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Hannover Der Stall von morgen ist digital
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19:27 09.11.2018
Haltungsbedingungen für die Tiere und Arbeitsbedingungen für die Menschen verbessern: Die Eurotier widmet sich auch aktuellen Themen. Quelle: Foto: Peter Steffen/ dpa
Hannover

Wie sieht ein moderner Stall aus? Was tut sich beim Thema Tierwohl? Im Agrarland Niedersachsen spielt die Aufzucht und Haltung von Nutztieren eine große Rolle – genauso wie bei der am kommenden Dienstag in Hannover beginnenden Fachmesse Eurotier in Hannover. Besondere Aktualität haben diese Fragen auch durch die in den letzten Wochen und Tagen bekanntgewordenen desaströsen Zustände in Schlachthöfen in Bad Iburg und Oldenburg bekommen. Das Agrarministerium rechnet im Vorfeld der Eurotier sogar noch mit weiteren Aufnahmen, die Tierschutzverstöße in niedersächsischen Betrieben zeigen. Die Eurotier findet vom 13. bis zum 16. November auf dem Messegelände statt. Der Veranstalter, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), kündigt 2600 Aussteller aus insgesamt 62 Ländern an. 59 Prozent der vertretenen Betriebe stammen aus dem Ausland.

Mehr als 200 Veranstaltungen

„Die Bilder aus den Schlachthöfen haben die Landwirte selbst erschüttert“, sagt Rainer Winter, Sprecher der Eurotier. Das Hauptaugenmerk der Messe liege allerdings bei den landwirtschaftlichen Betrieben, nicht den Schlachtern. „Die Fachleute diskutieren aber auch über angrenzende Themenfelder“, sagt Winter. Immerhin stünden die Betriebe am Anfang einer langen Kette. Mit mehr als 200 Veranstaltungen gehe man in diesem Jahr auf Aspekte ein, die aktuell in der Gesellschaft diskutiert würden.

So erklärt Jutta Berk vom Friedrich-Loeffler-Institut, ob Landwirte auf das Schnabelkürzen von Mastputen verzichten könnten. Tierphysiologe Gerhard Breves referiert über die „klimafreundliche Kuh“ und Bioland-Berater Ulrich Schumacher berichtet, wie Betriebe erfolgreich Biomilch produzieren.

Mit dem Leitthema „Digital Animal Farming“ setzt die Messe auf modernste Technik. Durch den Einsatz von Sensoren und eines zielgenauen Datenmanagements könnten die Betreiber nicht nur ihre, sondern auch die Bedürfnisse der Tiere und Verbraucher berücksichtigen. So verspricht die Digitalisierung von betrieblichen Abläufen eine schnellere und bessere Produktion. Auch die Nährstoffbilanz der landwirtschaftlichen Betriebe oder die Gesundheit der Tiere könne besser überwacht werden.

Prämierte Neuheiten

Wann eine Kuh in der Brunst ist, spielt für den Erfolg eines Milchviehbetriebes eine große Rolle – bisher überprüften die Stallbesitzer das selbst. Mittlerweile können einzelne Tiere digital beobachtet werden. Unabhängig von der Herdengröße wird so beispielsweise eine einzelne Milchkuh rund um die Uhr digital kontrolliert. Landwirte können sich auf der Eurotier beraten lassen, welche digitale Methode zu ihrem Betrieb passen könnte.

Auf der Messe werden zudem alle zwei Jahre Preise für ausgewählte Neuheiten verliehen. So landete in diesem Jahr ein digital steuerbares sogenanntes Selbstfangfressgitter in der engeren Auswahl. Zum Fressen stecken Milchkühe ihre Köpfe durch diese Gitter, die sich anschließend schließen – so werden die Tiere kurzzeitig fixiert und können untersucht und behandelt werden. Damit die Kühe nicht länger als notwendig festgehalten werden, kann der Schließmechanismus elektronisch überwacht werden. Der Landwirt erfährt dann mithilfe einer App, wie lange eine Kuh bereits im Fressgitter steckt.

Viele auf der Eurotier vorgestellten Produktneuheiten sollen dazu beitragen, die Haltungsbedingungen für Nutztiere sowie die Arbeitsbedingungen für die Menschen zu verbessern. Kriterien wie Arbeitssicherheit und -verbesserung, Tiergesundheit, Tierwohl sowie Umwelt- und Tiergerechtheit gaben bei der Beurteilung den Ausschlag.

Zeitgleich mit der Fachmesse hält der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) seinen Jahreskongress auf dem Messegelände ab. Hier sollen sich Tierärzte und Landwirte aus aller Welt austauschen. Erstmals wird der Veranstalter gemeinsam mit dem Tierarztverband Produkte und Lösungen mit dem „Animal Welfare Award“ auszeichnen, „die im besonderen Maße den Anforderungen an einen höheren Tierwohlstandard gerecht werden“. Insgesamt rechnet die DLG mit 150 000 Teilnehmern bei der Eurotier.

Die Eurotier ist vom 13. bis 16. November täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet an der Tageskasse 27 Euro, über die Internetseite 22 Euro. Studenten, Schüler und Rentner zahlen 14 Euro. Kinder unter 13 Jahren erhalten in Begleitung Erwachsener freien Eintritt.

Von Tomma Petersen

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