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Hannover Das war der Entdeckertag der Region Hannover
Nachrichten Hannover Das war der Entdeckertag der Region Hannover
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00:19 12.09.2018
Die Musical Factory Hannover rockte die Regionsbühne mit Szenen aus dem Musical„Blues Brothers“. Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Am Entdeckertag platzt die Region Hannover aus allen Nähten. Dann reicht sie sogar bis Peine, Alfeld, Stadthagen und Faßberg. Und wollte man nun alle 30 Orte im Umkreis von 80 Kilometern rund ums hannoversche Rathaus abklappern und sich alle Aktionen im Umland plus die 200 Stände und sieben Bühnenprogramme mit Musik, Theater oder Poetry Slam in der hannoverschen Innenstadt anschauen – dann müsste der Entdeckertag so lang sein wie ein mittlerer Jahresurlaub. Weil er aber nur zehn Stunden währt, mussten sich die 225.000 Besucher – diese Zahl verkündete die Region am Sonntagabend – entscheiden. Und so schlenderte denn die Hälfte von ihnen bei überaus angenehmen Spätsommer-Temperaturen über dem Festboulevard zwischen Kröpcke und Aegi.

An manchen Ständen lassen sich Dinge entdecken, die einer breiten Öffentlichkeit bislang noch verborgen geblieben sind. Die elektrischen Einräder etwa, auch Monowheels genannt, die Robin Henning über seine in Lehrte ansässige Firma R.C.H. Mobility vertreibt. Zunächst erkennt man gar nicht, dass es sich bei den runden Flundern um ein Fortbewegungsmittel handelt, mit Elektroantrieb und Akku im Inneren. Mit einem 500-Watt-Motor fährt solch ein Reifen mit Klapptritten bis zu 22 Kilometer pro Stunde schnell (Kostenpunkt 600 Euro), mit einem 1800-Watt-Motor erreicht das rasende Rad Tempo 45 – und kostet pro Watt einen Euro. Dieses Modell hat dann aber auch einen kleinen Scheinwerfer, eine Rückleuchte und Bluetooth-Lautsprecher eingebaut. „Es dauerte zwei Wochen, bis ich damit sicher unterwegs war“, erzählt der 29-jährige Ingenieur. Seine Mitarbeiterin Christina Jancke (30) ist offenbar ein Gleichgewichts-Wunder. „Ich habe nur zwei Stunden gebraucht“, sagt sie. Lacht. Und düst ein paar Meter über den Bürgersteig.

Nichts für den Massenmarkt

Tauglich für den Massenmarkt sind die Monowheels allerdings noch nicht: Ihnen fehlt eine Straßenzulassung, sie dürfen also nur auf Privatgelände oder in Hallen gefahren werden. „In Dänemark, Frankreich oder Österreich sind sie zugelassen, bei uns in Deutschland nicht“, klagt Henning. Er hofft, dass im November aber wenigstens E-Scooter – elektrisch betriebene Roller – eine Straßenzulassung bekommen. Die hat er genauso in seinem Verkaufsprogramm wie Segways oder elektrische Roller.

Auch auf der Sportlermeile zwischen Baringstraße und Aegi, wo unternehmungslustige Regions-Entdecker an 37 Stationen einen Sport-Führerschein ablegen können, gibt es seltsame Stationen. Floorball. Slackline. Oder Pass den Ball. Die Generation Brennball kommt hier schon mal ins Grübeln. Speedstacking am Stand des Turn-Klubbs zu Hannover (TKH) kann man aber ganz schnell lernen. Und auch gleich spielen, auf einem Tisch und bar jeglicher Kondition. Es gilt, zwölf Plastikbecher in möglichst kurzer Zeit zu vorgegebenen Mustern aufzutürmen und wieder zusammenzustapeln. Marlene aus Braunschweig ist erst vier, sie gibt alles, braucht aber 49 Sekunden. Leon Wagner, der beim TKH gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und hinter dem Tresen steht, hat die drei Pyramiden dagegen in nur zwölf Sekunden auf- und abgebaut. „Und manche schaffen das sogar in vier“, weiß der 18-Jährige.

Quidditch ist ein wildes Ringen

Sehr speziell kommt auch Quidditch daher, präsentiert von Swooping-Evils-Team der SG 74 aus Herrenhausen. Da normal Sterbliche anders als die Harry-Potter-Protagonisten nicht auf Besen fliegen können, haben sich die Quidditch-Fans eigene Regeln ausgedacht. Vivien Twyrdy (23) und Nadja Nidzwetzki (19) bemühen sich nach Kräften, das Zusammenspiel von Jägern und Treibern sowie die Besonderheiten von Quaffels und Schnatz zu erklären. Doch so schnell versteht das kein Mensch. „Es ist eine Mischung aus Handball, Rugby und Völkerball“, hilft Niklas Koller (29) schließlich aus. Das wilde Ringen wird von Teams mit sieben Spielern verschiedenen Geschlechts bestritten. „Und es gibt derzeit in ganz Deutschland nur 44 Teams, die in sechs Ligen spielen“, ergänzt Vivien Twyrdy.

So viel ist nach diesem wuseligen Tag auf der Georgstraße gewiss: der Entdeckertag trägt seinen Namen ganz zu Recht. Doch wer dieses Mal vielleicht nur zehn Ständen seine Aufmerksamkeit schenken konnte, sei auf das nächste Jahr verwiesen. Am 8. September 2019 hat die Region den nächsten Entdeckertag anberaumt – und dann kann man ja das nächste Dutzend Infostände oder Spiel-und-Spaß-Aktionen in Angriff nehmen.

Von Michael Zgoll

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