Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Alter Pferdestall wird zum Uni-Treffpunkt
Nachrichten Hannover Alter Pferdestall wird zum Uni-Treffpunkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 13.04.2019
Fast fertig: Der mit viel Sponsorengeld restaurierte königliche Pferdestall wird im mai als neues Veranstaltungszentrum der Leibniz-Universität. eröffnet. Alt-Präsident Prof. Erich Barke und Stefanie Beier vom Präsidialbüro führen durch die neuen Räume. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Jetzt bleibt noch gut ein Monat bis zur Eröffnung des neuen Kommunikations- und Begegnungszentrums der Leibniz-Universität. Und allmählich schält sich heraus, welche Schönheit und Anmut der ehemalige königliche Pferdestall in der Nordstädter Appelstraße verbarg, als er bis 2017 vollgestellt war mit Maschinen und Anlagen, mit studentischen Arbeitsräumen und provisorischen Wandverkleidungen. Das wieder freigelegte Kreuzgewölbe der Decke gibt dem künftigen Konzertsaal einen kathedralenhaften Anschein. Die alten Pferdetränken an den Längswänden sind hergerichtet. Und an der Stirnwand leuchtet, in Goldfarbe gestrichen, eine verschachtelte Akustikwand – ein bisschen wie die Elbphilharmonie im ganz, ganz kleinen.

„Jede gescheite Uni hat ein Kommunikationszentrum

„Jede gescheite Universität hat ein Kommunikationszentrum“, sagt der ehemalige Uni-Präsident Erich Barke: „Sogar die Technische Universität Braunschweig hat ein Haus der Wissenschaft.“ Er weiß, dass solche Sätze den Hannoveranern an die Ehre gehen. Aber solch feine Diplomatie war in den vergangenen Jahren nötig: Mehr als zwei Millionen Euro Spendengeld hat er seit 2015 für Sanierung und Umbau eingesammelt, weil das Projekt aus dem Bauetat der Hochschule allein nicht zu stemmen war. „In Braunschweig haben sie auf dem Dach auch ein wunderbares italienisches Restaurant. Warum können wir das nicht?“, stichelt er freundlich. Denn der zweite Bauabschnitt des Pferdestall-Umbaus steht noch aus: Das Begegnungszentrum soll eine Gastronomie erhalten, in der sich Lehrerende und Studierende treffen können. Noch aber fehlt einiges Geld für diesen zweiten Abschnitt.

Von außen schon fast fertig: Der königliche Pferdestall, das neue Veranstaltungszentrum der Leibniz-Universität. Quelle: Katrin Kutter

Tausende Ziegelsteine in königlichen Pferdestall von Hannover ausgetauscht

Geschafft ist aber schon viel. Allein von außen: Die Backsteinfassade des langgestreckten Bauwerks von 1888 ist gereinigt, die Fugen sind erneuert, mehrere Tausend Ziegelsteine ausgetauscht, Sockelsteine neu verklebt. Für die Fenster haben die Architekten in Abstimmung mit der Denkmalpflege eine charmante Lösung gefunden: Die alten Rundbogenrahmen mit den filigranen Sprossen aus Gusseisen wurden erhalten und restauriert, von innen sind neue Fenster vorgesetzt. Nicht nur aus energetischen Gründen, sagt Architekt Jost Haberland: „Es wird ja ein Konzertsaal, da muss auch der Schallschutz stimmen.“

Als sicher gilt, dass Uni-Chor und Uni-Orchester hier immer wieder spielen werden. Aber es gebe auch schon etliche weitere Anfragen, sagt Stefanie Beier aus dem Präsidialstab der Uni, die das Projekt gemeinsam mit Barke vorantreibt. „Institute fragen an für kleine Symposien, große Strategiesitzungen und Graduiertenkollegs, der Beirat der Universitätsgesellschaft hat schon Interesse bekundet, hier zu tagen.“ Seit sich herumgesprochen habe, dass das Tagungszentrum bald eröffne, steige das Interesse. „Es zeigt sich, wie groß der Bedarf ist“, sagt Beier.

Viel Licht im Obergeschoss: Der königliche Pferdestall, das neue Veranstaltungszentrum der Leibniz-Universität. Quelle: Katrin Kutter

Barke: „Ein würdiger Ort“

Den heutigen Alt-Präsidenten Barke hatte noch zu seiner Amtszeit umgetrieben, dass Hannovers Universität zwar viele Gebäude und auch Mensen und kleine Studentencafés hat, aber keinen Treffpunkt, der als kommunikative Zentrale funktioniert. „Der Pferdestall Appelstraße liegt sehr zentral, und das wunderschöne Gebäude ist ein würdiger Ort“, sagt Barke. 2006, im ersten Jahr als Präsident, hat er die Wunschsanierung auf die Bauprioritätenliste setzen lassen. Wegen anderer, dringenderer Sanierungen und Neubauten rutschte sie ganz nach unten, „und da blieb sie auch“.

Seit 2017 wird jetzt gebaut, mit allen Problemen, die ein historisches Gebäude mit sich bringt. Der Dachstuhl musste verstärkt werden, ein neues Treppenhaus in der Gebäudemitte installiert werden, weil die beiden Originaltreppenhäuser wenige Zentimeter zu schmal waren, um als Fluchtwege anerkannt zu werden. Weil in der Mitte nun der Platz für einen Aufzug fehlt, die Obergeschosse aber trotzdem barrierefrei sein sollen, wird der Aufzug nun außen vors Gebäude gesetzt. „Vor allem aber hat mich erschrocken, wie viel Fläche die Gebäudetechnik verzehrt“, sagt Barke. Grob geschätzt ein Viertel der Nutzfläche von knapp 1600 Quadratmetern sei für die Belüftungsanlage und Datentechnik, für Lager und Toiletten verwendet worden.

Die Akustikwand an der Stirnseite des neuen Konzertsaals: Der königliche Pferdestall, das neue Veranstaltungszentrum der Leibniz-Universität. Quelle: Katrin Kutter

Die Seminar- und Tagungsräume im Obergeschoss sind bereits fertig, auch der geplante Faculty-Club für Treffen von Alumnis und ehemaligen Lehrkräften nimmt Form an. Bis zum Umzug der Maschinenbaufakultät nach Garbsen im nächsten Jahr wird der Westflügel im Erdgeschoss noch von Bauingenieuren und Maschinenbauern belegt, dann kann dort die Sanierung starten – und möglicherweise die ersehnte Gastronomie den Altbau beleben. „Ich bin glücklich, dass wir den ersten Abschnitt mit viel Unterstützung von Spendern und Sponsoren geschafft haben“, sagt Barke. Für die Fortsetzung wird er erneut auf Sammeltour gehen müssen. Der Alt-Präsident aber ist sicher: „Es wird viel leichter fallen, wenn wir künftig zeigen können, wie schön der königliche Pferdestall schon jetzt geworden ist.“

Lesen Sie auch die Vorgeschichte:

2014: Pferdestall bald als Campus-Zentrum?

2015: Leibniz-Uni plant Umbau und sucht Spender

2016: Aus dem Pferdestall wird ein Begegnungszentrum

2017: Baustart im königlichen Pferdestall

Bildergalerie vor dem Umbau: Die Bildergalerie

Pferdestall – Geschichte

Der Pferdestall ist das letzte Bauwerk, das vom Königs-Ulanen-Regiment in Hannover übrig geblieben ist. Die Reiterstaffel ist nach der Annektion durch Preußen aus dem 1. schweren Dragoner-Regiment der King’s German Legion von König Georg III. hervorgegangen, der als Kurfürst von Hannover zugleich König von England war. Im Bereich der Appelstraße ließen die Preußen mehrere Anlagen für das Ulanen-Regiment errichten, alle anderen aber sind zerstört.

Die Sponsoren

Ohne Spender und Sponsoren wäre das Pferdestall-Projekt nicht zustande gekommen. Unter anderem stellt Sennheiser die Beschallungsanlage, Wilkhahn die Bestuhlung im Saal, Scholl-Glas spendiert die Haupteingangstür. Das Elektroartikelunternehmen Harting hat ebenso wie die ehemalige Uni-Professorin Ursula Hansen und die Klosterkammer Geldbeträge gestiftet, hinzu kommen zahlreiche Spender weiterer Summen.

Von Conrad von Meding

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Um die Sauberkeit in den Klassenräumen, Fluren und Toiletten der Schulen in der Region ist es offenbar schlecht bestellt: Fast 80 Prozent werden nur mangelhaft gereinigt.

16.04.2019

Das Aussterben von Traditionen ist ein Indiz dafür, wie die Gesellschaft erodiert. Wenn alle nur aufs Handy schauen, entsteht keine Gemeinschaft, meint Conrad von Meding.

16.04.2019

Geldkassetten gestohlen, Platzwunde am Kopf, ans Festzelt uriniert: Eine eskalierte Polizei-Weihnachtsfeier in Hannover hat im Dezember bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft hat nun jedoch ihre Ermittlungen eingestellt.

16.04.2019