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Hannover Das war der Zukunftstag in Hannover
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00:37 29.04.2018
Hannover, 26.04.2018: Schueler und Schuelerinnen probieren im Rahmen des Zukunftstags Berufe aus. Foto: Philipp von Ditfurth Quelle: Philipp Von Ditfurth
Hannover

 Natürlich etwas  Praktisches: Jule (11) baut zuhause in ihrem eigenen Keller gern mal etwas aus Holz und Glas. „Das Handwerkliche liegt mir“, sagt die Fünftklässlerin vom Gymnasium Sarstedt. Zusammen mit Jara (11) von der Waldorfschule am Maschsee, Marie-Sophie- (11) von der Albert-Einstein-Schule in Laatzen und Svea (12) von der Ludwig-Windthorst-Schule steht sie mit Hausmeister Klaus Teßmer im Keller des Regionshaues. Zusammen bauen sie kleine Holzkästchen mit LED-Lämpchen: „Deckel auf, Licht an, Deckel zu, Licht aus“, erläutert Teßmer das Prinzip.

An der Anna-Siemsen-Schule lernen die beiden Jungen am Donnerstagvormittag, wie man mit der Nähmaschine gerade Nähte zieht. „Das ist gar nicht so einfach“, findet Sebastian (11) von der Integrierten Gesamtschule List. Seine Mutter und Schwester könnten besser mit Nadel und Faden umgehen als er, aber er wolle das lernen.

Mal im Beruf des anderen Geschlechts 

Mädchen an die Werkbank, Jungen an die Nähmaschine – bei der Region Hannover können Kinder beim diesjährigen Zukunftstag ganz bewusst in Berufe hineinschnuppern, die vermeintlich eher vom anderen Geschlecht ausgeübt werden. „Schneidern ist in Deutschland ganz klar etwas für Frauen“, sagt Lehrerin Anja Schirring. In Syrien etwa sei das keineswegs so, da sei Schneider durchaus ein männlicher Beruf. Julia (26), die den Jungen an der Nähmaschine  die Handgriffe erklärt und die Anna-Siemsen-Schule besucht, hat erst vor zwei Jahren entdeckt, dass die Schneiderei ihre Leidenschaft ist. Am liebsten entwirft sie ihre eigenen Schnittmuster. 

Geschicklichkeit sei keine Geschlechterfrage, sagt auch Hausmeister Teßmer, eher eine Frage der Übung, leider würden heuzutage Jugendliche erst zu spät mit dem Handwerk beginnen: „Generation Gameboy und Handy.“

Ursprünglich hieß der Zukunftstag mal „Girls Day“ und sollte Mädchen die Gelegenheit geben, Männerjobs kennenzulernen. „Wir wollten mit unserem Angebot mal zurück zu den Wurzeln“, sagt Regionssprecherin Carmen Pförtner. Die 155 Mädchen und Jungen, die beim Zukunftstag bei der Region mitmachen, können aber noch ganz andere Dinge kennenlernen: die Küche, die Kommunikationsabteilung, die Verkehrsleitzentrale, die Feuerwehren oder auch eine Rallye quer durch die Behörde mit den 1500 Mitarbeitern machen.  

Bananen nähen im Kinderkrankenhaus

Das Kinderkrankenhaus Auf der Bult hat erstmals einen offiziellen Zukunfstag ausgerichtet –mit großem Mädchenüberschuss, 14 Mädchen und ein Junge dürfen hinter die Kulissen gucken. Kinderchirurg Hendrik Schäfer zeigt den Kindern anhand einer Banane wie man Wunden näht. Da ist Handarbeit gefragt, mit der Nähmaschine geht das nicht. Und die Neugeborenenstation besucht die Gruppe nachmittags dann auch noch.

 Wie wird man Justizministerin?

Von einer leibhaftigen Ministerin werden die 28 Schüler begrüßt, die ihren Zukunftstag im Justizministerium verbringen. „Wenn Ihr jemals gedacht haben solltet, ein Justizministerium sei langweilig, dann werdet Ihr heute Abend ganz bestimmt das Gegenteil denken", sagt Barbara Havliza (CDU). „Denn in der Justiz gibt es ganz viel spannende Berufe – sowohl für Mädchen als auch für Jungen."

Mit kleinen Versuchen erfahren die Kinder, wie schnell sich Menschen irren können und welche Schwierigkeiten dadurch bei Zeugenaussagen vor Gericht auftreten können. Der Landespräventionsrat stellt vor, wie Cyber-Mobbing im Schulalltag aussieht und wie man sich davor schützen kann. Etwas, was viele Schüler bestimmt aus eigener Erfahrung schon kennen. Und ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Celle zeigt einen Gefangenentransporter, führt den Umgang mit Handschellen vor und gibt Tipps zur Selbstverteidigung.

Rund 100 Kinder besuchen den Landtag auf Einladung der SPD-Fraktion, für die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Immacolata Glosemeyer, ist der Zukunftstag „ein Muss im Terminkalender“.

Einen Tag Zoo-Tierarzt oder Polizist

Im Zoo können Kinder mit einem Blasrohrpfeil ein Zebra in die Narkose schießen, aber kein echtes, sondern nur das aus einem Poster. Tierärzte stellen ihren Alltag mit Flußpferd und Löwen vor, ein Besuch im Futterlager gehört auch dazu.

Insgesamt 20 Schüler und zwölf Schülerinnen bekommenn in den Einrichtungen der Stephansstift Pflege und Seniorenwohnen gGmbH einen Einblick in die Altenpflege, sie basteln Maikränze und erleben im Altersimulationsanzug, wie man sich alt fühlt. In der Lehrwerkstatt des Wohnungsunternehmens Vonovia sehen zwölf Mädchen, dass Technischer Service und Werkzeuge nicht nur etwas für Männer ist.  

Sogar 720 Schüler dürfen sich einen Tag lang wie Polizisten fühlen, 200 von ihnen haben an der Zentralveranstaltung am Hauptdienstgebäude an der Waterloostraße teilgenommen, während sich die übrigen 524 Mädchen und Jungen an anderen Dienststellen zu Gast sind. Spurensicherung, Zellenbesuch, Vorführungen der Hunde- und Reiterstaffel – das Programm ist vielseitig. Für Polizeipräsident Volker Kluwe ist das auch „Nachwuchswerbung“. 

Von Saskia Döhner

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