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Hannover Region will alle Fahrradfahrer zählen
Nachrichten Hannover Region will alle Fahrradfahrer zählen
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00:15 06.08.2018
Der Zähler läuft: Hemmingens Bürgermeister Claus-Dieter Schacht-Gaida und Regionspräsident Hauke Jagau rollen als die Ersten über den Fahrradfahrer-Zähler im Hemminger Gewerbegebiet. Quelle: Mario Moers
Hannover

Sie zählen Zweiräder und kosten soviel wie ein Mittelklassewagen. Vier fest installierte Messstationen, jeweils eine in jeder Himmelsrichtung der Region, dokumentieren seit Wochenbeginn den Radverkehr im Umland. Platziert an Kreisstraßen in Burgwedel, Harenberg, Ilten und Hemmingen sollen die Geräte langfristig dokumentieren wie sich der laufende Ausbau des Radwegenetzes auf die Nutzerzahlen auswirkt. Fahren tatsächlich mehr Menschen mit dem Fahrrad, wenn der Radweg zwischen Thönse und Engensen gebaut ist? Oder ist die Neubaustrecke zwischen Devese und Ronnenberg tatsächlich ein voraussehbares Steuergrab, wie der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch beklagt?

Radrevolution im Umland?

Seit 2017 läuft in der Region der Aufbau des sogenannten Vorrangnetzes für den Alltagsradverkehr. Was sich sperrig anhört, ist dem Konzept nach nicht weniger als eine Revolution des Radfahrens auf dem Lande. Lückenlos befahrbare Strecken entlang der zentralen Verbindungen zwischen Dörfern und Zentren sollen den (Rad-)Weg zum Bekannten im Nachbarort, zum Shopping in das nächste Zentrum oder zum Bäcker erleichtern. Auch für Pendler soll der Umstieg auf das Zweirad so attraktiver werden. Insgesamt rund 790 Kilometer umfasst das fertige Netz – rund 95 Millionen Euro kostet es. Zum Beginn des Programms sind allerdings lediglich 145 Kilometer problemlos befahrbar. Nur 2,5 Kilometer wurden bisher aus- oder neugebaut. Verlässliche Zahlen, welche Strecken viel befahren oder gemieden sind, sind bislang ebenso Mangelware. Die Zähler sollen helfen, das zu ändern. Induktionsschleifen im Boden zählen jeden Nutzer, der mit allen beiden Rädern darüber rollt. Passanten können die täglichen und jährlichen Zahlen auf einem Display sehen. Zusätzliche, punktuelle Messungen an anderen Standorten ergänzen die Daten. „Die Messstellen sind eine Auflage des Förderprogramms, dass eine Auswertung und wirksame Öffentlichkeitsarbeit fordert“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Spätestens bis 2021 wird die Region nachweisen müssen, ob die 8,3 Millionen Fördergeld, die bis dahin aus Bundesmitteln für den Klimaschutz in neue Strecken, Fahrrad-Schutzstreifen, umgebaute Ortsdurchfahrten und Fahrradständer investiert wurden, sinnvoll angelegt sind. 125 000 Euro kosten allein die Zählstationen. 87 500 Euro davon sind Fördermittel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Ortsdurchfahrten und Schutzstreifen

„Mit dem Vorrangnetz ist ein wichtiger Anfang gemacht. Bis es komplett ist, dauert aber vermutlich Jahrzehnte“, sagt der Vorsitzende des Allgemeinen-Deutschen-Fahrrad-Clubs (ADFC) in der Region, Ronald Brandt. „Es ist toll, dass ich sonntags schon komfortabel zum Steinhuder Meer fahren kann, aber jetzt werden auch die Strecken abseits der Freizeitrouten ausgebaut“, sagt er. In der Praxis sind die vorhandenen Freizeitradwege und die geplanten Alltagsstrecken Teil eines integrierten Gesamtnetzes. „Da bewegt sich was im Umland“, sieht Brandt ein Jahr nach dem Start Fortschritte. Insbesondere der sukzessive Umbau von insgesamt 63 Ortsdurchfahrten bringt für Radfahrer spürbare Veränderungen. Im Bereich Burgwedel werden dieses Jahr nach und nach die Durchfahrten durch Engensen, Wettmar, Kleinburgwedel und Thönse umgebaut. In keinem dieser Dörfer gibt es aktuell Radwege, die der Straßenverkehrsordnung gerecht werden. Häufig teilen sich Radfahrer und Fußgänger einen Gehweg. Künftig weisen vielerorts gestrichelte Schutzstreifen mit Radpiktogramm den Fahrradfahrern einen eigenen Bereich der Fahrbahn zu. Laut verkehrswissenschaftlichen Erkenntnissen ist diese, bei Radfahrern nicht unbedingt beliebte, Variante sicherer als der Gehweg.

Steuerzahlerbund: „Überflüssig“

Während der Ausbau des Vorrangnetzes im Umland an vielen Baustellen sichtbar ist, wurde er überregional bisher vor allem durch eine Beschwerde des Steuerzahlerbunds wahrgenommen. Der geplante Neubau eines Radwegs zwischen Devese und Ronnenberg wurde als „überflüssig“ kritisiert. Die Strecke kostet voraussichtlich 800 000 Euro. Parallel wird von der Stadt Hemmingen allerdings eine von Radfahrern seit Langem genutzte Verbindung für 40 000 Euro instand gesetzt. Der Naubau kommt trotzdem, voraussichtlich noch dieses Jahr. Freude bereitet das Vorrangnetz dagegen Radfahrern in Großgoltern. Dort wird die Hauptstraße vor dem Zeitplan saniert und fahrradtauglich gemacht, weil die Arbeiten als Teil des Vorrangnetzes nun förderfähig sind.

Von Mario Moers

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