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Hannover Kein Schmerzensgeld für gestürzte Üstra-Kundin
Nachrichten Hannover Kein Schmerzensgeld für gestürzte Üstra-Kundin
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08:35 12.10.2018
An dieser Stelle, kurz hinter der Haltestelle Kantplatz, scherte ein auf dem roten Radstreifen fahrender Porsche nach links aus und zwang den Fahrer einer Stadtbahn der Linie 4 zu einer Vollbremsung. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Eine Frau, die vergangenen November in einer Stadtbahn am Kantplatz gestürzt war und sich an Halswirbelsäule, Schulter und Handgelenk verletzt hatte, ist mit ihrer Klage beim Amtsgericht Hannover gescheitert. Die 51-Jährige hatte von der Üstra 1500 Euro Schmerzensgeld gefordert, weil die Bahn der Linie 4 Richtung Garbsen kurz nach dem Anfahren abrupt gebremst hatte. Doch Zivilrichterin Dagmar Frost stellte ein „erhebliches Mitverschulden“ der Klägerin fest, die die generelle Haftungsverpflichtung des Verkehrsunternehmens „gänzlich zurückdrängt“. Oder einfacher: Die Kundin hätte sich einen Sitzplatz suchen oder sich besser festhalten müssen. Die Tendenz des jetzt verkündeten Urteils hatte sich schon in einer Verhandlung vor sechs Wochen abgezeichnet.

Der Stadtbahn-Fahrer (37) hatte an jenem Freitag zur Mittagszeit eine Notbremsung vollzogen, weil vor ihm urplötzlich ein Porsche auf die Gleise gerollt war, der möglicherweise einen Stau umfahren und wenden wollte. Der Autofahrer brach das Wendemanöver ab und konnte später nicht mehr ermittelt werden, in der Bahn hatten sich allerdings zwei Personen verletzt. Im vorderen Waggon war eine Seniorin mit Rollator zu Schaden gekommen, im hinteren Wagen die Klägerin. Nach eigenen Angaben hatte sich die 51-Jährige zwar mit einer Hand an einer Haltestange festgehalten, doch waren die Fliehkräfte so stark, dass sie sich beim Festklammern an Fingern und Handgelenk sowie beim darauffolgenden Fall an Schulter und Hals verletzte. In der Folge war sie drei Wochen krankgeschrieben. Die Argumentation der Klägerin: Der Stadtbahnfahrer habe nicht vorausschauend agiert, die Notbremsung sei nicht notwendig gewesen, und sie selbst habe sich ausreichend gesichert.

Andere Situation bei Seniorin

Doch an dieser Stelle drehte das Gericht den Spieß um: Laut Zeugenaussagen hätten im hinteren Waggon noch weitere 15 bis 20 Personen gestanden, und bei der gut begründeten Gefahrenbremsung habe sich nur die Klägerin verletzt – also habe sie sich offenkundig nicht ausreichend gesichert. Der Sturz der Seniorin im vorderen Wagen sei nicht vergleichbar, da die ältere Dame in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt gewesen und erst unmittelbar vor der Notbremsung am Kantplatz zugestiegen sei.

Im Gegensatz dazu, so Dagmar Frost, habe die Klägerin die Stadtbahn bereits vier Stationen zuvor – an der Haltestelle Misburger Straße – betreten, und da an jeder Station Fahrgäste zu- und aussteigen, hätte sie sich während dieser Zeit einen Sitzplatz suchen können. In Anlehnung an andere Gerichtsurteile sprach die Richterin davon, dass generell „jeder Fahrgast im Stadtverkehr mit plötzlichen Bremsmanövern rechnen“ und dies bei der Wahl seiner Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigen müsse. Eine Option wäre wohl auch das Festhalten mit zwei Händen gewesen – aber diese Variante wurde in der Urteilsbegründung nicht erwähnt.

Von Michael Zgoll

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