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Hannover Neue Rezepte für den Biobäcker Doppelkorn
Nachrichten Hannover Neue Rezepte für den Biobäcker Doppelkorn
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09:42 19.02.2018
Von Gunnar Menkens
„Wertegemeinschaft vom Acker bis zum Kunden“: Der neue Eigentümer Friedrich Dieter vor der Doppelkorn-Filiale an der Limmerstraße. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Es war Zufall, dass der Unternehmer Friedrich Dieter vom Niedergang der traditionsreichen Biobäckerei Doppelkorn erfuhr. Eine Außendienstmitarbeiterin seines in Ibbenbüren angesiedelten Unternehmens Steinofenbäcker besuchte einen Kunden, als auf der anderen Seite der Limmerstraße in Linden die Doppelkorn-Zentrale gerade den ersten Tag geschlossen war. Völlig überraschend.

Kundenzahl und Umsatz stabil

Als ein Insolvenzverwalter eingesetzt war, bat Dieter um ein Gespräch. Man traf sich in Bremen, und bald war der Unternehmer überzeugt, er sah eine Perspektive für Doppelkorn und kaufte. „Wenn ein Betrieb seit 30 Jahren am Markt ist, dann muss er einen Wert haben“, sagt der 53-Jährige nun bei Milchkaffee und Kuchen im rustikalen Café der Filiale Limmerstraße. Kundenzahl und Umsatz seien stabil, an Wachstumschancen von Bioprodukten glaubt Dieter sowieso. Die Insolvenz führt er auf „Managementfehler“ zurück.

Nach chaotischen Monaten sind sieben Filialen des Biobäckers seit beinahe zwei Wochen wieder geöffnet. Dass Käufer von Bioprodukten bereit sind, für Qualität mehr auszugeben, bestätigt sich seither in den Geschäften. Das meistverkaufte Brötchen im Angebot ist zugleich das teuerste, das Stück kostet 1,29 Euro. Den Betriebswirt Dieter überzeugt dies in seiner Einschätzung. „Bei Bioerzeugnissen ist nicht der Preis das Entscheidende, sondern Geschmack und Glaubwürdigkeit.“ Den Preis machen Qualität der Rohstoffe und die Art ihrer Verarbeitung aus. Glaubwürdigkeit entstehe durch eine „Wertegemeinschaft, die vom Acker bis zum Kunden reicht“.

Dafür braucht er nicht unbedingt Gütesiegel und Zertifikate, ob sie nun Bioland oder Demeter heißen. Dieter lässt an seinem Selbstbewusstsein keinen Zweifel, wenn er sagt, er wisse, dass er es richtig mache in seinen Unternehmen: „Ich brauche keinen Dritten, der mir unsere Werte und Qualitäten bestätigt.“ Und der dafür nicht wenig Geld verlange, hinter Gütesiegeln stünden Interesse von Organisationen. Doppelkorn solle „eine Qualitätsbäckerei bleiben, mit den besten Bio-Rohstoffen die es gibt, handwerklich verarbeitet und transparent“. Gespräche mit Bioland, sagt Dieter, führe er derzeit dennoch.

Läden sollen moderner werden

Im Unternehmen will der neue Besitzer Friedrich Dieter in nächster Zeit einiges ändern. „Moderner, frischer, offener“ soll es werden, und er will Strukturen vereinfachen, was bedeutet: wirtschaftlicher werden. Die Küche in der Lindener Filiale ist schon stillgelegt, Waren wie Quiche, Suppen und Bratlinge kommen nun aus Ibbenbüren vom Steinofenbäcker. An Kunden will Dieter nur noch ab einer Mindestbestellmenge liefern, um nicht wegen zehn Brötchen einmal durch die Stadt fahren zu müssen. Ein großer Teil der täglichen Brötchen kommt in Zukunft ebenfalls aus Ibbenbüren vom Steinofenbäcker, als Rohlinge, die in Hannovers Filialen gebacken werden. Die Doppelkorn-Bäckerei in Laatzen soll für Brot und Brötchen erhalten werden. Im Betrieb will Dieter klare Verantwortlichkeiten schaffen.

Mietvertrag hintertrieben?

Eine Auseinandersetzung bei Doppelkorn steht wohl bevor. Dieter wirft einigen wenigen Mitarbeitern vor, den Ruf der Bäckerei diskreditiert zu haben, als sie öffentlich in Frage stellten, ob Doppelkorn ein echter Biobetrieb bleibe. Sie hätten im Sinn gehabt, die Filiale Limmerstraße selbst zu betreiben und hätten seinen Mietvertrag dort hintertrieben. „Von mir bezahlte Leute übrigens. Mir fehlt die Fantasie, auch im Interesse der übrigen 70 Beschäftigten, mit diesen Leuten weiter zu arbeiten.“

Fahndung nach früherem Eigentümer läuft

Die Behörden fahnden weiter nach dem ehemaligen Doppelkorn-Besitzer Manuel P. Der Unternehmer, in Hannover bekannt durch Sneakers-Läden, ist abgetaucht, seit die Bäckerei in Schwierigkeiten geriet. P. hatte den Betrieb im April von Gründer Manfred Dust nach dessen Aussage für einen symbolischen Euro gekauft, im Gegenzug wollte P. alte Darlehen übernehmen. Laut Staatsanwaltschaft Hannover sucht die Polizei nicht mit einer öffentlichen Fahndung, es werden also keine Fotos ausgehängt. Die Fahndung ist auf den Schengen-Raum begrenzt.

Unterdessen läuft das Insolvenzverfahren gegen den alten Doppelkorn-Betrieb. Bis zum 21. Dezember muss der Insolvenzverwalter beim Amtsgericht Hannover einen Prüfbericht vorlegen. Darin werden Vermögenswerte aufgelistet und die Forderungen der Gläubiger addiert. 

   

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