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Hannover Tödliche Hundeattacke hätte verhindert werden können
Nachrichten Hannover Tödliche Hundeattacke hätte verhindert werden können
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19:47 09.04.2018
Von Tobias Morchner
Wie sieht die Zukunft von Hund "Chico" aus? Quelle: Dröse
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Hannover

Die tödliche Attacke eines Stafforshire Terriers auf eine Frau und deren 27 Jahre alten Sohn in Hannover hätte verhindert werden können. Die Stadtverwaltung räumte am Montag gravierende Fehler im Umgang mit dem Hund Chico ein. „Es ist kaum erklärlich, warum den Hinweisen, die uns vorlagen, nicht nachgegangen worden ist“, sagte Hannovers Ordnungsdezernent Axel von der Ohe.

Am 4. März 2011 habe die Stadt einen Hinweis vom Amtsgericht über die Gefährlichkeit des Hundes erhalten, der vom gesetzlichen Betreuer der Familie stammte. Zudem lag der Stadt laut von der Ohe ein psychiatrisches Gutachten vor, wonach der Sohn nicht in der Lage gewesen ist, sich um das Tier zu kümmern. Außerdem gab es die Stellungnahme einer Hundetrainerin.

Der Halter hätte Chico am 15. März 2011 bei der Stadt vorstellen müssen. „Das ist nicht erfolgt“, sagte von der Ohe. Deshalb sei die Verwaltung weiterhin davon ausgegangen, dass der Hund gefährlich ist. „Der Halter hätte demnach das Tier nicht weiter besitzen dürfen.“ Dem Mann hätte der Hund also entzogen werden müssen. „Die Umsetzung dieses Vorhabens ist allerdings nicht erfolgt“, so von der Ohe.

Die betroffenen Mitarbeiter des Veterinäramtes seien teilweise noch bei der Stadt beschäftigt. Sie müssen mit arbeits- und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Man habe Kontakt mit der Staatsanwaltschaft aufgenommen, sagte der Ordnungsdezernent. Die Stadt nimmt den Fall auch zum Anlass, alle Altfälle zu prüfen. Noch ist ungewiss, wie lange dies dauern wird.

Ist der Hund krank?

Eine Tierärztin der Stadt hat Chico inzwischen untersucht. Der Hund habe eine „schmerzhafte Umfangsvergrößerung am Kiefer“, was auf einen Tumor hindeuten könnte. „Ansonsten ist er wohlgenährt, er kann fressen und bekommt Medikamente gegen die Schmerzen“, sagte Christiane Mehl, die Leiterin für Veterinärangelegenheiten.

Noch ist nicht geklärt, ob der Hund eingeschläfert wird. Gespräche mit dem Tierheim seien aufgenommen worden. Experten und Veterinärbehörde sollen einbezogen werden. Noch sei nicht klar, wann die Prüfung abgeschlossen ist. Klar sei, dass ein konventionelles Tierheim nicht der richtige Ort für den Hund sei.

Livestream zur Pressekonferenz zu Hund Chico

Wie geht es weiter mit Staffordshire-Terrier Chico? Die Stadt Hannover äußert sich zu der tödlichen Beißattacke - im Live-Video seht ihr die komplette Pressekonferenz.

Gepostet von Hannoversche Allgemeine Zeitung / HAZ am Montag, 9. April 2018

Der Rechtsanwalt der drei hinterbliebenen Schwestern des getöteten Mannes übt Kritik am Vorgehen der Stadt. „Juristisch gesehen sind Hunde wie Gegenstände zu behandeln, also sind meine drei Mandantinnen die Erben des Tieres und somit die einzigen, die überhaupt entscheiden können, was mit Chico passieren soll“, sagte Strafverteidiger Andreas Hüttl. Er zeigte sich verwundert darüber, dass die Stadtverwaltung bislang nicht einmal den Versuch unternomen habe, ihre Pläne mit den Hinterbliebenen abzustimmen. Zudem sei ihnen daran gelegen, die Versäumnisse bei der Stadtverwaltung vernünftig aufzuklären. „Es geht ihnen nicht darum, jemanden bei der Verwaltung einen reinzuwürgen, sie wollen nur, dass so etwas nicht noch einmal passiert“, sagt Hüttl.

Der Staffordshire-Terrier-Mischling „Chico“ hatte am Dienstag voriger Woche seine 52 Jahre alte, im Rollstuhl sitzende Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn totgebissen. Dieser sei der Halter des Hundes gewesen, bei der Anschaffung des Tieres vor Jahren sei eine Sachkundeprüfung noch nicht erforderlich gewesen.

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