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Nachrichten Hannover Hannover hat jetzt Audio-Stadtradtouren
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01:43 02.06.2018
Willkommen zu den digitalen Radtouren: Bauhistoriker Sid Auffarth (Mitte) mit Rebekka Jakob und Wolfgang Prauser vom Bürgerbüro. Quelle: Foto: Meding
Hannover

Fast 30 Jahre lang hat Bauhistoriker Sid Auffarth für das Bürgerbüro Stadtentwicklung seine Sommerradtouren durch Hannover und Umland angeboten. Mit seiner markanten Stimme hat er Mitradlern an den Stationen seiner thematisch immer wechselnden Routen Hannover erklärt: Die Geschichte, aber vor allem auch die Gegenwart Hannovers; die Widersprüchlichkeiten und die sozialen Probleme, aber auch die versteckten Natur- und Architekturwunder der Stadt, mit denen sich die Hauptstadt des Understatements selten schmückt. Tausende haben Auffarth zugehört bei den Touren. Jetzt ist Schluss. Doch wer will, der kann sich von dem 79-Jährigen jetzt bei individuellen Touren begleiten lassen.

14 unterschiedliche Touren mit je acht Stationen hat ein Team aus dem Umfeld des Bürgerbüros aufgezeichnet, später geschnitten, anmoderiert und zu Audioschnipseln zusammengefügt. Sie lassen sich sowohl auf dem heimischen Computer abhören, vor allem aber mithilfe einer kostenlosen Smartphone-App auch mobil abspielen. Anhand einer gratis erhältlichen Faltkarte können Interessierte dadurch unabhängig von Terminen die Stadtradtouren nach-fahren und neu erleben. 56 000 Euro hat das Projekt gekostet – größtenteils finanziert aus Kleinspenden von Bürgern und Unternehmen.

Die Audiotouren sind, wie so oft beim Bürgerbüro Stadtentwicklung, das Ergebnis von Teamarbeit. Wolfgang Prauser vom BBS-Vorstand hat federführend das Geld gesammelt: Zwei Jahre lang hat er unermüdlich Türklinken geputzt, lokale Händler angesprochen, in Bezirksratssitzungen für das Projekt geworben und so Spenden eingesammelt. Andrea Friedrichsmeier hat mit acht Hobbyfotografen vom Fotoclub Linden mehr als 1000 Fotos beigesteuert, die jetzt die einzelnen Stationen in der App illustrieren. Die Planerin und Journalistin Stefanie Krebs hat stundenlanges Audiomaterial zusammengekürzt, das Auffarth während der Touren eingesprochen hatte – damit es authentisch wirkt, sollten es keine Studiotexte sein. Katrin Decker hat anmoderierende Texte eingesprochen, Christoph Isermann dazu Klänge komponiert.

So funktioniert die Audio-Tour

9000 großformatige Flyer mit der Karte für die Audio-Stadtradtouren hat das Bürgerbüro Stadtentwicklung in dieser Woche ins Rathaus gebracht, von wo aus sie in alle Freizeitheime, Bürgerämter, Kulturtreffs und Stadtbibliotheken verteilt werden sollen. In Kürze soll die Karte mit den Touren auch auf der Seite www.audio.stadtradtouren.de im Internet zum Selber-Ausdrucken veröffentlicht werden.

Um die Touren mit Handy zu nutzen, muss man sich die kostenlose App izi.travel herunterladen und damit auf dem Flyer den jeweiligen Tour-QR-Code scannen. Dann lassen sich die Stationen auch in anderer Abfolge abspielen.

Und so führt jetzt eine Tour etwa zu den Innenhöfen Hannovers, vor allem im Nordosten. Im Süden widmet sich eine Tour dem Wasser in der Stadt, das am Maschsee sehr präsent ist, bei Flüssen wie Leine und Ihme aber stadttouristisch viel zu wenig genutzt wird. Eine Tour beschreibt die „Rote Moderne“ der Südstädter Backsteinarchitektur, eine andere beschäftigt sich mit den öffentlichen Räumen und zieht eine kritische Bilanz des Stadtplatzprogramms „Hannover schafft Platz“, das seit 1999 läuft. Leibniz, Hannovers berühmte Frauen, Jugendstil in Hannover oder historische Friedhöfe – an jeder der insgesamt 110 Stationen erzählt Auffarth in drei bis fünfminütigen Audiobeiträgen Wissenswertes.

Verloren gegangen ist durch die digitale Form das Dialogische. Die Stadtradtouren, die Auffarth anfangs mit Matthias Muncke vom BUND und später mit Petra Metsch vom Bürgerbüro vorbereitet hatte, waren stets auch von Zwischenfragen und vom Gedankenaustausch geprägt: Fast immer wussten Mitradler irgendwelche Details, die den Vortrag bereicherten. Gewinnen wird durch die digitale Form dafür die Bandbreite der Teilnehmer, wie Rebekka Jakobs vom Bürgerbüro betont. Denn die Stadtradtouren sind stets auf den letzten Freitag eines Monats, 14 Uhr, terminiert, was zu einem hohen Altersdurchschnitt geführt hat. „Freitagmittags können Berufstätige eben nur schwer“, sagt Jakobs. Das Bürgerbüro hoffe, dass nun mit der Digitalfassung auch Jüngere die besonderen Seiten Hannovers erfahren können.

Der Link zur Seite der für Hannover neuen Audio-Stadtradtouren des Bürgerbüros Stadtentwicklung findet sich hier.

Freitag eine „echte“ Tour

Es ist die letzte Saison für Sid Auffarths Stadt-Radtouren – nach fast 30  Jahren beendet der Bauhistoriker dieses Engagement. Wer ihn noch einmal live bei einer Fahrrad-Führung erleben will, hat dazu immer am letzten Freitag eines Monats Gelegenheit – die Mai-Tour ist allerdings auf Freitag, 1. Juni, verschoben worden. Thema ist diesmal die „Secondhand-Kultur“ (Oxfam, Fair-Kauf, Flohmarkt).

Die etwa vierstündigen Touren starten immer um 14 Uhr am Bürgerbüro Stadtentwicklung, Braunstraße 28. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung nicht nötig – nur ein Fahrrad muss man mitbringen.

Von Conrad von Meding

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