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Hannover Andre Weinand stellt in Hannover neuen Weltrekord im Treppenlauf auf
Nachrichten Hannover Andre Weinand stellt in Hannover neuen Weltrekord im Treppenlauf auf
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10:37 22.02.2018
17.2.2018 , Treppen-Marathon im Annastift im 2018 , FOTO: Florian Petrow : Quelle: Florian Petrow
Hannover

 Horst Liebetruth ist ein Enthusiast, vermutlich selbst einer der größten Fans eines ungewöhnlichen Sportes: des Treppenlauf-Marathons. Die diesjährige, 4. Treppenlauf-Weltmeisterschaft in Hannover im Annastift hat er organisiert – wie auch schon die drei davor. Dass das Treffen der Extremsportler sein Baby ist, merkt man schon morgens um 8 Uhr früh, als er kurz nach dem Start der 22 Teilnehmer höchstpersönlich unten im Keller am Start der Laufstrecke steht und aufpasst, dass jede Runde jedes einzelnen Teilnehmers sorgsam in die Listen an der Wand eingetragen wird. „Die Nummer 18 ist durch“, „die Nummer 1“, „Nummer 5“, schallt es durch das Treppenhaus, während wieder und wieder für ein paar Sekunden die Silhouette eines Treppenläufers sichtbar wird. „Super Jungs“ ruft Liebetruth oder erläutert den Umstehenden, wer da gerade die Treppen herunter kommt. Die Startnummer 2, Jan Bergmann, habe das erste Rennen in Hannover überhaupt gewonnen, sagt er. Man merkt: Liebetruth liebt nicht nur den Sport. Er kennt und liebt auch seine Leute.

13 Stockwerke, immer hoch und wieder herunter, das ist die Aufgabe, die die Teilnehmer zu bewältigen haben. Ein gut trainierter Mensch habe schon mit einem einzigen Durchgang zu kämpfen, sagt Liebetruth. Die Treppenläufer an diesem Sonnabend müssen die Strecke genau 194 Mal bewältigen. Warum? Die knapp 84.000 Stufen entsprechen genau 42,192 Kilometern in der Vertikalen, also der Marathondistanz. 

Warum tut man sich das an? Warum läuft man statt eines Marathons schlicht die Treppen eines Krankenhauses rauf und wieder herunter. Für die 50-jährige Carmen Henker stellt sich die Frage nicht. Sie ist eine von vier Frauen am Start. Sie könne nicht viele Worte um die Faszination des Treppenlaufs machen, sagt sie: „Man liebt es oder man hasst es“, sagt sie schlicht. Extra aus Dresden angereist ist die Arzthelferin, die auch schon Langstrecken in den Bergen gelaufen ist. Ihr Ziel? „Ankommen.“ Beim letzten Hannover-Marathon ist ihr das noch nicht geglückt.  Diesmal klappt es: Henker kommt nach 13 Stunden 30 Minuten ins Ziel. Marc Aschmann, Praxismanager, ist aus Stuttgart angereist, um sich in Hannover im Treppenlaufen zu messen. Der 49-jährige Extremsportler liebt die körperliche Verausgabung.  Ist es nicht verrückt, statt in der freien Natur  in einem engen Treppenhaus zu laufen? „Was ist schon verrückt?“, fragt Aschmann gelassen zurück. Verrückt sei es beispielsweise auch, ein 1,2 Kilogramm schweres XXL-Schnitzel zu verdrücken. „Das hier ist wenigstens gesund.“ Noch Monate nach so einem Lauf erinnere er sich an Momente, in denen er mit seinem Körper eins gewesen sei, sagt der Mann, der „unzählige Marathons“ und 2017 einen 214 Kilometer langen Geländelauf mitgemacht hat. „Das ist schieres Glück.“

Horst Liebetruth würde wohl jedes der Worte Aschmanns unterschreiben. Wichtig ist ihm aber auch, dass die Treppenläufer sich für einen guten Zweck quälen. Der Schweizer Jörg Rickli beispielsweise mobilisiert seine Freunde für jede seiner „Annastift-Besteigungen“ 20 Euro für die Erweiterung des Diakovere Uhlhorn Hospizes um zwei Familienzimmer und ein Tageshospiz 20 Euro zu spenden.  Nach 100 Runden bricht er das Rennen aus gesundheitlichen Gründen ab. Dennoch: 2600 Euro hat er nach Angaben einer Diakovere-Sprecherin für das Hospiz „erstiegen“. Untrainierte Anfänger an diesem Tag im Annastift überdies nichts zu suchen. Die Teilnehmer aus ganz Europa haben allesamt schon häufiger solche Läufer absolviert und sind von einem Sportarzt untersucht worden.

„Die Belastung ist viermal so hoch wie bei einem normalen Marathon“, sagte Veranstalter Liebetruth. Maximal 15 Stunden haben die Läufer Zeit, die vielen Treppen zu bewältigen. Der neue Weltmeister dieses Treppenlaufs, Andre Weinand, schafft die Strecke am Ende in neuer Weltrekordzeit: 10 Stunden und 13 Minuten. Zweiter wird Petru Muntenasa in 10 Stunden und 55 Minuten. Als dritte kommt eine Frau, Gabriele Hirsemann aus Hildesheim, ins Ziel. Vorjahressieger Johannes Schmitz wird diesmal Fünfter.

 

Von Jutta Rinas

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