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Hannover Bankole erhält Bundesverdienstkreuz
Nachrichten Hannover Bankole erhält Bundesverdienstkreuz
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15:42 04.12.2018
Duz-Freude: Abayomi Oluyombo Bankole (links) und Innenminister Boris Pistorius. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Willy Brandt hat ihm beim Deutschlernen geholfen. Abayomi Oluyombo Bankole schaltete den Fernseher am liebsten ein, wenn der damalige Bundeskanzler im Plenarsaal debattierte. „Er hat schön langsam und deutlich gesprochen, und ich habe das nachgeplappert“, erinnert sich Bankole. Mit beeindruckendem Erfolg: Nach nur drei Monaten beherrschte der Mann aus Nigeria, der 1972 nach Deutschland geflohen war, die deutsche Sprache so weit, dass er sich verständlich machen konnte. Mehr Zeit wollte ihm die Ausländerbehörde allerdings auch nicht lassen. „Sonst hätten sie mich zurückgeschickt.“

So beginnt Bankoles Geschichte in dem Land, in dem er seit 46 Jahren lebt. Dem Land, das ihm jetzt das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement für Integration und Völkerverständigung verliehen hat. Im Auftrag des Bundespräsidenten überreichte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius am Dienstag die Auszeichnung. „Mir wird fast schwindelig vor so viel Lob“, sagte Bankole, der seine Tränen nicht zurückhalten konnte. „Ich habe den Menschen nur das zurückgegeben, was ich empfangen habe – ich bin auf offene Herzen und offene Arme gestoßen.“ Und damit meint er vor allem die Hannoveraner. Denn die meiste Zeit seines Lebens hat der heute 71-Jährige in dieser Stadt verbracht.

Leicht war der Start nicht. In Nigeria war Bankole Pilot, hier hielt er sich als Taxifahrer über Wasser. Doch er ging seinen Weg trotz aller Widerstände, wurde Versicherungskaufmann und machte sich selbstständig. „ Ein typisch deutscher Beruf“, wie Pistorius schmunzelnd anmerkte. Es genügte Bankole aber nicht, das eigene Leben zu meistern. Er begann, sich ehrenamtlich für andere Afrikaner und Migranten zu engagieren – weil er deren Probleme aus eigener Erfahrung kannte.

Von 1998 bis 2005 war er Vorsitzender der Nigerian Community Hannover. 2007 gründete er den Afrikanischen Dachverband Norddeutschland (ADV Nord) – mit dem Ziel eines offenen Dialogs zwischen allen Kulturen. Noch immer ist Bankole der Verbandsvorsitzende. 2008 initiierte er das Projekt Kicken gegen Vorurteile; seitdem gibt es in Kooperation mit der Polizeidirektion und der Stadt Hannover jährliche Fußballturniere, an denen Afrikaner, Deutsche und alle anderen Nationen teilnehmen. Das 2011 vom ADV Nord gegründete und von Bankole geleitete Projekt Lernen für die Zukunft bietet Kindern mit und ohne Migrationshintergrund Nachhilfeunterricht an. Auch in vielen Gremien, Vereinen und Verbänden, die sich um Integration bemühen, ist der 71-Jährige Mitglied. Unter anderem arbeitete er im städtischen Integrationsrat und im niedersächsischen Beirat für Migration und Teilhabe mit.

Berührungsängste kennt Netzwerker Bankole nicht. Als Pistorius 2013 Minister wurde, schrieb er diesem einen Brief. „Ich möchte Sie gern kennenlernen“, stand darin. Heute duzen sich die beiden. Für Pistorius ist der Bundesverdienstkreuz-Träger, der die deutsche und nigerianische Staatsbürgerschaft hat, zu einem wichtigen Berater in Integrationsfragen geworden. Bankole stehe als „Synonym für eine weltoffene, tolerante und von Zusammenhalt geprägte Gesellschaft“, sagte Pistorius.

Bei all dem Lob schlug der Geehrte auch kritische Töne an. Vom ADV Nord angebotene Deutschkurse für Flüchtlinge seien gefährdet, weil die Stadt die Zuschüsse gekürzt habe, erklärte er während der Feierstunde. Es werde nun schwierig, die Räume zu finanzieren. „Und Sprache“, betonte Bankole, „ist der Schlüssel zur Integration.“

Von Juliane Kaune

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