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Hannover „Blindgänger werden zunehmend gefährlicher“
Nachrichten Hannover „Blindgänger werden zunehmend gefährlicher“
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14:32 24.05.2018
Im Mai 2017 fand Hannovers größte Bombenräumung statt. 50.000 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Quelle: Elsner
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Hannover

Thomas Bleicher, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen, erklärt im Interview, warum Bomben und andere Sprengmittel aus den beiden Weltkriegen zunehmend gefährlicher werden.

Herr Bleicher, in Dresden ist jetzt eine Bombe beim Versuch der Entschärfung explodiert. Wie gut lässt sich eine Entschärfung planen?

Im Vorfeld können wir nur feststellen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit eine Bombe im Boden liegt. Ob der Zünder sich leicht oder schwer herausdrehen lässt, können wir vorher nicht wissen. Die Art der Bezündung sehen wir erst, wenn wir die Bombe freigelegt und das Zündsystem von Erde befreit haben.

Wann ist eine Sprengung notwendig?

Bomben mit chemisch unterstütztem Langzeitzünder sprengen wir grundsätzlich. Da ist höchste Vorsicht geboten, auch weil sie über eine Ausbausperre verfügen. Aber auch bei anderen Bomben sind inzwischen häufig die Zünder festgerostet und lassen sich nicht mehr herausschrauben. In Niedersachsen nimmt die Zahl der kontrollierten Sprengungen vor Ort von Jahr zu Jahr zu, denn die Kampfmittel werden mit zunehmendem Alter gefährlicher.

Thomas Bleicher (rechts) zusammen mit Sprengmeister Marcus Rausch nach einer erfolgreichen Bombenentschärfung im Julie 2015 in Langenhagen. Quelle: Uwe Dillenberg

Wie viele Bomben müssen Sie sprengen?

Die Zahlen steigen fast jedes Jahr. Im Jahr 2010 haben wir in Niedersachsen 56 Kampfmittel vor Ort gesprengt. Neben Bomben gehören dazu unter anderem auch Handgranaten. 2013 hatten wir 174 Sprengungen, 2017 waren wir bei 271 kontrollierten Explosionen vor Ort.

Transportieren Sie auch noch Bomben aus Wohnvierteln aufs freie Feld, um sie dort zu sprengen?

Das machen wir nicht mehr, weil das Risiko zu groß geworden ist.

Zum Thema

Die Gefahr unter der Erde: Das Mulimedia-Dossier zu Blindgängern in Hannover.

Und wenn die Bombe in einem sehr dicht bebauten Gebiet liegt?

Wenn enorme Sprengschäden zu erwarten sind und das Risiko vertretbar erscheint, schneiden wir stark verwitterte Zünder mit einer speziellen Schneidtechnik per Wasserstrahl heraus. Das haben wir in der Altstadt Hannovers angewandt, weil eine Sprengung das Historische Museum beschädigt hätte.

Anwohner klagen dennoch über die Umstände, wenn sie ihre Wohnung oft über viele Stunden verlassen müssen.

Wir kommen um Evakuierungen nicht herum, denn es kann immer zu einer Explosion kommen. Wir müssen die Bevölkerung schützen. Und die Zahl der Evakuierungen wird zunehmen.

Wie bekommen Sie Anwohner dazu, das Gebiet vor einer Entschärfung oder Sprengung zu verlassen?

Wir können nur an die Bewohner appellieren, ihre Wohnung zügig zu verlassen. Denn wenn einzelne sich weigern, müssen Tausende länger in Turnhallen warten, weil sich alles verzögert. Leidtragende sind Senioren, die vielleicht irgendwann wieder ihre Medikamente brauchen, Berufstätige, die am nächsten Tag arbeiten und Kinder, die unausgeschlafen zur Schule gehen müssen.

Lässt sich ein Ende der Kampfmittelfunde absehen?

Nein. Wir entdecken auch noch Kampfmittel aus dem Ersten Weltkrieg und, fast wie Archäologen, Kanonenkugeln aus früheren Zeiten.

Von Bärbel Hilbig

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