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Hannover Eigentümer lassen Roma-Haus zwangsweise räumen
Nachrichten Hannover Eigentümer lassen Roma-Haus zwangsweise räumen
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00:15 22.10.2017
Von Jutta Rinas
„NIcht ohne Gefährdung und Belästigung zu erreichen“: Das Haus an der Celler Straße wird von mehreren Roma-Familien bewohnt. Foto: von Ditfurth Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Nach Angaben des Anwalts der Eigentümer, Wolfgang Senholdt, gibt es Räumungsklagen gegen fünf weitere Familien, dazu kämen illegal in dem Haus lebende Roma, die man möglicherweise nur mithilfe der Polizei aus dem Haus entfernen könne. Mit der nächsten Vollstreckung rechnet der Anwalt in etwa vier Wochen.

Die Eigentümer des Hauses erhoben Mittwoch gegenüber der HAZ schwere Vorwürfe gegen ihre Mieter. Nicht genug damit, dass die Roma-Familien seit Längerem keine Miete mehr zahlten. Sie stießen Morddrohungen gegen Handwerker aus und kämen mit dem Messer auf sie zu, wenn diese versuchten, das Haus zu betreten. Der Briefträger liefere wegen der Missstände keine Post mehr aus.

Tatsächlich heißt es in einem Schreiben der Deutschen Post vom 22. September 2017 an die Bewohner, die „andauernden, menschenunwürdigen Verhältnisse vor Ort“ machten eine Zustellung unmöglich. Die Briefträger könnten die Briefkästen „nicht ohne Gefährdung und Belästigung“ erreichen. Um „weitere Gefahren oder mögliche Verletzungen“ zu vermeiden, hielte man die Post jetzt zur Abholung in einer Filiale bereit. Das Schreiben liegt der HAZ vor. Die Mitarbeiter des Kommunalen Sozialdienstes (KSD), die die Familien vor Ort betreuen, kamen nach Angaben der Stadt aber problemlos ins Haus und konnten auch ohne Probleme mit den Familien sprechen.

Die Eigentümer beklagen, dass Müll, den die Roma durch die Fenster entsorgten, Ungeziefer anziehe. So habe man es derzeit mit Schaben zu tun. Dazu komme, dass die Roma das vor ihrem Einzug frisch renovierte Haus verschandelt hätten. Nach Kenntnis der HAZ war die Schrottimmobilie im Juli 2017 in einem erbarmungswürdigen Zustand. Es gab Schimmel an den Wänden, die Fußböden waren stellenweise aufgerissen, Kabel hingen aus den Wänden. Im Bad fehlte Licht, die Heizung war kaputt. Einzelne Zimmer wurden zudem von Familien bewohnt. Die Stadt hatte den Vermieter mehrfach aufgefordert, Mängel zu beseitigen.

Die beiden „möblierten Wohnungen“, die Mittwoch geräumt wurden, hatte nach Angaben eines Amtsgerichtssprechers offiziell jeweils ein Paar gemietet. Die Eigentümer hatten gegen beide wegen ausstehender Mieten geklagt. Zu den mündlichen Verhandlungen sei niemand erschienen. Nach Aktenprüfung sei dem Anspruch der Vermieter stattgegeben worden.

Die Räumung fand zwischen 9.15 und 9.45 Uhr statt. Anwesend seien ein Gerichtsvollzieher, der Anwalt der Eigentümer und die Polizei gewesen. Die Räumung sei „sehr ruhig und völlig problemlos“ vonstatten gegangen. Die Mieter hätten ihre wenige Habe in Tüten selbst hinausgetragen. Allerdings habe man bei der Gelegenheit mehrere Haftbefehle vollstreckt. Nach Angaben der Polizei entgingen die Betroffenen der drohenden Haftstrafe, weil sie eine ausstehende Geldstrafe bezahlten.

Die beiden zwangsgeräumten Familien fanden nach Angaben der Stadt eine Bleibe. Eine bekam vom KSD einen Platz in der Notunterkunft an der Alten Peiner Heerstraße zugewiesen. Die Mutter der zweiten Familie sei mit einem Kind in der Anlaufstelle für Obdachlose in Ahlem untergekommen. Der Rest ihrer Familie soll sich bei Verwandten in Berlin aufhalten.

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