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Hannover Jäger gehen mit Greifvögeln auf die Pirsch
Nachrichten Hannover Jäger gehen mit Greifvögeln auf die Pirsch
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12:30 04.11.2018
Ungewöhnliche Beifahrererin: Falkonier Orlik Frank mit seinem Wüstenbussardweibchen Kira. Es startet manchmal direkt aus dem Autofenster zum Jagdflug. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Die Graugänseschar am Ufer des Hemminger Strandbades ahnt nicht, was da gleich über sie kommen wird. Falkonier Orlik Frank aus dem Westerwald hat sich ihnen langsam auf etwa 30 Meter genähert. Auf seinem behandschuhten Arm macht sich El Cid, kurz Ciddy genannt, startklar. Der zweijährige amerikanische Wüstenbussard schwingt sich auf, schießt auf die Gänse los und packt sich eine von ihnen. Die Gans, geschätztes Gewicht drei Kilo, wehrt sich nach Kräften gegen den 650 Gramm leichten Bussard. Zieht sie El Cid ins Wasser, wird es lebensgefährlich für ihn. Orlik Frank läuft deshalb über die Wiese und schreit dabei. Er will jetzt schnell sein, denn der Bussard kann die Gans nicht töten. Frank müsste es selbst mit dem Messer tun. Bevor er aber den Kampfplatz am Ufer erreicht, hat sich die Gans befreit und fliegt davon. Zurück bleibt ein leicht abgekämpfter, nasser El Cid. „Das war es für ihn für heute“, sagt Orlik Frank, als er den Bussard wieder auf seinem Handschuh sitzen hat. Mit durchnässtem Gefieder kann der Greifvogel nicht jagen.

Ähnliche Szenen wie diese haben sich am Sonnabend an vielen Orten in der Region abgespielt. Der Orden deutscher Falkoniere hat am Wochenende seine Jahrestagung im Leonardo Hotel am Tiergarten abgehalten. Rund hundert von ihnen sind aus dem gesamten Bundesgebiet gekommen, haben Falken, Habichte und Bussarden mitgebracht. Auch ein Adler ist dabei. Ein Jagdtag gehört zum Programm. Weil nicht alle an einem Ort unterwegs sein können, haben sie sich verteilt – am Kronsberg etwa, in der südlichen Leinemasch, in Hemmingen und Laatzen und weiter nördlich bis hinauf ans Steinhuder Meer. Es geht auf Hasen, Kaninchen, Fasane, Gänse, Tauben, Rabenkrähen und Elstern. „Wegen des trockenen Sommers ist viel Wild da“, sagt Hannovers Stadtjäger Heinz Pyka. Er gehört zu denjenigen, die die Falkoniere durch die Reviere führen.

„Wir sind Jagdkameraden, aber der Vogel entscheidet immer allein, was er will. Er ist nicht in dem Maße gehorsam wie etwa ein guter Jagdhund“, beschreibt Frank das Verhältnis zwischen Mensch und Greif. Sein zweiter Vogel, das zweijährige Bussardweibchen Kira, scheint an diesem Tag nicht hundertprozentig motiviert zu sein. Eine Krähe kann so entkommen, Kira bricht den Anflug ab. „Sie war nicht energisch genug bei der Sache“, sagt der Westerwälder.

Für die spezielle Form der Jagd, Beizjagd genannt, ist eine entsprechende Ausbildung erforderlich. Unumstritten ist sie nicht, es gibt Naturschutzverbände, die die Abschaffung fordern. Pyka weist das zurück: „Schon seit 3000 Jahren werden Greifvögel für die Jagd abgerichtet. Die Unesco hat die Beizjagd ins immatrielle Weltkulturerbe aufgenommen.“ Für ein Wildtier mache es keinen Unterschied, ob ein frei lebender Greifvogel auf Beute aus ist – oder der Jagdkamerad eines Menschen.

Von Bernd Haase

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