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Hannover Rentner schubst Radlerin – und wird verurteilt
Nachrichten Hannover Rentner schubst Radlerin – und wird verurteilt
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20:38 11.10.2018
Eugen H. (r.) wurde von Anwalt Egbert Wöbbecke verteidigt. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Ein Rentner, der eine Radfahrerin so heftig schubste, dass sie umfiel und sich verletzte, ist am Donnerstag vom Amtsgericht Hannover wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der 68-Jährige muss 30 Tagessätze à 40 Euro zahlen. Das 49-jährige Opfer hatte sich bei dem Sturz Prellungen an Schienbein, Fuß und Lendenwirbelsäule zugezogen und eine Woche lang Schmerzen gehabt. Zu der Verhandlung kam es nur deshalb, weil der Angeklagte gegen einen Strafbefehl zur Zahlung von 900 Euro Einspruch eingelegt hatte.

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung an einem Freitagnachmittag vor einem halben Jahr war die Wülferoder Straße in Laatzen. Die Radfahrerin kam aus Richtung Erich-Panitz-Straße und wollte ihrem in der Marktstraße wohnenden Vater sein Mittagessen bringen. Allerdings verhielt sie sich verkehrswidrig, fuhr auf dem Fußweg der Wülferoder Straße auf der falschen Straßenseite. Als sie sich Rentner Eugen H. und seiner Frau näherte, klingelte die Radlerin – was dem Ehepaar missfiel. Noch im Vorbeifahren kam es zu ersten verbalen Scharmützeln, der 68-Jährige gestikulierte und schimpfte, um die Radfahrerin auf ihr unbotmäßiges Verhalten aufmerksam zu machen. Die Frau hielt an und schimpfte zurück. Dann machte der Rentner einen entscheidenden Fehler: Er schubste die Frau, die mit einem Fuß auf einem Pedal und mit dem anderen auf dem Boden stand. Sie fiel auf ihr Gesicht – ein Rasenstreifen verhinderte hier Schlimmeres –, verletzte sich aber an Bein und Rücken. Weinend und zitternd bat sie eine Zeugin, die den Vorgang aus nächster Nähe beobachtet hatte, die Polizei zu holen; ein Rettungswagen transportierte sie wenig später ins Agnes-Karll-Krankenhaus.

„Eine Art Abwehrreflex“

Anklagevertreterin Katja Alexandra Gothe äußerte zwar Verständnis dafür, dass sich der Mann über das verkehrswidrige Verhalten der Radfahrerin geärgert hatte. „Das gibt Ihnen aber nicht das Recht, sich wie ein Hilfssheriff aufzuführen und die Frau vom Rad zu schubsen“, sagte die Amtsanwältin. H.s Verteidiger Egbert Wöbbecke bestritt, dass der Rentner seine Kontrahentin absichtlich vom Rad stoßen wollte, sondern sprach von einer Art Abwehrreflex; dies könne man höchstens als fahrlässige Körperverletzung werten. Eugen H. selbst behauptete, nur eine zeigende Handbewegung gemacht zu haben, wo die Radlerin entlangfahren solle; dabei habe er sie wohl unglücklich getroffen. Doch hatten sowohl die Zeugin als auch das Opfer eindeutig ein Schubsen wahrgenommen. Immerhin: Als die Frau am Boden lag, wurde der Rentner schnell ruhig.

Einsichtig zeigte sich der 68-Jährige vor Gericht allerdings nicht. Keine Entschuldigung kam über seine Lippen, stattdessen geißelte H. erneut das Fehlverhalten der Radlerin. „Man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen“, sagte er in seinem Schlusswort. Dies mochte ihm Richter Simon Schnelle beim Urteilsspruch auch gar nicht verwehren. Doch mit seiner überraschenden Attacke gegen die Frau sei der Angeklagte entschieden zu weit gegangen, habe mindestens billigend in Kauf genommen, dass sie sich bei einem Sturz verletzen könnte. Auch kritisierte Schnelle die „besserwisserische Art“ des Rentners, der offenbar bis zum Schluss der Meinung war, im Recht zu sein.

Von Michael Zgoll

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