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Hannover Joachim Maiß steht jetzt an der Spitze der Berufsschullehrer
Nachrichten Hannover Joachim Maiß steht jetzt an der Spitze der Berufsschullehrer
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00:57 27.04.2018
24 Stunden, sieben Tage die Woche? Digitalisierung wirft auch Fragen der Lehrerarbeitszeit auf: BBS-Leiter Joachim Maiß. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

 Vor ein paar Stunden ist er aus China gekommen, jetzt sitzt Joachim Maiß in der Multi-Media-Berufsbildenden Schule und spricht über die fehlenden Lehrer und die schlechte Unterrichtsversorgung an den BBSen: „Unser größtes Problem ist der Nachwuchsmangel.“ Gerade für Metall-, Elektro- und IT-Technik gebe es kaum Pädagogen. Die Unterrichtsversorgung liege im Schnitt bei unter 88 Prozent, eigene Standorte hätten sogar deutlich unter 80 Prozent. Weniger Pflichtstunden und eine bessere Bezahlung machten den Lehrerjob attraktiver. Maiß warnt davor, allzu viel Hoffnung auf Seiteneinsteiger zu richten. Wichtig sei es, die Quereinsteiger richtig zu qualifizieren: „Eine grundständige Studium muss sein.“ Lediglich ein Aufbaustudiengang sei nicht ausreichend.

Wenn Google mehr als der Lehrer weiß

Neben dem Lehrermangel sei die Digitalisierung der Schulen das große Thema, findet der Schulleiter. Dabei gehe es nicht nur Infrastruktur (wie Breitband, Kabel und WLAN),  sondern auch um die inhaltliche Frage, wie die digitalen Medien zum Lernen eingesetzt werden sollen. Und schließlich auch um Arbeitzeit: „Wenn Schüler rund um die Uhr Fragen an den Lehrer stellen können, muss der dann auch rund um die Uhr antworten? Und was ist, wenn einer mitten in der Nacht antwortet und sein Kollege erst am nächsten Tag um 9 Uhr?“ Es werde wohl entsprechende Dienstvereinbarungen geben müssen. Maiß vermisst in der Debatte die Frage, was die Digitalisierung mit der Gesellschaft macht. Im Klassenzimmer sei das Internet auch ein Angriff auf den Wissensvorsprung der Lehrer: „Das, was bei Google steht, gilt mehr als das, was der Lehrer sagt.“

Berufliche Bildung braucht ein besseres Image

Die berufliche Bildung müsse ein besseren Ruf bekommen, meint Maiß: „Viele Eltern sehen nur den Königsweg Abitur am Gymnasium, entweder man schafft das oder man muss die Schule verlassen, dass man das auch an einem Beruflichen Gymnasium machen kann, wissen wenige, und an einer BBS gibt es keien verschlossene Tür, es geht immer eine neue auf.“ Das Berufsschulwesen mit seinen unterschiedlichen Formen, der Fachschule, der Fachoberschule, vollschulischer Ausbildung oder Pflicht-Berufsschultage neben der dualen Ausbildung im Betrieb, sei nicht hinlänglich bekannt. 

Vorreiter im digitalen Unterricht

Die Multi-Media BBS am Expogelände gehört zu den zehn besten digitalen Berufsschulen in Deutschland – und ist damit ausgewählt, gemeinsam mit der Telekom-Stiftung bis Ende 2019 Konzepte für den Einsatz digitaler Medien in der Berufsbildung zu entwickeln. „Das ist eine tolle Nachricht, die zeigt, dass die Multi-Media BBS schon früh die Herausforderungen erkannt hat und eine exzellente Ausbildung für die Schülerinnen und Schüler in der Region Hannover bietet“, sagt Ulf-Birger Franz, Bildungsdezernent der Region Hannover. 

 „Wir freuen uns auf den gewinnbringenden Austausch mit anderen Schulen in ganz Deutschland. Sicherlich wird es auch für uns noch jede Menge Ideen geben“, sagt Schulleiter Joachim Maiß. Dorothée Rhiemeier, Leiterin des Fachbereichs Schulen der Region, ergänzt: „Das Projekt wird sicherlich auch wichtige Impulse für die anderen Berufsbildenden Schulen der Region bereit halten. Wir wollen offensiv die Digitalisierung unterstützen.“  Für ihr Engagement erhalten die ausgewählten Schulen von der Telekom-Stiftung insgesamt eine finanzielle Unterstützung von rund 20.000 Euro. dö

Bis 2020 soll in Niedersachsen das vollzogen sein, was auf der Bundesebene bereits passsiert ist – nämlich die Fusion der Verbände für Lehrer an kaufmännischen Schulen, dem Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen, und der Pädagogen an gewerblich-technischen Schulen, dem Berufsschullehrerverband. In anderen Bundesländern siene die beiden Verbände schon zusammengeschlossen. Für die Berufsschulen im Land wünscht er sich mehr Eigenständigkeit im Sinne des alten Proreko-Projekts. Bei Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will er dafür kämpfen.

Von Saskia Döhner

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