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Hannover Urnengräber bringen Hannovers Friedhöfe in finanzielle Not
Nachrichten Hannover Urnengräber bringen Hannovers Friedhöfe in finanzielle Not
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00:19 10.11.2018
Ein Grab auf dem Herrenhäuser Friedhof. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Oberkirchenrätin Erika Merten ist mit einem Talent für griffige Formulierungen gesegnet, auf das sie auch bei todernsten Themen zurückgreift. Geht es um wirtschaftliche Nöte kirchlicher Friedhöfe, sagt die Referatsleiterin der evangelischen Landeskirche prägnant: „Nicht nur die Kirche muss im Dorf bleiben, sondern auch der Friedhof.“ Spricht sie über Musikauswahl bei moderneren Trauerfeiern in Gotteshäusern, ahnt Merten, dass es unter christlichen Dächern Grenzen von Gestaltungsfreiheit geben wird: „Bei Stücken wie ’Highway to hell’ wird es kritisch.“

Die Friedhöfe der evangelischen Kirchengemeinden haben ein ökonomisches Problem. Der Trend zu kleineren und damit preisgünstigeren Urnengräbern ist ungebrochen, der Unterschied zu einer Sargbestattung beträgt dabei meist einige Hundert Euro. Im Sprengel Hannover entscheiden sich inzwischen etwas mehr als die Hälfte der Menschen für Urnen. 1990 dominierte noch die klassische Trauerfeier mit Sarg, nicht selten in der Familiengrabstätte, diese Form wählten damals fast 87 Prozent. Die Entwicklung habe in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen, beobachtete die Oberkirchenrätin.

Konkurrenz machen der Kirche zudem nicht nur kommunale Friedhöfe, sondern auch die wachsende Beliebtheit von Friedwäldern. Erika Merten vermutet, dass die Abschaffung des Sterbegeldes, „damals rund 2100 Mark“, den „trendy“ Wunsch zum Urnengrab ebenso beschleunigt habe wie der verbreitete Wille, Hinterbliebenen Grabpflege nicht zuzumuten. Für Kirchengemeinden bedeutet dies in der Summe: weniger Einnahmen und absehbar höhere Kosten, weil nicht benötigte Friedhofsflächen gepflegt werden müssen.

Die evangelische Landeskirche will dieser Entwicklung mit besseren Angeboten begegnen und ihr Friedhofsgeschäft aktuellen Marktbedingungen aussetzen. Ein Informationsblatt mahnt bereits eindringlich: „Wer sein Angebot als Friedhofsträger der veränderten Nachfrage nicht anpasst, wird einen deutlichen Nachfragerückgang erleben.“ Gebührenerhöhungen könnten eine „wirtschaftliche Abwärtsspirale“ nicht aufhalten, weil es auf dem Bestattungsmarkt ausreichend konkurrierende Angebote gebe.

Also soll es auf den oft großzügig angelegten Anlagen evangelischer Kirchengemeinden mehr pflegefreie Grabstellen geben, darunter etwa naturnahe Gräber unter Friedhofsbäumen. Grabstellen können in ökologisch blühender und wertvoller Umgebung stehen statt als triste Schotterbetter am Wegesrand. Trauerfeiern könnten Wünsche Verstorbener berücksichtigen, individueller solle es zugehen und freier von Reglementierungen.

Kirchengemeinden dürfen ihren Friedhofsetat nicht mit Kirchensteuern finanzieren, er muss aus dem Gemeindehaushalt ausgeglichen werden. Oft helfen Ehrenamtliche bei der Friedhofsarbeit, was Gemeinden Geld spart. Die Frage ist, wie lange dieses Modell noch funktioniert. Martin Lahmsen, Sachgebietsleiter für Friedhofsangelegenheiten bei der Landeskirche, sagt mit Blick voraus: „Es geht darum, den Erhalt kirchlicher Friedhöfe zu sichern.“

Von Gunnar Menkens

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