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Arbeiten bei Minustemperaturen

Zwiebelprinzip ist bei Gemüsefrauen Trumpf


Es war der bislang kälteste Tag des Jahres: Mit minus 21 Grad am Boden und minus 19,5 in der Luft hat der Dienstag die Kälte der Vorwoche noch einmal unterboten. Ab jetzt, so Matthias Hans von der Wetterwarte in Geismar, ist allerdings leichte Frostabschwächung in Sicht. Kalt bleibt es aber bis zum Wochenende.

Überschaubar: Nur wenige Marktbeschicker bieten bei den derzeitigen Temperaturen ihre Waren auf dem Wochenmarkt an.

© Pförtner

Göttingen. Mit Planen, Gasöfen und viel Humor trotzen derzeit etwa die Händler auf dem Göttinger Wochenmarkt den eisigen Temperaturen. Nur rund zehn Anbieter hatten gestern ihren Stand dort aufgebaut.

 Einer von ihnen ist Dieter Rabe aus Edemissen. „Es kommen schon weniger Kunden“, sagt er. Persönlich mache ihm die Kälte weniger zu schaffen: „Kalt ist es doch jedes Jahr.“ In seinem Geflügel-, Eier- und Käsestand sorgt ein Gasofen für etwas Wärme. „Wir müssen aufpassen, dass uns der Frischkäse nicht einfriert“, sagt er. Das angebotene Geflügel müsse man bei den aktuellen Temperaturen erwärmen statt kühlen. Die Eier werden gar nicht erst aus dem beheizten Fahrzeug geholt. „Ab minus zehn Grad reißt die Schale“, weiß Rabe aus Erfahrung und greift, wenn ein Kunde Eier wünscht, in den geschützten Teil seines Verkaufswagens.

 Heißer Tee aus gleich zwei Thermoskannen, ständig laufende Gasheizer im Stand und warme Kleidung, so lautet Annemarie Hennes Rezept gegen die Kälte. „Strickmütze, drei bis vier Schichten Pullover, dicke Jacke“, skizziert die Chefin vom Biolandhof Vernawahlshausen das „Zwiebelprinzip“. Doch nach stundenlangem Stehen kriecht die Kälte in die Füße. „Wir tragen selbstgestrickte Wollstrümpfe, die wir im Winter neben Obst und Gemüse auch an unserem Stand verkaufen“, erklärt die Markthändlerin. „Und wenn man diesen Beruf so lange macht wie ich, dann härtet man ab“, nimmt sie die sibirische Kälte gut gelaunt hin. Krank war sie noch nie. Weniger Kunden, die zudem später kommen, bedeuten aber auch für sie weniger Umsatz.

 Zwiebelprinzip ist auch bei Leandra Schneider Trumpf. „Unterhemd, T-Shirt, drei Pulluver, Strickjacke, Weste“, zählt die Verkäuferin beim Gemüsebaubetrieb Manegold aus Seulingen. Dabei ist es in ihrem Stand vergleichsweise warm. Zwei Gasheizungen verrichten ihren Dienst. Und doch: „Die Füße leiden immer“, sagt Schneider. Trotz Wollsocken und Bewegung. Damit das Gemüse auf der Fahrt von Seulingen nach Göttingen im Wagen nicht unter der Kälte leidet , läuft auch hier schon ein Heizlüfter. Besonders Kartoffeln vertragen keine Kälte, sagt Schneider. Auch wenn wegen der Kälte weniger Kunden kommen: „Unseren Stammkunden sind wir das schuldig“, sagt Schneider. Dreimal pro Woche steht sie in Göttingen auf dem Markt – seit 14 Jahren. Gestern von 6.30 bis 14 Uhr.

 Nebenan verkauft Jens Osterhus aus Barterode Wurst und Fleisch. Die Kundenzahl ist auch bei ihm noch überschaubar. „Vor 11 Uhr ist es zurzeit sehr ruhig“, sagt er. Die Kälte sei „doch halb so wild“, meint er. „Ist halt so im Winter.“ Für andere sind die extremen Temperaturen indes ein Grund, dem Markt fernzubleiben. Die Blumen und Pflanzen von Gärtner Michael Marx aus Elliehausen vertragen die Kälte gar nicht. „Bei minus vier bis fünf Grad ist bei uns Schluss“, sagt Marx.  Selbst dann müssten die empfindlichen Blumen gut in mehrere Lagen Zeitungspapier gewickelt werden. Ob für Marx und sein Team Markttag ist, entscheide sich je nach Wetterbericht „ganz spontan“ am Vortag.

Von Britta Bielefeld, Nina Winter und Michael Brakemeier

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