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Hannover Porsche-Käufer verliert sein Auto und 74.000 Euro
Nachrichten Hannover Porsche-Käufer verliert sein Auto und 74.000 Euro
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17:12 11.04.2019
Meik B. (l.) berät sich mit seinem Verteidiger Torsten Kellermann. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Ein 42-jähriger Außenhandelskaufmann aus einem Dorf nahe dem bayerischen Landshut dürfte zur niedersächsischen Landeshauptstadt ein angespanntes Verhältnis haben. Vor zweieinhalb Jahren erstand er in einem Café nahe dem hannoverschen Hauptbahnhof einen schwarzen Porsche Panamera, übergab dem Verkäufer in einem Umschlag 74.000 Euro. Doch wenige Monate später war er den Luxussportwagen wieder los – es hatte sich herausgestellt, dass das Fahrzeug gestohlen worden war. Am Donnerstag musste sich der Mann, der der Wagen mitgebracht und sich als Besitzer ausgegeben hatte, vor dem Amtsgericht wegen Betrugs und Hehlerei verantworten. Doch das Verfahren gegen Meik B. wird aller Voraussicht nach vor einem Schöffengericht fortgeführt – wahrscheinlich ist der 50-jährige Bremer nur ein kleines Rädchen im Getriebe einer betrügerischen Bande mit mafiösen Strukturen.

5000 Euro günstiger

Der Käufer hatte den Porsche auf einem Internetportal entdeckt. „Er sollte rund 5000 Euro weniger kosten als vergleichbare Fahrzeuge“, erläuterte er Strafrichterin Janna Fröhlich. Per E-Mail nahm er Kontakt zum Verkäufer auf, flog am 2. September 2016 gemeinsam mit seinem 18 Jahre alten Stiefsohn von München nach Hannover. In dem Innenstadtcafé wurde der Außenhandelskaufmann mit Meik B. handelseinig; beide Bayern identifizierten den Angeklagten vor Gericht eindeutig als den Mann, der ihnen den Panamera nebst Schlüsseln und Papieren ausgehändigt hatte.

B. sei auffällig nervös gewesen, schilderten die Autokäufer, und habe die Geldscheine im Umschlag nur sehr flüchtig nachgezählt. Doch weil die Papiere in Ordnung waren, die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) deckungsgleich mit den Angaben im Kfz-Brief war und das Serviceheft einer Kasseler Porsche-Vertragswerkstatt ordnungsgemäß ausgefüllt war, schöpften sie keinen Verdacht und unterschrieben den Kaufvertrag. Der 42-Jährige fotografierte sogar den Personalausweis von B. – ein Dokument aus Litauen. Allerdings war der letzte Vorbesitzer laut Kfz-Brief ein Mann mit italienisch anmutendem Namen. Er habe aber den Erklärungen von B. vertraut, so der geprellte Käufer, dass es sich um das frühere Leasing-Fahrzeug einer Firma handele und alles seine Ordnung habe.

Dublette in Litauen

Der Schwindel flog einige Monate später auf, als der Bayer den Panamera weiterveräußern wollte und seine Vertragswerkstatt Unstimmigkeiten bei Laufleistung und Farbe feststellte. Der Porsche, das ergaben langwierige Ermittlungen, war gestohlen worden, die Papiere und die FIN-Plakette waren Dubletten von einem Panamera, der in Litauen angemeldet war, und das Serviceheft hatten die Betrüger gefälscht. Deshalb konfiszierten die Ermittler die teure Karosse des Außenhandelskaufmanns, um sie zurückzugeben; die Besitzansprüche waren inzwischen an eine Versicherungsgesellschaft übergegangen, die dem ursprünglichen Eigentümer seinen Schaden ersetzt hatte.

Es heißt, dass die Autoschieberbande sehr professionell agierte und in großem Stil hochpreisige Autos stahl und weiterverkaufte. Da der Angeklagte am Donnerstag schwieg und auch sein Anwalt Torsten Kellermann nichts Substanzielles zu seiner Verteidigung vorbringen konnte, stellte die Staatsanwältin den Antrag, das Verfahren an ein Schöffengericht weiterzuleiten. Die Straferwartung für den derzeit arbeitslosen B., der bei der Justiz kein unbeschriebenes Blatt ist, dürfte nach ihrer Ansicht „deutlich mehr als zwei Jahre“ betragen. Richterin Fröhlich zeigte Sympathien für dieses Ansinnen und kündigte an, beim Neustart eines Prozesses noch weitere Zeugen aus Nürnberg und Recklinghausen laden zu wollen. Auch den Betrugsopfern aus Niederbayern wird es dann nicht erspart bleiben, noch einmal nach Hannover zu reisen.

Von Michael Zgoll

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