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Hannover Rentner: „Vielleicht fahren Sie erst mal von meinem Fuß herunter“
Nachrichten Hannover Rentner: „Vielleicht fahren Sie erst mal von meinem Fuß herunter“
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00:17 05.08.2018
An dieser Ecke von Seelhorst- und Plathnerstraße rollte der Lieferwagen rückwärts über den Gehweg. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Es passierte vor einem knappen Jahr am helllichten Tage im Zooviertel: Ein Lieferwagen, der in der Seelhorststraße eine Apotheke beliefert hatte, setzt von einem kleinen Stichweg rückwärts zurück. Was der Fahrer übersieht – auf dem Gehweg steht ein älterer Herr, der stehengeblieben ist und die Häuser auf der anderen Straßenseite betrachtet. Als der Rentner seinen Weg fortsetzen will, ist es schon zu spät. Er registriert, dass sich plötzlich ein weißer Kastenwagen vor ihm auftürmt, dann ist sein rechter Fuß auch schon unter dem linken Hinterrad eingequetscht.

Am Donnerstag musste sich der 60-jährige Auslieferungsfahrer vor dem Amtsgericht Hannover wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Richter Simon Schnelle stellte das Verfahren schließlich gegen Zahlung von 500 Euro ein, auch, weil der Angeklagte nach dem Unfall alles getan hatte, den Schaden wiedergutzumachen. Zudem hat der 71-jährige Rentner von einer Versicherung 2500 Euro Schmerzensgeld zugebilligt bekommen.

Das Opfer erlitt einen Bluterguss im Fuß und – durch aufgrund eines Sturzes bei dem Zusammenprall mit dem Fahrzeug – Prellungen an Arm und Becken. „Wie durch ein Wunder war nichts gebrochen“, sagte der Rentner vor Gericht. Er humpelte an jenem Dienstag knapp zwei Kilometer bis zum Polizeirevier am Welfenplatz, um den Vorfall anzuzeigen, verbrachte anschließend fünf Tage im Clementinen-Krankenhaus. Unter den vom Unfall verursachten Schmerzen litt er noch mehrere Wochen.

Fahrer war schuldbewusst

Der Fahrer sagte aus, er habe beim Rückwärtsfahren plötzlich bemerkt, dass „etwas nicht in Ordnung ist“. Er stieg aus und sah den am Boden liegenden Mann. Auf die Frage, ob er helfen könne, entgegnete ihm der Rentner: „Vielleicht fahren Sie erst mal von meinem Fuß herunter.“ Das Angebot des 60-Jährigen, ihn zu einem Arzt zu begleiten, lehnte der Senior ab, notierte sich nur einige Angaben aus den Dokumenten des Fahrers. „Mein Mandant hat alles getan, um dem Opfer zu helfen und sich mehrfach entschuldigt“, betonte Verteidigerin Martina Zerling-Andersen. Zudem sei der Auslieferungsfahrer noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten und habe auch keinen Eintrag im Verkehrsregister.

Auf die Bemerkung der Verteidigerin, dass der Geschädigte vielleicht auch seinerseits nicht aufgepasst habe, reagierte der Richter allerdings unwirsch. Ein Fußgänger habe jederzeit das Recht, sich auf einem Gehweg aufzuhalten, egal ob gehend oder stehend. Ihm sei klar, so Schnelle, dass Auslieferungsfahrer oft unter Zeitdruck stünden und meist ohne Beifahrer unterwegs seien. Das könne aber keine Entschuldigung dafür sein, in einem geschlossenen Kastenwagen rückwärts zu rollen, ohne sich Hilfe von einem Einweiser zu holen. Immerhin hatte der Fahrer zugegeben, dass er einen Teil des Bürgersteigs beim Rangieren nicht einsehen konnte. „Und mit solch einem Verhalten bewegt er sich dann an der Grenze zur groben Fahrlässigkeit, wenn nicht sogar zum Vorsatz“, stellte der Richter fest. Insofern waren der Angeklagte und seine Anwältin gut beraten, nach einigem Hin und Her auf den Einstellungsvorschlag von Staatsanwalt und Gericht einzugehen.

Von Michael Zgoll

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