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Hannover Kein Grippeimpfstoff mehr in Hannovers Apotheken
Nachrichten Hannover Kein Grippeimpfstoff mehr in Hannovers Apotheken
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00:15 06.12.2018
„Im Moment ist nichts mehr vorrätig“: Apothekerin Constanze Linz von der Leibniz-Apotheke zeigt den leeren Kühlschrank, in dem normalerweise der Grippeimpfstoff aufbewahrt wird. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Johannes Hoffmann ist in Sorge. Der 85-Jährige wollte sich in der vergangenen Woche gegen Grippe impfen lassen – aber das war nicht möglich. Seinem Arzt war der Impfstoff ausgegangen und bestellter Ersatz nicht lieferbar. Der Mediziner bat den Senior, sich das Serum in der nächstgelegenen Apotheke mit einem Rezept selbst zu besorgen und erneut in die Praxis zu kommen. Ohne Erfolg: „Ich habe sechs Apotheken abgeklappert, aber überall hieß es, es werde keine Nachlieferungen mehr geben“, berichtet Hoffmann. „Dabei gehöre ich doch in meinem Alter zur Risikogruppe und müsste mich eigentlich impfen lassen.“

Eine solche Odyssee wie der Rentner aus dem Sahlkamp hinter sich hat, sei keine Seltenheit, sagt Mathias Grau. „Die Impfstoffe sind allesamt vergriffen, es gibt kaum noch Apotheken, die welche haben“, erklärt der Vize-Vorsitzende des Landesapothekerverbandes Niedersachsen. Schon vor gut vier Wochen war das landesweite Lieferproblem, das Hannover in besonderem Maße betraf, bekannt geworden. Seitdem habe der zuständige Hersteller zwar versucht, „die größten Brandherde zu löschen“ und weitere Impfchargen auszuliefern, erklärt Grau. Aber der Bedarf sei nicht gedeckt, die Nachfrage bleibe hoch.

Viele Menschen lassen sich offenbar impfen

„Die Arztpraxen fordern bei uns nach, aber wir haben kein Serum mehr“, bestätigt Ina Bartels, die in der List die Wilhelm-Raabe-Apotheke und in Wettbergen die Johannes-Apotheke betreibt. Ähnlich sieht es in der Leibniz-Apotheke in der Georgstraße aus. „Im Moment ist nichts mehr vorrätig“, erklärt Apothekerin Constanze Linz. „Wir hatten wieder mit den Mengen aus den Vorjahren kalkuliert – aber dieses Jahr wollen sich offenbar besonders viele Menschen impfen lassen.“ Möglicherweise liege das daran, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen erweitert habe, für welchen Personenkreis eine Grippeimpfung sinnvoll ist, meint Linz. Hinzu komme, dass in dieser Saison auch Kassenpatienten den Vierfachimpfstoff auf Rezept erhalten. Im vergangenen Jahr übernahmen die Kassen nur die Kosten für den weniger wirksamen Dreifachimpfstoff – und die Impfbereitschaft war geringer.

Eine Lösung des Problems ist zumindest in Aussicht gestellt. Das Gewerbeaufsichtsamt habe jüngst eine Sondergenehmigung erteilt, damit niedersächsische Apotheken baldmöglichst wieder mit dem Vierfachimpfstoff beliefert werden können, erklärt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Die Apotheker könnten nun direkt bei dem Impfstoffhersteller Mylan ihre Chargen ordern. Bisher waren sie auf den Großhandel angewiesen – der direkte Weg soll den Prozess beschleunigen. Die nun bereitgestellten Dosen waren ursprünglich für das EU-Ausland vorgesehen.

Verteilung soll besser organisiert werden

Bis Anfang November hatte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 15,7 Millionen Dosen Grippeimpfstoff für ganz Deutschland freigegeben – rund eine Million mehr als im Jahr zuvor. Eigentlich müssten diese Mengen reichen. Doch offenbar gab es in diesem Jahr eine deutlich größere Nachfrage als prognostiziert. So musste sogar Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Vorgaben lockern: Die Apotheken können nun direkt bei den Herstellern bestellen, statt den Impfstoff über den Großhandel zu beziehen. Zudem werden wegen der Engpässe fortan auch Produkte geliefert, die eigentlich für das EU-Ausland bestimmt waren.

In Niedersachsen komme hinzu, dass die Impfdosen teilweise falsch verteilt wurden, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN). Einige Arztpraxen hätten sehr viel bestellt, sodass sich bei anderen Lieferungen verzögert hätten. Zudem könne einer der drei großen niedersächsischen Hersteller in dieser Saison überhaupt keinen Grippeimpfstoff mehr liefern. Ziel sei es, die Bestellung für die Ärzte künftig besser zu organisieren, sagt Haffke. Im Januar seien Gespräche mit den Krankenkassen und dem Apothekerverband geplant. Laut KVN wurden im vergangenen Jahr in Niedersachsen 1,1 Millionen Dosen verimpft. Dies war in etwa die Grundlage für die Bestellungen in der diesjährigen Saison. jk

Verbandsvertreter Grau bleibt skeptisch. Es seien von Mylan zwar 100 000 zusätzliche Impfdosen zugesagt worden, aber diese würden bundesweit verteilt, gibt er zu bedenken. Denn auch in anderen Bundesländern wie Bayern, Hessen oder Sachsen sind teils drastische Impfstoffengpässe aufgetreten. Wie viele der Chargen tatsächlich bei den niedersächsischen Apotheken ankommen, sei noch ungewiss, sagt Grau: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Mitten in der laufenden Impfsaison sei schwer einzuschätzen, wie viele Dosen an welchen Standorten tatsächlich am dringendsten gebraucht würden.

Apothekerin Linz hat ihre Bestellung beim Hersteller bereits aufgegeben. Sie hat noch einmal ein Drittel der Margen geordert, die in dieser Saison bereits ausgegeben wurde. „Wir hoffen“, sagt sie, „dass jetzt wirklich schnellstmöglich die Mengen geliefert werden, die wir brauchen.“

Von Juliane Kaune

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