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Hannover Architekten fordern neue Wohnungen – und zwar schnell
Nachrichten Hannover Architekten fordern neue Wohnungen – und zwar schnell
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10:22 26.10.2018
Stadtbaurat Uwe Bodemann spricht in der Bauverwaltung beim Empfang der Architektenkammer. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Das nennt man wohl einen freudschen Versprecher. Stadtbaurat Uwe Bodemann eröffnet am Donnerstagabend den mittlerweile zehnten Empfang der Architektenkammer in seiner Bauverwaltung. Er spricht davon, wie er sich jedes Jahr wieder im Herbst auf den Austausch mit Architekten und Landespolitikern freut. Davon will er jedenfalls erzählen, doch er sagt etwas anderes, nämlich dass er sich auch dieses Jahr wieder auf diesen „unangenehmen“ Abend gefreut hat.

Man ahnt, dass Bodemann die HAZ-Berichterstattung vom Mittwoch über dramatische Organisationsmängel im Bauamt der Stadt Hannover im Kopf herumschwirrt. Wie vielen der rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Ein internes Gutachten hatte Bodemanns Abteilung bescheinigt, was Bauherren und Architekten schon lange ahnen: dass die Bearbeitung von Bauanträgen bei der Stadt zu lange dauere.

Das zentral Thema: Wohnungsnot

Damit ist das zentrale Thema des parlamentarischen Abends bereits angesprochen – der dringend benötigte Bau neuer Wohnungen. Bodemann formuliert es so: „Wie kann es gelingen, bei explodierenden Preisen noch günstig zu bauen?“ Andere Redner – Landtagsvizepräsidentin Meta Janssen-Kucz (Grüne), Kammerpräsident Robert Marlow und Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) – betonten zudem die Zeitachse. Dass es nämlich auch möglichst schnell gelingen müsse. Althusmann wird später von „Wohnungsnot“ in Deutschland sprechen, und dass bundesweit eine Million Wohnungen fehlten.

Bodemann verteidigt die Arbeit seiner gescholtenen Bauverwaltung: „Trotz aller Kritik, die wir in diesen Tagen erfahren“, habe man allein in diesem Jahr Genehmigungen für „1800 Wohneinheiten erteilt – so viele wie noch nie in einem Jahr in den vergangenen zehn Jahren“.

„Wir schaffen Fundamente“

Landtagsvizepräsidentin Meta Janssen-Kucz betont die Gemeinsamkeiten von Architekten und Politikern. „Wir schaffen beide Fundamente.“ Die einen mit Steinen, die anderen mit Gesetzen. Gemeinsam müsse man Lösungen für schnellen und kostengünstigen neuen Wohnraum finden. Dabei dürfe man aber nicht die städtebaulichen Fehler der Vergangenheit wiederholen. „Die Kosten dürfen nicht das einzige Kriterium sein. Wer zu billig baut, handelt nicht zukunftsgerichtet und schon gar nicht nachhaltig.“

Es sind Worte, die der Grünen, die eigentlich eher in der Innenpolitik zu Hause ist, ein Lob des neuen Kammerpräsidenten bescheren. Janssen-Kucz habe mehr gesagt, als er erwartet habe. „Sogar inhaltlich.“ Das beschert Marlow, der seit einem halben Jahr an der Spitze der Architektenkammer steht, Lacher.

Fristen für die Verwaltung

Zwei Punkte sind dem Architekten wichtig: Erstens müsse das Wohnungsangebot schnell ausgeweitet werden. „Es muss noch mehr gebaut werden.“ Dafür müssten die Städte mehr Bauland ausweisen und auch in der Stadt eine Verdichtung zulassen. Für die anstehende Novelle der Niedersächsischen Bauordnung wünscht sich Marlow verbindliche Fristen an die Verwaltung für die Bearbeitung von Bauanträgen. Ein wenig nimmt er dann Bodemann in Schutz: „In vielen Städten sind die Bauämter stark beansprucht.“

„Menschen müssen sich wohlfühlen“

Zweitens, verlangt Marlow, dürften die Fehler der Nachkriegszeit, beziehungsweise der Siebzigerjahre sich nicht wiederholen. „Einfach nur Fläche bebauen, wird sich bald rächen. Die Menschen müssen sich wohlfühlen.“

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) weitet dann den Blick. Er spricht davon, wie gut es den Menschen und der Wirtschaft in Niedersachsen gehe – trotz einiger schlechter Vorzeichen wie des drohenden Brexits. „Es läuft rund in Niedersachsen“ und würdigt die Große Koalition im Landtag als Stabilisator. Die Bauwirtschaft in Niedersachsen gebe 170.000 Menschen Arbeit, sie belege im bundesweiten Vergleich den vierten Platz, „der Bauboom hält an“. Die Wohnungsnot, sagt Althusmann, sei „die größte Herausforderung“ für die Branche.   

Von Karl Doeleke

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