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Hannover Künstler öffneten ihre Werkstätten
Nachrichten Hannover Künstler öffneten ihre Werkstätten
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00:30 30.05.2018
Plastiken aus Polyester: Ulrike Enders zeigt im „Bildarium“ in der List ihre Arbeit „Schmale Männerfassade“. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Das ist auch so eine Lieblingsfrage an Künstler: Was die wohl mit ihrer Kunst ausdrücken wollen? Mit Bildern, Klängen und Plastiken. Ulrike Enders hat darauf eine Antwort, die auf Ästhetik zielt: „Die Form ist wichtig. Zuerst muss das Auge zufrieden sein und zufrieden bleiben. Eine Arbeit soll ja auf Dauer nicht langweilig werden. Über den Inhalt kann man dann immer noch nachdenken.“

Der Sonntag in Hannover war eine Gelegenheit, Kunst in der Nachbarschaft kennen zu lernen. An 18 Orten öffneten Künstler ihre Werkstätten – und Ulrike Enders tat dies in der kleinen Galerie „Bildarium“ in der List. Enders zählt zu den bekanntesten hannoverschen Künstlern, ihre „Leute im Regen“ sehen seit Langem in der Georgstraße eher betrübt in die Welt. Was sie beobachtet im Gespräch mit dem Publikum: „Die wenigsten wissen, welches Material ich verwende und wie man damit arbeitet.“ Polyester ist ihr bevorzugter Werkstoff. Riesige Sachen, sagt Enders, könne man damit machen, ohne dass hinterher drei kräftige Männer nötig wären, um sie zu bewegen. Das ist auch praktisch, wenn man Kunst kaufen will. Die „Schmale Männerfassade“, drei lebengroße Figuren im Anzug, dafür kopflos, kosten laut Galeriezettel 3000 Euro.

Der „Atelierspaziergang“ der Region Hannover soll keine Veranstaltung mit Pauken und Trompeten sein. Keine Party, keine Musik, sondern allein der Künstler, sein Werk und das Publikum stehen im Mittelpunkt. Es geht um Begegnungen. In diesem Jahr findet die 17. Auflage statt, in der Regel kommen um die 6500 Besucher. Wer mitmachen will, muss sich mit einer Arbeit bei der Region bewerben.

Das hat auch Frank Popp aus Groß-Buchholz getan. In seinem Haus sammelt er all die Arbeiten, die im Laufe der Jahre entstanden sind. „Es sind Hunderte, Tausende“, sagt er, Figuren aus Holz, aus Draht, ein Schuppen voll mit persönlicher Flaschenpost, zu besichtigen bei stündlichen Führungen. Was wollen die Menschen wissen über diese Fülle? „Die sind so sprachlos“, antwortet Popp, „dass ihnen die Fragen fehlen.“ Es wird also offenkundig sehr wenig gefragt. Dabei verschweigt er nicht, dass er viel zu erzählen hätte. Sein Verständnis als Künstler ist das eines „Mahners, den Wahnsinn nicht länger mitzumachen“. Dass die Erde vermüllt, treibt ihn um, und dass Polkappen durch den Klimawandel schmelzen. Wahnsinn sei auch die Gleichgültigkeit der Menschen. Bei allem Unglück: Frank Popp, der „überzeugte und praktizierende Melancholiker“, will weitermachen.

Am kommenden Sonntag findet der zweite Teil des Atelierspaziergang mit 18 weiteren Künstlern statt.

Von Gunnar Menkens

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