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Hannover Aufzug im Hochhaus bleibt eine Woche lang kaputt
Nachrichten Hannover Aufzug im Hochhaus bleibt eine Woche lang kaputt
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00:41 28.05.2018
„So kann man nicht mit uns umgehen“, sagen Traute Neddermeyer, Günther Drenge und Birgith Oberpottkamp im Hochhaus in Kirchrode. Quelle: Menkens
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Hannover

Vergangenen Mittwoch ging Traute J. Neddermeyer guten Mutes vor die Haustür. Der Hund musste mal raus, vier Mal am Tag gibt der Husky, inzwischen auch schon 13 Jahre alt, klare Signale. Wenn Frau Neddermeyer ihre Wohnung verlässt, dann geht sie nicht einfach los auf die Straße, dann steht sie erst Mal draußen im Gang vorm Fahrstuhl und guckt vom neunten Stockwerk aus über Dächer und Wälder von Hannover. Doch an diesem Mittwoch vor Pfingsten kam kein Aufzug. Da mochte sie den Abwärtsknopf drücken wie sie wollte, nichts rumpelte los, irgendwo steckte die Kabine fest. Ratlos fragte sich die Mieterin Neddermeyer: „Was ist nun passiert?“ Passiert ist dann, dass sie tagelang 160 Stufen rauf und wieder runter laufen musste, vier Mal am Tag.

Im vierten Stock im Kirchröder Hochhaus lebt Vera Hahn. Seit 30 Jahren leidet sie an multipler Sklerose und braucht einen Rollstuhl. Eine Woche lang konnte sie das Haus nicht verlassen, weil der Fahrstuhl auch am siebten Tag nach seinem Stillstand nicht repariert worden war. Einkaufen? „Ich lass mir alles bringen, die Leute im Haus sind sehr hilfsbereit. Aber seit Tagen bin ich nicht mehr raus gekommen, ich sitze jetzt acht Tage in der Bude.“ Die angeklebten alarmgelben Zettel „Achtung: Aufzug außer Betrieb“ sind mittlerweile mit Tipps beschrieben. „Miete mindern“ steht auf einem, dazu der entsprechende Paragraf aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Und Erinnerungen daran, was noch alles schief lief in jüngster Zeit. Kaputte Klingelanlage, Wasser im Haus.

Im Hochhaus in Kirchrode haben die Bewohner in den vergangenen Tagen erleben müssen, wie es ist, wenn gewohnte Dinge ausfallen. Wie das Leben beschwerlicher wird und wie sehr man plötzlich auf andere Menschen angewiesen sein kann. Auf Nachbarn und die Leute aus der ZVK-Verwaltung, von der alle Mieter gehofft haben, dass sie die Reparatur schnell über die Bühne bringen. Doch Informationen über die Zukunft des Fahrstuhls gab es nicht, klagt Bewohner Günther Drenge. Unten im Schaukasten hängt kein Zettel, auf den Etagen erfährt man nur, dass der Aufzug nicht fährt. „Dabei machen die sonst wegen jedem Furz einen Aushang.“ Drenge hat Verständnis, dass mal was kaputt geht, kann passieren, „aber es geht darum, wie man mit uns umgeht“.

Der Elf-Stöcker in Kirchrode gehört der Zusatzversorgungskasse der Stadt Hannover. Am Donnerstag vor Pfingsten wurde der Aufzug im Haus endgültig stillgelegt. „Aus Sicherheitsgründen“, heißt es im Rathaus. Der Fahrstuhl habe nicht mehr in den einzelnen Etagen gehalten und es kam zu Stufenbildungen, weil die Kabine in den Stockwerken nicht auf gleicher Höhe hielt. Reparaturversuche scheiterten, und es habe gedauert, bis über Pfingsten das nötige Ersatzteil geliefert werden konnte. Inzwischen fährt der Aufzug wieder, nach beinahe acht Tagen Stillstand.

Im neunten Stock ist Birgith Oberpottkamp froh, dass sie nun nicht mehr zu Fuß runter ins Erdgeschoss muss, wenn der Paketbote klingelt. Natürlich läuft keiner von ihnen schwer beladen hoch ins oberste Stock. Bewohner mit Rollatoren können wieder das Haus verlassen. Auch Vera Hahn kann wieder heraus aus ihrer Wohnung und draußen im Rollstuhl unterwegs sein, „das ist ja meine Lebensqualität“. Eine Klage erwägt sie trotzdem, eine Rechtsschutzversicherung erleichtert den Weg zum Anwalt. Sie will für diese Tage ohne Fahrstuhl die Miete mindern. „Falls“, sagt Frau Oberpottkamp aus dem neunten Stock, „mit der nächsten Abrechnung keine Entschädigung von der ZVK kommt.“

Von Gunnar Menkens

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