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Hannover Streit mit Vermieter? 38-Jähriger steckte Wohnung in Brand
Nachrichten Hannover Streit mit Vermieter? 38-Jähriger steckte Wohnung in Brand
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00:19 29.11.2018
Lagerarbeiter Markus B. bestritt die Tat bis zum Schluss. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Auf diese Bescherung hätten die Bewohner des viergeschossigen Wohnhauses in der Ricklinger Beekestraße sicher gern verzichtet: Am ersten Weihnachtstag 2017 brach in einer Wohnung in der obersten Etage ein Feuer aus. Zum Glück konnte die Feuerwehr die Flammen recht schnell ersticken und es wurde niemand verletzt. Doch der Brand, der einen Schaden von rund 40.000 Euro verursachte, war keineswegs einem Unfall durch einen brennenden Weihnachtsbaum geschuldet – das Feuer war absichtlich gelegt worden. Am Montag wurde der 38-jährige Markus B. von einer Schöffenkammer am Amtsgericht wegen schwerer Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Außerdem muss der Lagerarbeiter als Bewährungsauflage 1000 Euro Geldbuße zahlen.

Die Feuerwehr war schnell vor Ort, um den Brand im 3. Obergeschoss zu löschen. Quelle: Christian Elsner

Die Ermittler entdeckten bei der Untersuchung der kleinen Wohnung drei selbst gebastelte Brandvorrichtungen, die noch intakt waren; eine vierte hatte das Feuer offenbar entfacht. Dabei handelte es sich jeweils um eine Klopapierrolle, die mit einem Socken umwickelt war; in dieser Rolle steckte eine Kerze, die nach Angaben eines Beamten etwa drei Stunden brauchte, um herunterzubrennen und die Papprolle zu entzünden. Der Angeklagte argumentierte, er sei bei Ausbruch des Feuers zur Mittagszeit schon mehr als zwei Stunden bei seinem Vater gewesen, habe mit diesem in seiner Lindener Wohnung gefrühstückt. Doch das, so stellte die Vorsitzende Richterin Wiebke Gratz fest, schließe nicht aus, dass B. die Kerzen morgens gegen halb neun angezündet haben könnte.

Der bislang nicht vorbestrafte 38-Jährige bestritt die Tat bis zum Schluss, behauptete, ein Einbrecher habe sich vom Dach über den Balkon in die Wohnung geschlichen und das Feuer gelegt. Doch warum sollte ein Dritter eine so komplizierte Art der Brandstiftung wählen? Und warum fand die Polizei keine Einbruchsspuren? Die Hitze und die Brandgase verwüsteten die Mietwohnung so nachhaltig, dass eine Kernsanierung erforderlich war; dabei musste auch der Putz von den Wänden geschlagen und erneuert werden. Etliche Monate konnte das Apartment nicht vermietet werden, B. hat inzwischen gekündigt und wohnt bei seinem Vater.

Streit um Schäden

Das Motiv für die Brandstiftung, so vermuteten Staatsanwalt und Gericht, dürfte in einem Streit zwischen Vermieter und Mieter um Schäden in der Wohnung begründet sein. Ein Hausverwalter schilderte, er habe 2015 bei einer Besichtigung festgestellt, dass das Apartment total heruntergewirtschaftet war. 2016 wurde Markus B. im Zuge eines Beweissicherungsverfahrens per Urteil gezwungen, einen Sachverständigen in die Wohnung zu lassen. Später versuchte der Mieter selbst, in dilettantischer Weise Türen zu streichen, überwies dem Vermieter im Sommer 2017 immerhin 2790 Euro für Malerarbeiten. Strittig blieb allerdings, wer für eine massive Beschädigung des Parketts verantwortlich war.

Das Schöffengericht folgte mit seinem Urteil dem Strafmaß, dass der Staatsanwalt beantragt hatte; Verteidiger Jannis Geike hatte auf Freispruch plädiert. „Sie können von Glück reden“, so sagte Richterin Gratz zum Angeklagten, „dass durch den Brand kein Hausbewohner verletzt wurde.“ Trotzdem werden die Nachbarn das Weihnachtsfest 2017 sicher nicht in guter Erinnerung behalten.

Von Michael Zgoll

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