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Hannover Piwi-Weine sind unkaputtbar – und schmecken immer besser
Nachrichten Hannover Piwi-Weine sind unkaputtbar – und schmecken immer besser
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00:17 30.10.2018
Wiebke Krüger hat es von Hannover an den Neckar verschlagen – wo sie nun ihre eigenen Reben züchtet. Quelle: Samantha Franson
Hannover

 „Meine Eltern haben mich schon als Kind durch zahlreiche Weingüter geschleift“, erzählt Wiebke Krüger – und lacht. Denn offenbar sind die Bemühungen dieser Eltern auf fruchtbaren Boden gefallen: Inzwischen hat die 31-Jährige, die in der hannoverschen Oststadt aufwuchs und an der Sophienschule ihr Abitur ablegte, die Studiengänge „Internationale Weinwirtschaft“ und „Weinbau und Önologie“ in Geisenheim erfolgreich absolviert und ist nun in Laufen (nahe Heilbronn) als Jungwinzerin tätig. Dieses Wochenende war sie mal wieder in ihrer Heimatstadt, um Privates und Berufliches zu verbinden: Im Hannover Congress Centrum (HCC) ist Sonnabend und Sonntag (jeweils von 11 bis 18 Uhr) die Weinmesse „Baden-Württemberg Classics“ zu Gast, und auch Wiebke Krüger stellt ihre flüssigen Schätze hier zur Schau.

Rund 60 Weingüter und Winzergenossenschaften sind in der Glashalle des HCC zu finden. Die Aussteller kommen vom Bodensee und aus dem Taubertal, von Badischer Bergstraße und Kaiserstuhl. An den Ständen darf verkostet – und natürlich auch gekauft – werden, was sich viele Besucher nicht zweimal sagen lassen. Damit die Weinmesse die Unfallzahlen auf den Straßen der Region nicht in die Höhe schnellen lässt, bekommen mit Bus und Bahn anreisende Gäste bei Vorlage ihres Großraum-Tickets fünf Euro Rabatt auf den Eintrittspreis von 15 Euro.

Wiebke Krüger und ihrem Freund Tobias Hirschmüller reichte es nicht, Wein anzubauen und bei einer Genossenschaft abzuliefern. Also mieteten sich die zwei – mit elterlicher Unterstützung – eine Halle, kauften Presse, Holzfässer und Tank. „Wir haben 2013 mit 0,6 Hektar angefangen, jetzt sind wir bei vier“, berichtet die 31-Jährige. Weil die Erlöse noch nicht zum Leben reichen, ist sie auch noch anderswo beschäftigt, etwa als Wein-Einkäuferin einer Supermarktkette. „Das Leben als Weinbauer ist nicht so romantisch, wie viele denken, aber es bringt auch eine Menge Spaß“, sagt die junge Frau.

Direktvertrieb an Stammkunden

„Unkaputtbar“ steht auf auf den Kontessa- und Regent-Flaschen des Weinguts Gemmrich aus Beilstein. „Das sind unsere pilzwiderstandsfähigen Rebsorten“, erläutert Chefin Petra Gemmrich. Die sogenannten Piwi-Weine, die Mehltau und anderen Pilzerkrankungen qua Züchtung den Garaus machen, führten viele Jahre ein Mauerblümchendasein, da ihr Geschmack sehr eigen war. Dank der guten Forschungsarbeit von Weinbauinstituten finden aber auch Piwi-Weine immer mehr Liebhaber. „Und in guten Jahren brauchen wir überhaupt nicht spritzen“, erklärt die 53-Jährige.

Das einzige Bioweingut, das im HCC zu finden ist, steht unter der Obhut von Bertram Isele aus Achkarren. „Rund um unsere Weinstöcke wachsen viele verschiedene Pflanzen, damit die Böden geschont werden und wir die Artenvielfalt von Fauna und Flora fördern“, sagt der 47-jährige Winzer. Das entscheidende Stichwort ist Biodiversität, und in seinen veganen Weinen finden sich auch keine Zusatzstoffe wie Gelatine, Eiklar oder Kasein. „Außerdem ernten wir wegen der Vorzüge der Nachtkühle nur vormittags“, ergänzt Isele. 90 Prozent seiner Kaiserstuhl-Weine von Cabernet Blanc bis zum Gewürztraminer verkauft er im Direktvertrieb an Stammkunden. Sein Anbaugebiet umfasst nur vier Hektar, „und größer werden will ich auch nicht“. Auskömmlich für die ganze Familie ist das Geschäft aber nur mithilfe eines Zusatzverdienstes: Bertram Isele vermietet drei Ferienwohnungen an Menschen, die den Wein und seine Landschaften lieben.

Von Michael Zgoll

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