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Hannover Freispruch für vermeintlichen Bombenbauer
Nachrichten Hannover Freispruch für vermeintlichen Bombenbauer
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11:40 04.12.2018
Der Fahrkartenautomat war nach der Explosion nicht mehr zu gebrauchen. Quelle: Archiv
Hannover

 Am 27. März dieses Jahres, frühmorgens um 3.38 Uhr, knallte es an der Langenhagener S-Bahn-Station Pferdemarkt. Ein Fahrkartenautomat war mittels einer Rohrbombe gesprengt worden. Beute machten der oder die Täter nicht, denn durch die Detonation wurde das im Automaten deponierte Geld mittels einer Farbkartusche unbrauchbar gemacht; der Sachschaden jedoch betrug rund 30.000 Euro. Am Dienstag nun musste sich am Amtsgericht Hannover ein 26-jähriger Deutsch-Italiener wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten. Doch das Schöffengericht unter Vorsitz von Reinhard Meffert sprach den bereits mehrfach wegen Drogenhandels verurteilten Döhrener frei. Verteidiger Philipp Kaiser hatte den einzigen Hinweis, der auf eine Täterschaft des 26-Jährigen hinwies, seiner Bedeutung beraubt.

Die Ermittler hatten am Tatort ein etwa 20 Zentimeter langes Rohrstück und ein braunes, zweiadriges Lautsprecherkabel gefunden. Dies war offenbar zum Zünden der simpel gestrickten Bombe verwendet worden – und auf diesem Kabel entdeckten die Spezialisten der Polizei DNA-Spuren des Döhreners. Ende August wurde der Verdächtige festgenommen, nach einem Tag Untersuchungshaft aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Wie Anwalt Kaiser vor Gericht erklärte, gehörte das Kabel zu einer defekten Stereoanlage seines Mandanten. Irgendwann im März habe dieser die Anlage vor die Tür seines Mietshauses in Döhren gestellt, versehen mit einem Zettel „Zum Mitnehmen“. Damit habe er sich den Weg zum Wertstoffhof sparen wollen. Auf diesem Weg, so die Schlussfolgerung, müsse der wahre Täter an das Lautsprecherkabel mit den genetischen Spuren des 26-Jährigen gekommen sein.

Folgenlose Durchsuchung

Das Gericht folgte den Anträgen von Staatsanwältin und Verteidiger, die beide auf Freispruch plädiert hatten. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten habe man keine Sprengstoffspuren oder Bombenbau-Materialien gefunden, so Richter Meffert, es seien am Tatort keine Fingerabdrücke von ihm entdeckt worden und sein Handy sei in jener Nacht in Langenhagen nicht aktiv gewesen. Natürlich könne man den Verdacht hegen, dass der 26-Jährige die Geschichte mit der entsorgten Stereoanlage nur erfunden habe – doch widerlegen könne man sie ihm nicht.

Als misslich bezeichnete es Meffert, dass der Verteidiger erst in der Verhandlung mit der Erklärung herausrückte, dass das Lautsprecherkabel offenbar von jemand anderem als Zündhilfe verwendet wurde; wäre diese Einlassung früher gekommen, hätte man keine Verhandlung anberaumen müssen. Statt ins Gefängnis zu wandern – dies wäre dem unter Bewährung stehenden Angeklagten bei einer Verurteilung sicher nicht erspart geblieben – bekommt der Döhrener nun 25 Euro Entschädigung für den in U-Haft verbrachten Tag ausgezahlt.

Von Michael Zgoll

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