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Hannover Apotheker schlagen Alarm: Medikamente werden knapp
Nachrichten Hannover Apotheker schlagen Alarm: Medikamente werden knapp
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06:00 11.09.2018
Medikamente wie Ibuprofen, AS oder Aspirin werden derzeit knapp. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Eine Packung mit dem Schmerzmedikament Ibuprofen zu bekommen, wird derzeit immer schwieriger – egal ob per Rezept oder im freien Verkauf. Bereits seit Wochen gibt es auch in hannoverschen Apotheken Lieferengpässe für Schmerzmittel, aber auch das Erkältungsmittel Aspirin Complex. Notfallarzneien bei allergischen Schocks oder Blutverdünner wie ASS und Tollwutimpfstoffe sind häufig ausverkauft. „Es reicht hinten und vorne nicht“, betont die Präsidentin der Apothekenkammer Niedersachsen, Magdalene Linz. Fünf große Hersteller von Arzneien mit dem Wirkstoff Ibuprofen etwa könnten derzeit überhaupt nicht liefern. „Wir nehmen alles, was wir kriegen, fragen täglich beim Großhändler nach Nachschub“, sagt Linz, die auch Inhaberin der Leibniz- und der Delfin- Apotheke ist.

Problem für Kliniken

Die Kammerpräsidentin rechnet nicht damit, dass sich die Engpässe in naher Zukunft erledigen. „Wenn schon ein Allerweltswirkstoff nicht mehr lieferbar ist, werden wir zunehmend Probleme bekommen.“ Noch könne man bei den Packungsgrößen oder den Herstellern variieren, „aber ASS-Infusionen etwa sind gar nicht zu bekommen.“ Das sei vor allem für Kliniken ein Problem. Linz sieht die Ursache für die Probleme unter anderem darin, dass mittlerweile die meisten Arzneien nicht mehr in Deutschland oder Europa, sondern in Asien produziert werden – und dort nur von einer Handvoll Unternehmen.

„Wenn dort dann auch nur eine Komponente ausfällt und nicht lieferbar ist, hat das dramatische Auswirkungen auf dem Markt“, sagt Linz. Für die bald anstehenden Grippeimpfungen sind die Nebenwirkungen der Engpässe noch nicht absehbar. „Wenn nur eine Charge fehlerhaft ist, kann es eng werden, schließlich produziert kein Hersteller auf Vorrat. Dass ASS-Infusionen, die vor allem bei Herzinfarktpatienten eingesetzt werden, bereits seit Monaten nicht lieferbar sind, ist vor allem für Krankenhäuser problematisch“, betont Linz. Bereits seit März gebe es qualitativ bedingte Ausfälle, „und es gibt keine Alternativpräparate.“

„Lagerhaltung ist reine Utopie“

Auch andere Apotheker haben mit den Lieferengpässen etwa von Schmerzmitteln zu kämpfen. „Wir haben kaum noch etwas da. Bestimmte Arzneien für drei Monate auf Lager zu haben, ist schon lang reine Utopie“, sagt ein Pharmazeut aus der List. Und die Kollegin in einer Innenstadtapotheke beklagt, dass es auch im onkologischen Bereich große Lücken gebe. Manches Medikament könne erst Mitte 2019 wieder geliefert werden. „Die Versorgung auf dem Arzneimittelmarkt hat sich allgemein sehr verschlechtert.“

Was die Schmerzmittel betrifft, versuchen nun viele Apotheken, den Engpass mit kleineren Packungsgrößen oder anderen Herstellern zu kompensieren. „Das reicht aber auch nur bedingt“, betont Magdalene Linz. Zumal Patienten den gleichen Zuschuss auch für weniger Tabletten zahlen müssten. Apotheken haben den gesetzlichen Auftrag, Patienten mit Arzneimitteln zu versorgen. Mittlerweile sei das offenbar nicht mehr zu gewährleisten, meint der Pharmazeut aus der List. Auf dem Arzneimittelmarkt tobe eine gnadenlose Preisschlacht. Die Krankenkassen handeln mit den Pharmafirmen Rabattverträge aus, und um bei den Preisen mithalten zu können, produzieren immer mehr Hersteller günstig in Indien und China.

Hinzu kommen Fehlkalkulationen der Unternehmen – und manchmal auch höhere Gewalt: Eine Produktionsstätte für Ibuprofen ist abgebrannt, was zum aktuellen Engpass beiträgt. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Krankenkassen, das Gesundheitsministerium sowie Apotheker und Ärzte an einen Tisch setzen“ – um eine konstante Versorgung mit Präparaten erst mal wieder aufzubauen, so der Apotheker.

Von Susanna Bauch

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