Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Wird die neue Schule ein inklusives Gymnasium?
Nachrichten Hannover Wird die neue Schule ein inklusives Gymnasium?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 27.10.2018
„Ich muss genügend Gymnasialplätze anbieten, egal ob mir persönlich der Elternwille gefällt oder nicht“: Bildungdezernentin Rita Maria Rzyski (mit rotem Schal). Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Alle Appelle, Emotionen aus der Debatte zu nehmen, verhallen ungehört – der Schulausschuss der Stadt hat am Mittwoch mehr zwei Stunden lang über die Frage gestritten, ob Hannover ein 18. Gymnasium, eine weitere Integrierte Gesamtschule, eine Realschule oder eine Modellschule ganz neuen Typs braucht. Am Ende wurde über sieben Anträge abgestimmt, eine Mehrheit gab es für keinen.

Ampel will inklusives Gymnasium

Nun muss in der nächsten Woche der Verwaltungsausschuss in nichtöffentlicher Sitzung entscheiden. Da dort das Ampelbündnis die Mehrheit hat, dürfte sich am Ende dann auch sein Antrag durchsetzen. Im Schulausschuss erreichten SPD, Grüne und FDP nur einen Patt. Die drei Parteien haben sich jetzt auf ein vierzügiges Gymnasium geeinigt, an dem Inklusion als Schulversuch erprobt werden soll. Dazu sollen entsprechende Verhandlungen mit dem Land geführt werden. Bis Ende des Jahres soll die Stadt zwei mögliche Standorte für das 18. Gymnasium vorschlagen.

Kinder mit Lernproblemen gehen meist zur IGS

Grundsätzlich sind seit 2013 alle Schulen in Niedersachsen zur Inklusion verpflichtet, das heißt, sie müssen auch Schüler mit Handicap aufnehmen. In der Realität gehen die meisten behinderte Schüler aber auf Integrierte Gesamtschulen (IGS) oder Oberschulen, Gymnasien haben deutlich weniger Kinder mit Förderbedarf. Zurzeit gibt es in der Stadt 2072 Schüler mit einer Beeinträchtigung, davon besuchen 747 eine Grundschule, 892 eine IGS und 178 eine Oberschule, zum Gymnasium gehen 116 Schüler. Gerade Schüler mit Lernproblemen landen eher an Gesamt- oder Oberschulen.

Das neue Gymnasium soll nach den Plänen des Ampelbündnisses „Inklusion im weitesten Sinne“ fördern. „Wir wollen neue pädagogische Inhalte dort auch leben“, sagte Silvia Klingenburg-Pülm (Grüne). Deshalb solle mit dem Land ein Modellversuch vereinbart werden, der dem Gymnasium mehr pädagogische Freiheit lasse.

Es gibt weniger Schüler in Hannover

In Hannover gibt es erstmals seit 2015 weniger Schüler als im Vorjahr. Derzeit sind es 47.434 Schüler, gegenüber dem vergangenen Schuljahr ist das ein leichter Rückgang von 0,6 Prozent. An den Grundschulen sank die Schülerzahl um 1,6 Prozent. Wie es am Mittwoch bei der Vorstellung der amtlichen Schülerstatistik hieß, lag dies insbesondere an der Rückstellung von 229 Kindern, die bis Ende September sechs Jahre geworden sind und damit eigentlich schulpflichtig wären. Knapp 14.940 Schüler besuchen ein Gymnasium, 10.950 Kinder eine Integrierte Gesamtschule. Stark rückläufig ist die Zahl der Förderschüler mit Lernschwächen. In diesem Schuljahr gibt es nur noch eine entsprechende Förderschule in städtischer Trägerschaft, die Albrecht-Dürer-Schule in Bothfeld. Die läuft im Schuljahr 2021/22 dann auch aus. dö

Gamoori: Das Ampelbündnis steht

Nachdem in der letzten Sitzung Grünen-Politikerin Regine Kramarek in einer persönlichen Erklärung erläutert hatte, wie große Schwierigkeiten sie persönlich mit dem Bau eines neuen Gymnasiums habe, unterstrich Afra Gamoori (SPD) am Mittwoch: „Wir sind uns einig, das Ampelbündnis steht.“ Für Andreas Bingemer (FDP) ist der Elternwille klar und eindeutiger Beleg für die Errichtung eines neuen Gymnasiums. In diesem Jahr hatten 53 Prozent der Eltern von Fünftklässlern sich für ein Gymnasium entschieden.

Bildungsdezernentin Rita Maria Ryzski wurde auch nicht müde zu wiederholen, dass die Stadt verpflichtet sei, für Eltern die Schulplätze anzubieten, die sie für ihre Kinder anwählten. Das heißt, wer sich auf einem Gymnasium anmeldet, muss auch einen Gymnasialplatz bekommen, allerdings nicht unbedingt an dem Standort seiner Wahl.

Schulleiter: Wir brauchen Plätze für Schulformwechsler

Ein Bündnis aus Eltern, Lehrern und Gewerkschaftern, das eine neue Modellschule gründen will, hält dagegen, dass spätestens ab Jahrgang 7 viele Schüler die Gymnasien wieder verließen, an Gesamtschulen aber keine Plätze fänden. An den Gymnasien seien mehr als 1000 Plätze frei. Auch Beate Günther, Sprecherin der Gymnasialleiter in Hannover, selbst Direktorin der Schillerschule, sagte, dringender als der Bau eines neuen Gymnasiums wäre es eine Lösung für die Schulformwechsler zu finden. Rzyski entgegnete, dass beides nötig sei. Neben der Abgänger und Wechsler sei auch die wachsende Zahl der Zuzügler problematisch: „Monatlich haben wir zurzeit 30 bis 35 Kinder, die von unseren Schulen aufgenommen werden müssen.“ Es stimme, dass Kinder die Gymnasien verließen, aber statt 30 säßen dann 25 Kinder in einer Klasse, zusammenlegen können man Klassen also nicht.

Die Partei will nur den Bau einer Schule beschließen

Die Schülervertreter im Schulausschuss hätten lieber eine neue IGS, die CDU eine weitere Realschule und die Lehrervertreter eine Modellschule, an der Kinder frei und ohne Noten lernen könnten. Kein Antrag fand die nötige Mehrheit. Tobias Braune, unabhängiger Ratsherr, beantragte eine neue Kooperative Gesamtschule, obwohl das nur noch neue Integierte Gesamtschulen in Niedersachsen gegründet werden dürfen, „eher symbolisch“, wie er sagte, weil sich hier alle Schulformen wiederfänden. Julian Klippert (Die Partei) schlug vor, jetzt einfach eine vierzügige weiterführende Schule zu beschließen und 2019 über die Form zu diskutieren, fand dafür Beifall von der CDU, aber wenig Zustimmung von Dezernentin Rzyski: „Wir planen ungern ins Blaue hinein.“

Von Saskia Döhner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zunächst hatte es acht Interessenten gegeben. Nach einer stundenlangen Sitzung hat die Regionsfraktion der Grünen eine neue Vorsitzende gewählt. Diese will der Großen Koalition die Schwächen zeigen.

24.10.2018

Wie die Bombennächte 1943 Hannover für immer verändern, bewegt die Menschen auch nach 75 Jahren. Rund 200 Zuhörer drängen sich beim zweiten HAZ-Forum mit Zeitzeugen im Historischen Museum.

24.10.2018

Die Linie 10 der Stadtbahn konnte am Mittwochabend zeitweise nicht wie gewohnt verkehren, weil ein Taxi auf den Schienen stand. In beiden Richtungen fuhren die Bahnen nur eingeschränkt

24.10.2018