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Hannover Totalschaden bewahrt Autofahrer vor Bußgeld
Nachrichten Hannover Totalschaden bewahrt Autofahrer vor Bußgeld
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17:50 12.04.2019
Der frühere Besitzer des Passats mit den falschen Reifen kam unbeschadet aus dem Amtsgericht heraus. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Der Bußgeldbescheid wies mit 60 Euro keine übermäßig hohe Summe aus, und schließlich ging es auch nur um eine nicht im Fahrzeugschein eingetragene Reifengröße sowie eine Tönungsfolie auf den Scheiben, für die der Besitzer des Passat keine Bauartgenehmigung mit sich führte. Doch der 32-jährige VW-Besitzer aus Neustadt und sein Anwalt Stephan Schenk gaben alles, um am hannoverschen Amtsgericht eine Einstellung des Ordnungswidrigkeitenverfahrens zu erreichen. Und obwohl es an den Versäumnissen des Autofahrers nichts zu deuteln gab, ließ die vorösterlich gestimmte Strafrichterin Elisabeth Hansen-Kohlmorgen Gnade vor Recht ergehen und legte den Fall tatsächlich zu den Akten. Der Grund: Der 32-Jährige hat seinen schwarzen Passat inzwischen zu Schrott gefahren, und das schien der Richterin Strafe genug zu sein.

Der Neustädter war der hannoverschen Polizei am 9. Oktober 2018 in der Joachimstraße (nahe dem Hauptbahnhof) bei einer Verkehrskontrolle ins Netz gegangen. Die Beamten stellten fest, dass der Abstand vom Radnabenmittelpunkt zum Radkasten bei den Hinterreifen 31,7 Zentimeter betrug – laut Eintrag in den Papieren hätten es aber mindestens 34,5 Zentimeter sein müssen. „Knapp drei Zentimeter sind eine deutliche Abweichung“, erklärte ein Beamter vor Gericht. Zudem war auf der Hinterachse ein Reifenpaar mit unerlaubtem Felgendurchmesser aufgezogen. Damit war die Betriebserlaubnis für das Fahrzeug erloschen, so der Polizist, und das wird laut Bußgeldkatalog mit 50 Euro geahndet.

Pflicht zur Kontrolle

Die Fülle der Ausflüchte, die der Beschuldigte und sein Anwalt vortrugen, war beeindruckend. Er habe den Passat ohne Arg vom früheren Besitzer gekauft, so der 32-Jährige, bei diesem sei er noch vor Kurzem durch den TÜV gekommen, vier Tage nach der Polizeikontrolle sei die hintere Feder gebrochen (was den falschen Radabstand der offenbar schon schwächelnden Konstruktion erklären sollte), und auf der Scheibenfolie habe doch ein DIN-Aufkleber gepappt. Doch hier erwies sich der Polizist als sehr engagierter Zeuge: Als Käufer eines Fahrzeugs – insbesondere eines Wagens mit Tuning-Anmutung – sei man verpflichtet, den ordnungsgemäßen Zustand des Autos zu überprüfen, eine möglicherweise schadhafte Feder biege sich vor einem Bruch nicht durch, und die DIN-Plakette auf einer getönten Scheibe ersetze nun einmal keine verbriefte Bauartgenehmigung.

Nichtsdestotrotz stellte die Richterin das Verfahren ein – vorbehaltlich der Zustimmung der Staatsanwaltschaft –, weil der Wagen wegen eines Unfalls kurz vor Silvester 2018 und des daraus resultierenden Totalschadens inzwischen im Autohimmel gelandet ist: „Und darum will ich noch einmal drei Augen zudrücken.“ Derart tief gelegt, wie es nur eine Schrottpresse vermag, wird von diesem Passat tatsächlich nie mehr eine Gefährdung des Straßenverkehrs ausgehen.

Von Michael Zgoll

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