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Hannover Verkehrsdezernent will weniger Parkplätze und engere Straßen
Nachrichten Hannover Verkehrsdezernent will weniger Parkplätze und engere Straßen
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00:19 29.11.2018
Rad- und Autofahrer: Wer bekommt wie viel Platz auf den Straßen Quelle: Boris Roessler/dpa
Hannover

“Für die Verkehrswende in Hannover ist mehr Mut erforderlich“, hatte Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region, kürzlich vor allem mit Blick auf die Landeshauptstadt gefordert. Dafür hat er sich neben Zustimmung auch einiges an Kritik anhören müssen und auch damit gerechnet, wie er sagt. Seine Forderung sei als eine Art Weckruf an die Politik zu verstehen gewesen. „Das Interesse an einer Verkehrswende in der Bevölkerung ist da, viele sind da weiter als die politisch Verantwortichen“, sagt Franz. Unter dem Titel „Verkehrswende – aber wie?“ ist das Thema am Dienstagabend im Regionshaus diskutiert worden.

Auf dem Podium saßen außer Franz Hannovers Baudezernent Uwe Bodemann, die Leiterin des Fachbereichs Verkehr der Region, Elke van Zadel, der Verkehrswissenschaftler Prof. Carsten Sommer von der Universität Kassel, Christian Bebek von der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie Eberhard Röhrig-van der Meer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC); die Moderation hatte HAZ-Redakteur Conrad von Meding übernommen. Im Zuhörerraum wurde es eng, einige der knapp 300 Interessierten mussten den Abend im Stehen verbringen.

Regionsdezernent Ulf-Birger Franz wirbt für die Verkehrswende – am Montagabend bei einem gut besuchten Diskussionsabend im Regionshaus. Quelle: Nancy Heusel

Anlass für den Appell zu mehr Mut von Franz waren jüngst veröffentlichte Zahlen des Bundesverkehrsministeriums, wonach der Anteil von öffentlichem Nah- und Radverkehr in der Stadt Hannover am Gesamtverkehr nicht wie gewünscht steigt, sondern seit 2011 stagniert. „Der Autoanteil liegt immer noch bei 36 Prozent“, erläuterte van Zadel. Das sei im bundesweiten Vergleich gar nicht mal schlecht, liege aber hinter den selbst gesteckten Zielen – sowohl bei der Verkehrsaufteilung und als Folge auch beim Klimaschutz.

„Auch die Stadt ist mit den Zahlen zur Verkehrsentwicklung nicht zufrieden“, sagte Bodemann. Hannover müsse etwas tun, dies werde auch angegangen. Der Dezernent verwies auf die Beschlüsse der Ratsmehrheit zum Haushalt, die unter anderem höhere Parkgebühren, Anwohnerparkplätze in den Gründerzeitvierteln und mehr Investitionen in Radverkehr vorsehen. „Wir geben bald zehn Euro pro Einwohner für Radverkehr aus, das ist das Niveau von Amsterdam“, erklärte er. ADFC-Vertreter Röhrig-van der Meer erkannte das durchaus an. „Hannover bewegt sich, aber noch nicht entschlossen genug“, schränkte er ein.

Was von Wien zu lernen ist

Österreichs Hauptstadt Wien gilt allgemein als anerkanntes Vorbild, wenn es darum geht, eine Verkehrswende anzupacken. „Sie machen dort seit 20 Jahren nachhaltige Verkehrspolitik“, sagt Prof. Carsten Sommer, Verkehrswissenschaftler an der Universität Kassel. Das Resultat: Der Auto-Anteil ist von 37 Prozent zur Jahrtausendwende auf 27 Prozent im Jahr 2015 zurückgegangen.

Schlagzeilen hat Wien gemacht, als dort ein Jahresticket für Busse und Bahnen zum Preis von 365 Euro eingeführt wurde und diskutiert wurde, ob das auch ein Modell für Hannover sein könnte. „Das Ticket allein ist nicht der Erfolgsfaktor“, sagt Sommer. Zwar seien mehr Jahreskarten verkauft worden, aber die Fahrgastzahlen seien insgesamt nur in geringem Ausmaß gestiegen.

Das Wiener Modell zeichnet sich laut Sommer durch eine Vielzahl von miteinander verknüpften Maßnahmen aus. Dazu zählen die stetige Erweiterung des Bus- und Bahnnetzes, die Ausweitung der gebührenpflichtigen Parkzonen auch in innenstadtfernere Bereiche, eine Anhebung der Parkgebühren um 67 Prozent und der Rückbau von Verkehrsflächen für das Auto zugunsten anderer Verkehrsarten. Geld aus Parkgebühren fließt in Nahverkehr und Radwege.

Wien zeichnet auch aus, dass sich die Stadt nicht nur Ziele steckt, sondern sie auch konsequent umsetzt“, betont Sommer. Dafür seien Stadt- und Verkehrsplanung eng verzahnt worden. Außerdem gebe es ein konsequentes Monitoring über die Verkehrsentwicklung, aus dem man dann ableiten könne, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Franz forderte, öffentliche Flächen umzuverteilen – heißt für ihn vor allem den Rückbau von Parkflächen und auf ausgewählten Straßen auch den Verzicht auf Fahrspuren, wenn denn mehrere davon pro Richtung zur Verfügung stehen. „Diese Flächen könnte man Nahverkehr und Radverkehr geben“, sagte Franz. So wäre es zum Beispiel möglich, weitere Buslinien in die Innenstadt zu verlängern.

Die IHK sieht die Diskussion um die Parkplätze kritisch, wie Bebek betonte. „Sie sind in Hannover nicht so schlecht ausgelastet, wie immer behauptet wird“, sagte er und verwies darauf, dass etwa ein Drittel des Autoverkehrs in Städten Parksuchverkehr sei. Es sei erforderlich, Investitionen in alle Verkehrsarten zu tätigen.

Das Publikum konnte Fragen per E-Mail stellen. Eine häufiger gestellte war, ob denn Stadt und Region bei der Verkehrsplanung intensiver zusammenarbeiten wollen als bisher. Genau das wollen sie tun, versprachen die beiden Dezernenten Bodemann und Franz.

Von Bernd Haase

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