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Hannover 160 HAZ-Leser bei Buchvorstellung zu 1968
Nachrichten Hannover 160 HAZ-Leser bei Buchvorstellung zu 1968
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00:18 07.12.2018
„Dieses Buch hat viele Autoren“: Gunnar Menkens (li.) und Simon Benne im Historischen Museum. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Alle Stühle sind besetzt. Mehr als 160 Interessierte sind gekommen, als im im Historischen Museum das Buch „1968 – Als die Revolte nach Hannover kam“ der beiden HAZ-Autoren Simon Benne und Gunnar Menkens vorgestellt wird. „Wir stehen zwar als Autoren auf dem Titel“, sagt Benne zum Einstieg bescheiden, „in Wirklichkeit aber hat das Buch viele Autoren.“ Dutzende HAZ-Leser hatten sich auf einen Zeitungsaufruf gemeldet und ihre Erfahrungen aus den Jahren geschildert, als auch Hannover eine Zeitenwende erlebte, die heute unter dem Rubrum 1968 summiert wird. In der HAZ ist daraus eine große Serie über die Jahre 1967 bis 1969 entstanden – und jetzt dazu das Buch.

Natürlich war die Stadt nicht so studentenbewegt wie Berlin, nicht so radikal wie München oder revolutionär wie Hamburg. „Das einzige wirklich anarchische Element war eigentlich die Rote-Punkt-Aktion – aber so etwas hat keine andere Stadt hinbekommen“, wird Manfred Lauermann, oft tituliert als „der Rudi Dutschke von Hannover“, bei der Talkrunde am Ende des Abends sagen.

124 Seiten gelebte Hannover-Geschichte von 1968

Auf 124 Seiten lässt sich nachlesen, wie verstaubt und muffig auch Hannover bis weit in die Sechzigerjahre war – und wie aufrüttelnd der Protest auf weite Teile sogar der bürgerlichen Bevölkerung wirkte. Die nahm schließlich zu Tausenden an der Üstra-Blockade teil und erlebte die Staatsmacht mit Schlagstöcken und Tränengas. „Heute können die Konservativen froh über 1968 sein. Das Land ist dadurch liberaler, freiheitlicher geworden“, sagt Benne. Zugleich könnten die ehemaligen 68-er froh sein, dass nicht alle ihre Forderungen Realität wurden. „Sie hatten sich ein anderes politisches System auf die Fahnen geschrieben, ein Interviewpartner sprach von einer ,Mischung aus DDR und Schweiz´ – das hätte ich nicht gewollt“, sagt Benne. Das Publikum quittiert es mit Lachen.

Die Unterdrückung der Frau als „Nebenwiderspruch“

Überhaupt: Es wird viel gelacht an dem Abend. Etwa als Gunnar Menkens vorträgt, wie Frauen damals den männerdominierten Protest erlebten. „Die Unterdrückung der Frau galt als Nebenwiderspruch“, zitiert er Aktivistin Beate Schmidt. Geändert hat sich zwar einiges seitdem – aber nicht alles. Auf den HAZ-Aufruf hätten sich zu 95 Prozent Männer gemeldet, verrät Benne. Auch unter den Wortbeiträgen bei der Aussprache zum Buch beträgt der Frauenanteil: Null Prozent.

Ein Film vom Rote-Punkt-Protest in Hannover

„Aber alleine, dass wir solch ein Buch in einem Museum vorstellen und darüber gemeinsam diskutieren, das zeigt, wie sich die Zeit geändert hat“, sagt Jan Willem Huntebrinker vom Historischen Museum. Bis 1968 seien Museen vor allem Orte für Soldatenuniformen und dröge Vorträge gewesen. Diesmal gibt es sogar noch einen Multimediabeitrag dazu: Matthias Sesselmann, der bei der Rote-Punkt-Aktion 16 Jahre alt war, zeigt seinen achtminütigen Film von den Protesten. Auch da dürfte sich, wie im Buch, manch einer der Anwesenden wiedererkannt haben.

Das HAZ-Buch „1968 – Als die Revolte nach Hannover kam“ (124 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-946544-18-0) gibt es ab sofort für 14,99 Euro in allen HAZ-Geschäftsstellen, im Historischen Museum und im Buchhandel.

Von Conrad von Meding

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