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Hannover Fahrverbote: Das müssen Autofahrer jetzt wissen
Nachrichten Hannover Fahrverbote: Das müssen Autofahrer jetzt wissen
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22:27 27.02.2018
Stau in der Friedrich-Ebert-Straße während des Berufsverkehrs.  Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Vor drei Jahren waren Stickoxide noch etwas für Experten. Aber seit im Abgas-Skandal herauskam, dass viele Diesel mehr davon ausstoßen, als sie sollten, beschäftigt das gesundheitsschädliche Gas Autofahrer, Autobauer, Gerichte und Politiker. Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig wird es nun immer wahrscheinlicher, dass bald die ersten Städte Straßen für ältere Diesel sperren, um die Luft sauber zu bekommen. Das Wichtigste im Überblick:

Was heißt das Urteil für Hannover?

Für Hannover hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts weitreichende Folgen. Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) rechnet damit, dass die Stadt ein Fahrverbot für Dieselautos verhängen muss, und zwar für den gesamten Bereich der heutigen Umweltzone. Ausnahmen sollen unter anderem für Handwerksunternehmen gelten. Schostok geht davon aus, dass die Diesel-Verbotszone in einem „gestuften Verfahren“ wirksam wird. Das bedeutet: Zunächst wird nur Dieselautos mit Euro-Norm-4-Motor die Einfahrt in die City verwehrt, später auch Fahrzeugen der Euro-5-Klasse. Das wird aber nicht vor September 2019 sein. Von der Sperrung einzelner belasteter Straßen rät der OB ab. Der Verkehr verlagere sich dann nur auf Nebenstraßen. „Der Druck war noch nie so groß wie jetzt“, sagt Schostok. Die Reaktionen auf das Urteil.

Wie lassen sich Fahrverbote kontrollieren? 

Das hängt davon ab, ob es eine Kennzeichnung von Fahrzeugen gibt, die künftig als sauber gelten. Die blaue Plakette würde saubere Diesel und Benziner ausweisen, bisher aber ist sie nicht eingeführt. Die für den rollenden Verkehr zuständige Polizei hat angekündigt, keine Kapazitäten für Kontrollen zu haben, die für den ruhenden Verkehr zuständige Stadt sieht sich dazu ohne neue Plakettenregelung auch nicht in der Lage. Allerdings ist das Argument „Das kann doch keiner kontrollieren“ stets auch etwas an den Haaren herbeigezogen. So ist es etwa verboten, ohne TÜV-Plakette zu fahren – aber keine Behörde überprüft gezielt das Einhalten dieser Regelung. Wer aber bei zufälligen Fahrzeugkontrollen ohne TÜV-Siegel erwischt wird, muss hohe Bußgelder fürchten – weshalb sich Autofahrer in der Praxis an die Regelung halten, in den geforderten Abständen ihre Autos überprüfen zu lassen. Auch bei den neuen Alkoholverboten in Bahnen und Stadtbahnen hieß es jahrelang, das sei nicht kontrollierbar – jetzt funktioniert es prächtig.

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Wer führt jetzt Fahrverbote ein?

Zahlreiche Städte kommen in Frage: Messstellen in München, Stuttgart und Köln wiesen die schlechtesten Werte 2017 aus. Auch in Hannover werden die Grenzwerte überschritten. Zu den 37 Städten, deren Grenzwert-Überschreitung für das vergangene Jahr schon jetzt sicher ist, gehören aber auch kleinere, etwa Reutlingen, Heilbronn, Darmstadt, Limburg an der Lahn oder Tübingen. Die Werte hat das Umweltbundesamt veröffentlicht. In Hamburg müssen Autofahrer in wenigen Wochen mit Diesel-Fahrverboten rechnen. An zwei viel befahrenen Straßen im Hamburger Stadtteil Altona-Nord soll es Durchfahrtsbeschränkungen geben, kündigte Umweltsenator Jens Kerstan nach dem Urteil an.

Wen das Urteil trifft, ist offen

Klar ist, dass Benziner mit Stickoxiden keine Probleme haben. Denkbar wäre, in bestimmten Straßen gar keine Diesel zuzulassen oder nur solche, die der neuen EU-Abgasnorm Euro 6d entsprechen. Das wäre allerdings kaum zu kontrollieren, wenn es keine Kennzeichnung, etwa eine „blaue Plakette“, gäbe. Die bisherigen Umweltzonen mit den roten, gelben und grünen Plaketten zur Feinstaub-Reduzierung sehen Ausnahmen vor - etwa für Traktoren, Krankenwagen oder Oldtimer. Auch in Hannover wurde bereits über die Einführung einer blauen Plakette diskutiert.

Welchen Diesel kann ich jetzt noch kaufen?

Um auf der sicheren Seite zu stehen, rät der ADAC , nur noch Dieselfahrzeuge mit einem Euro-6d-Temp-Motor zu kaufen. „Modelle verschiedener Autohersteller mit solchen Motoren sind seit Oktober 2017 im Handel“, sagt Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen. Alle anderen Motoren könnten von Fahrverboten betroffen werden. Ältere Dieselautos zu verkaufen werde derzeit immer schwieriger, der Werteverfall insbesondere bei Euro-5-Motoren sei sehr hoch. „Die Kunden sind verunsichert, wir bekommen etliche Anfragen“, sagt Rettig. Sie rate von Panik-Verkäufen ab und empfehle jedem Diesel-Halter abzuwarten. Auch Käufe von E-Autos sollten gut überlegt werden. „Ich kann Familien, die oft mit dem Auto in den Urlaub fahren, nicht empfehlen, einen E-Golf zu erwerben“, sagt die ADAC-Sprecherin.

Die Luft ist sauberer geworden

Die neueste Diesel-Generation ist sauberer, die Städte tun schon einiges für ihre Luft, Software-Updates verbessern die Abgasreinigung von Millionen Autos, und der Diesel-Anteil bei Neuwagen-Käufen ist deutlich zurückgegangen. All das zeigt Wirkung. An vielen Messstationen sind die Stickoxid-Werte 2017 deutlich niedriger ausgefallen als 2016, wie das Umweltbundesamt auflistet. Nur: Es reicht eben noch nicht. Schätzungen zufolge dürften 70 Kommunen weiterhin zu hohe Werte haben, noch liegen nicht alle Daten vor.

Entwicklung der Stickstoffdioxid-Emissionen im Straßenverkehr nach Verkehrsmitteln Quelle: dpa-infografik

Die Gesundheitsgefahr ist real

 Experten des Umweltbundesamts haben viele Studien zur Gefahr von Stickoxiden ausgewertet. Trotz einer nach eigenen Angaben sehr vorsichtigen Rechnung kam heraus: Mindestens 6000 Menschen im Jahr sterben in Deutschland vorzeitig alleine an Herz-Kreislauf-Krankheiten, die von Stickoxid ausgelöst werden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch Schlaganfälle, Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD sowie Diabetes durch Stickoxide ausgelöst oder verschlimmert werden können. Die EU, die anders rechnet, geht von 10.400 vorzeitigen Todesfällen aus.

Was machen andere Länder?

Natürlich ist Deutschland keine Insel, was die Luftverschmutzung angeht. Überall in Europa plagen sich Städte mit dem Problem. Auffällig: In anderen Ländern steht der Autoverkehr stärker im Fokus. So kämpfen andere Städte gegen die Luftverschmutzung. 

Hardware-Nachrüstungen sind nicht vom Tisch

Die Autohersteller weigern sich bislang, Dieselfahrzeuge nachhaltig nachzurüsten, denn das würde Umbauten und Zusatzeinbauten an den Motoren erfordern, was viel Geld kostet. Offizielle Begründung ist, dass zum Beispiel für benötigte Harnstofftanks bei manchen Wagen gar kein Platz sei und dass überdies Nachrüstungen neue Betriebserlaubnisse erfordern würden, deren Genehmigung bis zu zwei Jahre dauert. Letzteres stimmt – und ist ein Beleg dafür, dass die Autoindustrie besser schon vor zwei Jahren hätte handeln sollen, statt jetzt zu jammern. 

Aber was ist mit dem ADAC-Nachrüstungstest? 

Tatsächlich hat der ADAC in der vergangenen Woche nachgewiesen, dass sich mit technischen Hardwarenachrüstungen der Stick­oxidausstoß auch älterer Dieselfahrzeuge um mehr als die Hälfte reduzieren lässt. Kosten: zwischen 1500 und 3000 Euro pro Wagen. Allerdings dürften die Kosten erheblich sinken, wenn solche Systeme in Serienfertigung gingen. 

Von dpa/ewo

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