht. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
brockenteufel leserin – 15.08.09
ich hoffe einfach mal sie meinen das ironisch!ansonsten schlage ich ihnen vor- tauschen sie doch und ziehen in eine 2zimmer wohnung im rosenwinkel mit sieben mitbewohnern und danach sprechen wir uns wieder...
das argument dort gehe es den menschen besser als in ihrer heimat ist zynisch und ein totschlagargument von jemandem, der keine wirklichen argumente vorbringen kann...denken sie darüber einfach lieber mal nach bevor sie derartigen unsinn auch noch im netz verbreiten! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Rosenwinkel Brockenteufel – 14.08.09
Wenn`s den Migranten nicht gefällt, auf Kosten der deutschen Steuerzahler, zu leben sollen sie doch in ihre Heimat zurückkehren. Solchen Luxus wie in dem idyllischen Rosenwinkel werden sie in ihrem Heimatland nicht vorfinden. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben