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Hannover Nach Unfallflucht: 81-Jährige will Führerschein unbedingt zurückhaben
Nachrichten Hannover Nach Unfallflucht: 81-Jährige will Führerschein unbedingt zurückhaben
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00:17 19.04.2019
Manche Menschen – hier das Beispiel einer 84-jährigen Frau – sind den Herausforderungen des Straßenverkehrs mit zunehmendem Alter kaum noch gewachsen. Quelle: dpa
Hannover

Eine häufig diskutierte Frage ist, wie lange Senioren noch gefahrlos ihr Auto nutzen können und ob manche – die sich selbst überschätzen – nicht besser beraten wären, ihren Führerschein schnellstmöglich abzugeben. Vor dem hannoverschen Amtsgericht kämpft derzeit eine 81-jährige Rentnerin, die wegen Unfallflucht angeklagt ist, um ihre Fahrerlaubnis.

Die Bothfelderin hatte im Juli 2018 mit ihrem Opel Astra in einer Tiefgarage unter dem Einkaufspark Klein-Buchholz beim Einparken einen VW Passat beschädigt. Sie beharrt darauf, den Zusammenst0ß nicht mitbekommen zu haben, ein technischer Sachverständiger aber bezweifelt dies: Die Frau hätte den Aufprall sowohl optisch wie akustisch als auch taktil bemerken müssen.

Zeugen sahen den Unfall

Am silberfarbenen Opel der Rentnerin waren vorne rechts Schleifspuren festgestellt worden, am ebenfalls silbernen VW gab es Schrammen im Bereich der hinteren linken Tür und des Kotflügels. Die Reparaturkosten für den Passat liegen bei 2423 Euro. Ein in einem anderen Auto sitzendes Ehepaar hatte die Karambolage nahe der Adolf-Emmelmann-Straße mit eigenen Augen beobachtet und die Polizei verständigt. Anfang dieses Jahres wurde der 81-Jährigen ein Strafbefehl wegen Fahrerflucht zugestellt, sie sollte 30 Tagessätze à 50 Euro zahlen. Weil sie Einspruch einlegte, kam es am Dienstag zum Verhandlungstermin bei Strafrichter Simon Schnelle.

„Ich hatte das Radio und die Klimaanlage laufen, ich habe wirklich nichts gehört von einem Zusammenstoß“, beteuerte die Seniorin. Sie fahre seit 1955 regelmäßig Auto, habe noch keinen Unfall gebaut, noch nie einen Bußgeldbescheid bekommen und demzufolge auch keinen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Einen erheblichen Altschaden an einem Kotflügel ihres Astra erklärte sie damit, dass sie vor einiger Zeit eine neue Gleitsichtbrille bekommen habe und deshalb bei einem Einparkmanöver an einem Pfeiler entlanggeschrammt sei – das habe sie aber bemerkt.

Autofahren ist Lebensqualität

Der Angeklagten war durchaus bewusst, dass ihr Alter in diesem Prozess eine Rolle spielt: „Ich werde doch von vornherein verurteilt, weil ich 81 Jahre alt bin.“ Außerdem würde sie nicht verstehen, „was die Leute davon haben, mich anzuzeigen“. Ihren Führerschein, den sie bereits abgeben musste, vermisse sie sehr: „Ich wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn ich ihn wiederbekäme, Autofahren ist doch ein Stück Lebensqualität.“

Der Richter war darauf aus, die Seniorin zu einem freiwilligen Verzicht auf ihren Führerschein zu bewegen, doch da spielte sie nicht mit. „Sie sind aber in einer fiesen Zwickmühle“, konstatierte Schnelle. Denn nun wird die Rentnerin von einem psychiatrischen Sachverständigen untersucht, die Kosten wird sie wahrscheinlich selbst tragen müssen. Kommt dieser zu dem Ergebnis, dass die 81-Jährige am Steuer eines Wagens für sich und andere eine Gefahr darstellt, muss sie sich eh verabschieden vom Autofahren. Meint der Gutachter allerdings, dass sie ihren Opel weiter nutzen darf, wartet eine Verurteilung wegen Fahrerflucht und ein auf einen bestimmten Zeitraum beschränkter Entzug der Fahrerlaubnis auf sie.

Hohe Hürden

Ob die Bothfelderin ihren Führerschein nach Ablauf dieser Frist tatsächlich zurückbekommt, ist aber auch nicht sicher. Es könnte sein, dass die Straßenverkehrsbehörde dann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) in Auftrag gibt, um ihre Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen zu überprüfen. Für viele Senioren in ähnlicher Situation ist das eine Hürde, die sie nicht mehr überwinden können. „Ich würde den Führerschein ja freiwillig abgeben“, erklärte die 81-Jährige vor Gericht, „wenn ich mich geistig und körperlich nicht mehr fit fühlen würde.“ Simon Schnelle legte ihr nahe, einen solchen Schritt noch einmal sorgsam abzuwägen.

Von Michael Zgoll

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