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Hannover Es funktioniert: 800 Gymnasiasten ausgelagert
Nachrichten Hannover Es funktioniert: 800 Gymnasiasten ausgelagert
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00:15 24.10.2017
Von Saskia Döhner
In einem Gebäude, aber trotzdem zwei eigenständige Schulen: Die Direktoren Michael Schneemann und Wencke Hedderich. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Bis dahin wird ihr Stammhaus am Franziusweg für 34 Millionen Euro rundum saniert. Die unteren Klassen (Jahrgänge 5 bis 7) werden weiterhin in der Nebenstelle am Herrenhäuser Markt unterrichtet.

Zuerst gab es blankes Entsetzen

Anfangs war Goetheschulen-Schulleiter Michael Schneemann vom Vorschlag der Stadt nicht begeistert, komplett in eine andere Schule umzuziehen. „Meine erste Reaktion? Blankes Entsetzen“, sagt er. Mittlerweile sei er davon überzeugt, dass es die beste Lösung sei. „Eine Sanierung bei laufendem Schulbetrieb hätte sich über zehn Jahre hingezogen, so ist es eine Sache von zwei Jahren.“ Und die Stadt spare auch noch 2 Millionen Euro unnütze Kosten, weil sie keine Container auf- und wieder abbauen müsse.

Wencke Hedderich vom Gymnasium Limmer findet, dass sich die beiden Schulen unter einem Dach organisatorisch gut eingerichtet haben. Man habe das ja auch mehr als ein Jahr lang vorbereitet. Auf einmal 800 Schüler und 100 Lehrer mehr im Gebäude zu haben, sei natürlich eine große Umstellung gewesen: „Im ersten Jahr hatten wir so ein Bullerbü-Gefühl, das ist jetzt weg.“

Viel Begegnung gibt es im Schüleralltag allerdings nicht. Die einen starten um 8 Uhr, die anderen um 8.10 Uhr; die einen unterrichten im 95-Minuten-Block, die anderen im 60-Minuten-Takt; gegessen wird zu unterschiedlichen Zeiten, pausiert ebenfalls. Die Schüler werden in unterschiedlichen Gebäudeteilen unterrichtet, die Goetheschüler im sogenannten Turm. Abiturient Mark (19) stöhnt etwas über das „Treppensteigen in den fünften Stock“, denn die Schüler dürfen die Aufzüge nicht benutzen. Trotzdem spielen die Jüngeren auf dem Hof gemeinsam Fußball, und dem Vernehmen nach werfen Sechstklässlerinnen aus dem Gymnasium Limmer gelegentlich ein Auge auf attraktive ältere Goetheschüler - und die sonnen sich vermutlich im Umfeld der vielen jungen Mädchen.

Problem Handynutzung

Doch es gibt auch Konfliktpotenzial. Im Gymnasium Limmer gilt generell Handyverbot. An der Goetheschule gab es für ältere Schüler Zonen, in denen sie ihr Smartphone benutzen durften. Großer Protest deswegen sei aber ausgeblieben, sagt Schulleiter Schneemann. Wohl auch deshalb, weil man in dem Gebäude ohne WLAN-Zugang auch gar nicht ins Internet kommt.

Die Pädagogen des Gymnasiums Limmer haben ihr Lehrerzimmer für die Kollegen aus der Goetheschule freigemacht und treffen sich jetzt in der früheren Schulbuchausleihe. „Wir können als junge Schule von den Erfahrungen der erfahrenen Kollegen profitieren“, sagt Hedderich. Dennoch legen beide Schulen Wert darauf, dass sie ihr eigenes pädagogisches Profil behalten. „Das ist auch gut so“, sagt Schneemann. „In Hannover gilt in der Schullandschaft die alte Regel, dass man nicht das anbietet, was der Nachbar macht.“

Deutlich längere Anfahrtswege

Wegen der Auslagerung haben viele Kinder von der Goetheschule im Franziusweg längere Wege. Achtklässlerin Sabrina (13), die in Seelze-Dedensen wohnt, braucht jetzt 40 statt 20 Minuten. Besonders betroffen sind diejenigen, die in der Siedlung Schwarze Heide wohnen. Der Schülertransport klappe noch nicht so wie versprochen, kritisiert Schulleiter Michael Schneemann. Die Region habe zugesagt, zur ersten Stunde zwei und zur zweiten Stunde einen Bus fahren zu lassen. Tatsächlich werde aber nur jeweils ein Bus eingesetzt, der schon jetzt völlig überfüllt sei. Noch kämen viele Gymnasiasten mit dem Rad zur Schule, sagt Schneemann. Wenn es kälter werde, könne es zu chaotischen Szenen kommen. Man sei aber mit der Region in Verhandlungen. Die konnte dies am Freitag nicht näher kommentieren.

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