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Hannover Hier können Erwachsene ihre Hochschulreife machen
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00:19 08.09.2017
Von Susanna Bauch
Vor knapp 100 Jahren drängten sich vor allem Kinder vor dem Schulgebäude in Döhren – heute sind alle Schüler am Hannover-Kolleg volljährig. Quelle: HAZ / Archiv
Hannover

Vor 50 Jahren hatten es die Bewerber ganz schön schwer, einen Platz am Hannover-Kolleg zu ergattern. „Im ersten Jahrgang 1967 gab es 200 Bewerber - ohne Auflagen anfangen konnten allerdings nur 20 von ihnen“, sagt Axel Gläser, der heute Schulleiter des Kollegs in Döhren ist. Die restlichen Bewerber mussten eine Vorklasse belegen oder wurden schlichtweg abgelehnt.

Fünf Jahrzehnte später sind die Aufnahmebedingungen am Hannover-Kolleg weniger streng: Heute müssen die Schüler mindestens 19 Jahre alt sein, einen Realschulabschluss - in Ausnahmefällen reicht auch die Hauptschule - in der Tasche haben und entweder eine abgeschlossene Ausbildung oder zwei Jahre Vollzeitarbeit vorweisen. Rund 2500 Schüler haben in den vergangenen 50 Jahren die Chance genutzt, auf dem zweiten Bildungsweg in Döhren ihr Abitur oder die Fachhochschulreife nachzuholen. „Sie haben sich hier nicht nur fachlich sondern auch persönlich qualifiziert oder neu orientiert“, betont der Schulleiter.

Das Kolleg als zweite Chance

Die Biografien der Bewerber hätten sich verändert, sagt Gläser. „Früher galt: Realschule, Ausbildung, Arbeit und Abitur auf dem zweiten Bildungsweg.“ Heute kämen viele Schüler aus der Arbeitslosigkeit - oder sie könnten aus familiären und finanziellen Gründen oder wegen Krankheit die Schule nicht weiter besuchen. Etliche hätten auch in ihrer ersten Schullaufbahn schlechte Erfahrungen gemacht. „Dass sie hier in Augenhöhe von Erwachsenen zu Erwachsenen lernen können, ist ein großer Anreiz“, so der Schulleiter.

Gläser und seinem Stellvertreter Heiko Läufer ist es besonders wichtig, dass junge Menschen am Kolleg mit ihrem Abschluss auch neue Lebensperspektiven bekommen. Die Erwachsenenbildung eröffne neue Wege - auch finanzielle. „Der Schulbesuch wird mit familienunabhängigem Schüler-Bafög gefördert, das nicht zurückgezahlt werden muss“, erläutert Läufer.

Wissen erwerben und Horizonte erweitern ist ein wesentliches Motto der Einrichtung, ebenso wie die Devise, dass es zum Lernen nie zu spät ist. Schulleiter Gläser spricht von Ermunterung. Rund die Hälfte eines Jahrgangs schaffe den angestrebten Abschluss, viele den Fachschulabschluss. „Manche kommen leider nicht bis zum Ende, aber gelernt haben sie hier dennoch alle etwas“, sagt er.

Wenn jetzt der 50. Geburtstag der Schule gefeiert wird, werden auch etliche Ehemalige dabei sein. „Es gibt tolle Geschichten von erfolgreichen Lebenswegen und glücklichen Absolventen“, erzählt der Schulleiter, der zu vielen Schülern auch nach dem Abschluss den Kontakt hält. Viele zeigen sich im Nachhinein aus gesicherter beruflicher Stellung auch finanziell erkenntlich. Der Holzboden der Aula etwa wurde von einer ehemaligen Schülerin bezahlt, „und auch sonst erhalten wir regelmäßig Spenden von Ehemaligen“, meint Läufer.

Derzeit sind in Döhren rund 260 Schüler angemeldet, das Kollegium umfasst knapp 40 Pädagogen. Nicht nur junge Erwachsene wollen hier die Perspektiven für ihre berufliche Laufbahn verbessern, manchmal drücken sogar 60-Jährige die Schulbank am Kolleg. „Viele wollen einfach auch im fortgeschrittenen Alter noch etwas lernen“, erzählt der Schulleiter. Vor einigen Jahren etwa hätten Mutter und Tochter gemeinsam Abitur gemacht.

Mit Onlinekursen zum Abitur

Wie in anderen Schulen haben sich in den vergangenen Jahren auch die Lerninhalte verändert. Es gibt Kurse statt Klassen und das Fachangebot ist gewachsen. Zudem können Schüler des Abendgymnasiums seit dem vergangenen Jahr online ihr Abitur machen. „Wer ganztägig berufstätig ist schafft nur unter Schwierigkeiten noch fünf Abende Schule“, sagt Gläser. Daher gebe es nur noch drei Pflichtabende, der Rest könne online von zu Hause aufgearbeitet werden. All das soll am kommenden Freitag, 8. September, ab 14 Uhr auf dem Schulgelände gefeiert werden. Etliche Ehemalige haben sich angesagt, dazu Vertreter der Landesschulbehörde. Auch Bildungsdezernentin Rita Ryzski und Regionspräsident Hauke Jagau - die Region ist Trägerin der Einrichtung - begrüßen Schüler, Lehrer und Gäste. Ab 17.30 Uhr steigt im Festzelt auf dem Schulhof dann die Geburtstags-Party. Auf eine Sperrstunde muss nicht geachtet werden, hier sind ja alle Schüler volljährig.

Die Thurnithistraße in Döhren - ein Lernort seit über 100 Jahren

1967 wurde das Hannover-Kolleg Am Lindenhofe 14 in Döhren eröffnet. Später zog die Einrichtung in die Spittastraße, seit 2001 arbeitet das Kolleg als Schulverbund mit dem Abendgymnasium auf dem Gelände an der Thurnithistraße. Im Zuge dieses Verbundes wurden auch die Kollegien zusammengelegt. Gelernt wurde am Standort Thurnithistraße schon seit 1911 - zunächst in der Bürgerschule, dann in der Kardinal-Bertram-Schule, der Orientierungsstufe Döhren und schließlich im Hannover-Kolleg. Vor einigen Jahren wurde das Gebäude durch einen Pavillon erweitert. Träger der Einrichtung ist die Region Hannover, die diese finanziell sehr unterstützt, wie Schulleiter Axel Gläser betont. Nicht zuletzt aber lebe das Gymnasium für Erwachsene vor allem von der Schülerschaft - und von einem sehr engagierten Lehrerteam. sub

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