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Hannover 25-Jähriger soll Seniorin im Heim bestohlen haben
Nachrichten Hannover 25-Jähriger soll Seniorin im Heim bestohlen haben
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00:17 30.08.2018
Jackie P. (l.) stand schon mehrfach vor Gericht. Nun will ihn sein Verteidiger Anselm Schanz ärztlich begutachten lassen. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Die Beute war gering, doch die Aufregung bei den Opfern groß. Ein Dieb war in das AWO-Seniorenzentrum in der Ottenstraße (Linden-Nord) eingedrungen und hatte zwei Zimmer von betagten Bewohnerinnen durchwühlt. In einem Raum im 2. Stock wurde er Anfang Januar 2017 fündig, stahl Schmuck im Wert von 100 Euro. Wegen dieser Taten angeklagt ist Jackie P.; beim Eindringen in das Altersheim zur Mittagszeit soll er auch Pfefferspray und einen Kubotan – eine Art Mini-Schlagstock – mit sich geführt haben. Außerdem soll der 25-Jährige das E-Bike einer Freundin bei einer Pfandleihe abgegeben und 700 Euro erlöst haben.

Nicht schuldfähig?

Doch der Prozess vor dem Amtsgericht Hannover musste am Montag ausgesetzt werden, weil Verteidiger Anselm Schanz beantragte, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Sein Mandant sei stark alkohol- und drogenabhängig; bei den ihm vorgeworfenen Taten sei er nicht schuldfähig gewesen und müsse zwecks langfristiger Therapie in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Ärgerlich war das Platzen des Prozesses nicht zuletzt für acht Zeugen, die sich umsonst auf den Weg zum Volgersweg gemacht hatten. Unter ihnen war eines der Opfer aus der Ottenstraße; die Seniorin kam im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren. Verteidiger Schanz entschuldigte sich für den späten Beweisantrag: „Manche Entscheidungen kommen erst unter dem Druck einer Hauptverhandlung zustande.“ Er habe Tage gebraucht, um Jackie P. zu überzeugen, dass es so nicht weitergehen könne mit dem Teufelskreis aus Abhängigkeit und Straftaten. Seiner Ansicht nach sei ein länger andauernder Maßregelvollzug im psychiatrischen Fachkrankenhaus Bad Rehburg das Richtige, um seinen Mandanten „von der Straße zu bekommen“.

Schon viele Jahre in Haft

P. war im Alter von 15 Jahren das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Mehrere frühe Verurteilungen wegen Raub- und Diebstahlsdelikten wurden zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren und acht Monaten zusammengezogen, mehrere Jahre saß er in der Jugendanstalt Hameln ein. Dort machte er, wie sein Verteidiger erklärte, einen Schulabschluss nach und absolvierte erfolgreich eine Ausbildung zum Schweißer. Doch das hielt P. nicht davon ab, weiter Straftaten zu begehen. So kassierte er später vom Amtsgericht Hannover wegen Betrugs und Diebstahls eine weitere – zur Bewährung ausgesetzte – Haftstrafe von anderthalb Jahren. Aktuell steht außer dem jetzt ausgesetzten Verfahren noch eine Anklage wegen eines versuchten Einbruchs in eine Kindertagesstätte im Raum.

Wie Schanz erklärte, habe sein am Mühlenberg wohnender Mandant seit gut einem Jahr keine Arbeit mehr, sei mehrere Monate von seiner Mutter ausgehalten worden und seit Kurzem Hartz-IV-Empfänger. Den Drogenkonsum von P. bezifferte der Verteidiger auf zweieinhalb Liter Bier und einen halben Liter Wodka pro Tag – plus Kokain. Der Angeklagte trinke seit seinem elften Lebensjahr Alkohol, mit 17 Jahren kamen Marihuana und Kokain hinzu. Der Einbruch ins Altersheim, der von P. offenbar nicht bestritten wird, würde in das Muster typischer Beschaffungskriminalität passen: Unter Suchtdruck stehende Täter versuchen oft auf schnellem Wege Beute zu machen, die auch von relativ geringem Wert sein kann, und gehen dabei häufig erhebliche Risiken ein.

Von Michael Zgoll

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